E-1 Der erste Brief des Johannes Dieses Schreiben wendet sich wahrscheinlich an einen oertlich begrenzten Kreis christlicher Gemeinden und ist wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts abgefasst. Nach Stil und Gedankengut ist der 1. Johannesbrief mit dem Johannesevangelium nah verwandt. E-2 Der Verfasser rechnet sich zu einer Gruppe christlicher Lehrer (vgl. "wir" in 1,1-4 u. oe.), die im Kampf gegen Irrlehrer (vgl. 2,18; 4,1) das "von Anfang an" Verkuendigte (2,7.24; 3,11) einschaerfen wollen. E-3 Das Schreiben mahnt zum Glauben an Jesus, den Christus und Sohn Gottes, und zur Bruderliebe. Es ist kunstvoll gegliedert und hat folgenden Aufbau: Vorrede (1,1-4); Gemeinschaft mit Gott durch ein Leben im Licht, das heisst durch Einhalten der Gebote (1,5 - 2,17); Abwehr der "Antichriste" und Festhalten am wahren Bekenntnis zu Christus (2,18-27); Gotteskindschaft und Erfuellung der Gerechtigkeit in taetiger Bruderliebe (2,28 - 3,24); Unterscheidung der Geister und Verwirklichung des Glaubens in der Liebe (4,1-21); der wahre Glaube als Sieg ueber die Welt und als Weg zum Leben (5,1-12); Abschluss: Suende und ewiges Leben (5,13-21). E-4 Der 1. Johannesbrief ist ein wichtiges Zeugnis fuer den wahren Glauben an Jesus Christus als Gottessohn und weist auf bleibende Grundlagen des christlichen Lebens hin (Bruderliebe, Ueberwindung der Suende). 1:1 Vorrede: Das Wort des Lebens: 1,1-4 Was von Anfang an war, was wir gehoert haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Haende angefasst haben, das verkuenden wir: das Wort des Lebens. [Joh 1,1-5.14 1-4: Die Vorrede ist mit dem Anfang des Evangeliums verwandt und setzt diesen wohl voraus. Die Zeugen des Mensch gewordenen Wortes ("Wort des Lebens") sprechen als Verkuendiger; sie wollen die Briefempfaenger zu einer tieferen Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus fuehren. das Wort des Lebens, woertlich: vom Wort des Lebens sprechen wir.] 1:2 Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkuenden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. 1:3 Was wir gesehen und gehoert haben, das verkuenden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. [1,7; Joh 17,20f; 1 Kor 1,9] 1:4 Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist. [Joh 15,11; 16,20.22.24; 17,13; Joh 12] 1:5 Das Leben in der Gemeinschaft mit Gott: 1,5 - 2,17 Das Wesen Gottes: 1,5-7 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehoert haben und euch verkuenden: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. [3,11; Dan 2,22; Joh 8,12; Jak 1,17] 1:6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, luegen wir und tun nicht die Wahrheit. [2,4.11; Joh 3,20f] 1:7 Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Suende. [Joh 8,12; 12,35f; Hebr 9,14.22] 1:8 Christ und Suende: 1,8 - 2,2 Wenn wir sagen, dass wir keine Suende haben, fuehren wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. [8-2,2: Das Thema "Christ und Suende" durchzieht das ganze Schreiben (vgl. 3,4-9; 3,19-21; 5,3f; 5,16-18).] 1:9 Wenn wir unsere Suenden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Suenden und reinigt uns von allem Unrecht. [Ex 34,6f; Dtn 32,4] 1:10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesuendigt haben, machen wir ihn zum Luegner, und sein Wort ist nicht in uns. [Spr 28,13] 2:1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht suendigt. Wenn aber einer suendigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. [Joh 14,16f; 15,26; 17,12; Roem 8,34; Hebr 7,25 Das griechische Wort fuer "Beistand" (parakletos) ist das gleiche, das im Johannesevangelium fuer den verheissenen Geist verwendet wird. Waehrend Jesus Christus der Beistand beim Vater ist, wird der Heilige Geist als Paraklet der irdischen Gemeinde gesandt (vgl. Joh 14,16f; 15,26; 16,7).] 2:2 Er ist die Suehne fuer unsere Suenden, aber nicht nur fuer unsere Suenden, sondern auch fuer die der ganzen Welt. [4,10] 2:3 Wahre Gotteserkenntnis: 2,3-6 Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. 2:4 Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht haelt, ist ein Luegner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. [1,6] 2:5 Wer sich aber an sein Wort haelt, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet. Wir erkennen daran, dass wir in ihm sind. [5,3; Joh 14,21.23] 2:6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat. [Joh 13,14f] 2:7 Das neue Gebot: 2,7-11 Liebe Brueder, ich schreibe euch kein neues Gebot, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehoert habt. [7f: Das alte und neue Gebot ist das Liebesgebot.] 2:8 Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, etwas, das in ihm und in euch verwirklicht ist; denn die Finsternis geht vorueber, und schon leuchtet das wahre Licht. [Joh 13,34; Roem 13,12] 2:9 Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. [4,20] 2:10 Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es fuer ihn kein Straucheln. [Joh 11,9] 2:11 Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis. Er geht in der Finsternis und weiss nicht, wohin er geht; denn die Finsternis hat seine Augen blind gemacht. [Joh 11,10; 12,35] 2:12 Christ und Welt: 2,12-17 Ich schreibe euch, ihr Kinder, dass euch durch seinen Namen die Suenden vergeben sind. 2:13 Ich schreibe euch, ihr Vaeter, dass ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Maenner, dass ihr den Boesen besiegt habt. 2:14 Ich schreibe euch, ihr Kinder, dass ihr den Vater erkannt habt. Ich schreibe euch, ihr Vaeter, dass ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Maenner, dass ihr stark seid, dass das Wort Gottes in euch bleibt und dass ihr den Boesen besiegt habt. 2:15 Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. [Joh 5,42] 2:16 Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. [Spr 27,20 Die hier genannten "Begierden" sind nicht als erschoepfende Darstellung des Boesen in der Welt zu verstehen, sondern als charakteristische Beispiele.] 2:17 Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit. 2:18 Die Bewaehrung des Glaubens: 2,18 - 3,24 Das Auftreten von Irrlehrern: 2,18-27 Meine Kinder, es ist die letzte Stunde. Ihr habt gehoert, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist. [1 Tim 4,1; 2 Thess 2,3f 18f: Man erwartete vor dem Erscheinen Christi das Auftreten des Antichrists ("Gegenchristus"). Hier werden die aus der Gemeinde selbst hervorgegangenen Irrlehrer als "Antichriste" bezeichnet (vgl. auch 2,22; 4,3; 2 Joh 7).] 2:19 Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie gehoerten nicht zu uns; denn wenn sie zu uns gehoert haetten, waeren sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehoerten. 2:20 Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es. [2,27; 2 Kor 1,21 Andere Lesart: und ihr wisst alles. - Mit der "Salbung" ist der Heilige Geist oder das vom Geist eingegebene Wort gemeint (vgl. 2,27).] 2:21 Ich schreibe euch nicht, dass ihr die Wahrheit nicht wisst, sondern ich schreibe euch, dass ihr sie wisst und dass keine Luege von der Wahrheit stammt. [Andere Uebersetzungsmoeglichkeit: Ich schreibe euch nicht, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern ich schreibe euch, weil ihr sie kennt und wisst, dass keine Luege von der Wahrheit stammt.] 2:22 Wer ist der Luegner - wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist: wer den Vater und den Sohn leugnet. 2:23 Wer leugnet, dass Jesus der Sohn ist, hat auch den Vater nicht; wer bekennt, dass er der Sohn ist, hat auch den Vater. [4,15; Joh 5,23; 12,44f; 14,6f] 2:24 Fuer euch gilt: Was ihr von Anfang an gehoert habt, soll in euch bleiben; wenn das, was ihr von Anfang an gehoert habt, in euch bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater. 2:25 Und seine Verheissung an uns ist das ewige Leben. [Joh 5,24; 6,40; 17,2] 2:26 Dies habe ich euch ueber die geschrieben, die euch in die Irre fuehren. 2:27 Fuer euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Luege. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat. [Joh 14,26; 16,13] 2:28 Mahnung zur Treue: 2,28-29 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, die Zuversicht haben und bei seinem Kommen nicht zu unserer Schande von ihm gerichtet werden. [Die johanneische Gemeinde erwartet die Ankunft Christi in Herrlichkeit (die "Parusie"), doch nicht voll Furcht, sondern voll Hoffnung (vgl. 3,2f; 4,17f).] 2:29 Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt. 3:1 Das Geschenk der Kindschaft Gottes: 3,1-10 Seht, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heissen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. [Joh 1,12f; Roem 8,14-17; Eph 1,5] 3:2 Liebe Brueder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm aehnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. [Kol 3,4; 1 Kor 13,12] 3:3 Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist. Er: gemeint ist Christus, das grosse Beispiel der Heiligung. 3:4 Jeder, der die Suende tut, handelt gesetzwidrig; denn Suende ist Gesetzwidrigkeit. 3:5 Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Suende wegzunehmen, und er selbst ist ohne Suende. [Joh 1,29; Hebr 7,26] 3:6 Jeder, der in ihm bleibt, suendigt nicht. Jeder, der suendigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt. 3:7 Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre fuehren! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. 3:8 Wer die Suende tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel suendigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstoeren. [3,12; Gen 3,15; Joh 8,34.44] 3:9 Jeder, der von Gott stammt, tut keine Suende, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht suendigen, weil er von Gott stammt. [Mit "Gottes Same" ist der Heilige Geist als goettliches Lebensprinzip gemeint (vgl. Joh 3,6).] 3:10 Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott. 3:11 Aufruf zur Bruderliebe: 3,11-18 Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehoert habt: Wir sollen einander lieben [1,5; 2,7; Joh 13,34] 3:12 und nicht wie Kain handeln, der von dem Boesen stammte und seinen Bruder erschlug. Warum hat er ihn erschlagen? Weil seine Taten boese, die Taten seines Bruders aber gerecht waren. [Gen 4,8] 3:13 Wundert euch nicht, meine Brueder, wenn die Welt euch hasst. [Joh 15,18-21] 3:14 Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinuebergegangen sind, weil wir die Brueder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod. [Joh 5,24; 11,26] 3:15 Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Moerder, und ihr wisst: Kein Moerder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt. [Mt 5,21-26; Joh 8,44] 3:16 Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben fuer uns hingegeben hat. So muessen auch wir fuer die Brueder das Leben hingeben. [Joh 13,1; 15,12f] 3:17 Wenn jemand Vermoegen hat und sein Herz vor dem Bruder verschliesst, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben? [4,20; Jak 2,15f] 3:18 Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit. [Jak 1,25; 2,12.15-17] 3:19 Die Zuversicht der Kinder Gottes: 3,19-24 Daran werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind, und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen. ["Aus der Wahrheit sein" bedeutet: zu Gott gehoeren (vgl. Joh 18,37).] 3:20 Denn wenn das Herz uns auch verurteilt - Gott ist groesser als unser Herz, und er weiss alles. [Der von seinem Gewissen verurteilte Christ weiss, dass er auf das goettliche Erbarmen hoffen kann.] 3:21 Liebe Brueder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenueber Gott Zuversicht; 3:22 alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefaellt. [Joh 14,13f; 15,7; 16,23f.26] 3:23 Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. [Joh 13,34; 15,12.17] 3:24 Wer seine Gebote haelt, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat. [Joh 14,21-23] 4:1 Der Glaube als Weg zum Leben: 4,1 - 5,12 Ueber die Unterscheidung der Geister: 4,1-6 Liebe Brueder, traut nicht jedem Geist, sondern prueft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen. [1 Kor 12,10; 1 Thess 5,21] 4:2 Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott. [1 Kor 12,3] 4:3 Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, ueber den ihr gehoert habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt. [2,18.22; 2 Joh 7] 4:4 Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt sie besiegt; denn Er, der in euch ist, ist groesser als jener, der in der Welt ist. habt sie besiegt: gemeint sind die, die Jesus nicht auch als echten Menschen bekennen. 4:5 Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt hoert auf sie. 4:6 Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hoert auf uns; wer nicht aus Gott ist, hoert nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. [Joh 8,47; 14,17; Joh 15,26; 16,13] 4:7 Die Vollendung des Glaubens in der Liebe: 4,7-16a Liebe Brueder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. [4,16] 4:8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. 4:9 Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. [Joh 3,16; Roem 3,25; 5,8] 4:10 Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Suehne fuer unsere Suenden gesandt hat. 4:11 Liebe Brueder, wenn Gott uns so geliebt hat, muessen auch wir einander lieben. 4:12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. [Joh 1,18; 5,37; 6,46] 4:13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. 4:14 Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. [Joh 4,42] 4:15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott. 4:16a Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und glaeubig angenommen. 4:16b Furcht und Liebe: 4,16b-21 Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. 4:17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. 4:18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, und wer sich fuerchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet. 4:19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. [4,9f] 4:20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Luegner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 4:21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben. [Mt 22,37-40; Joh 14,15.21; 15,17] 5:1 Der Glaube als Sieg ueber die Welt: 5,1-8 Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, stammt von Gott, und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der von ihm stammt. [4,15; Joh 1,12; 3,3] 5:2 Wir erkennen, dass wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfuellen. 5:3 Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. 5:4 Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. [2,14] 5:5 Wer sonst besiegt die Welt, ausser dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? 5:6 Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. [Joh 19,34; 1,33; 14,26 Blut und Wasser flossen aus der durchbohrten Seite Jesu (Joh 19,34). "Wasser" ist bildhafter Hinweis auf die Taufe Jesu im Jordan (vgl. Joh 1,31f), "Blut" auf den Opfertod Jesu am Kreuz (vgl. Joh 19,34).] 5:7 Drei sind es, die Zeugnis ablegen: [7f: Hier ist bei vielen Textzeugen das sog. Comma Johanneum eingefuegt, das nicht zum urspruenglichen Text gehoert: (. . . die Zeugnis ablegen)] im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: [(der Geist . . .) Die drei Elemente (Geist, Wasser, Blut) sind drei Zeugen, die zeichenhaft hinweisen auf die Sakramente der Taufe und Eucharistie und auf den Geist als die in ihnen wirksame Kraft.] 5:8 der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins. 5:9 Das Zeugnis Gottes: 5,9-12 Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes gewichtiger; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt fuer seinen Sohn. [Joh 5,22.36f] 5:10 Wer an den Sohn Gottes glaubt, traegt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Luegner, weil er nicht an das Zeugnis glaubt, das Gott fuer seinen Sohn abgelegt hat. [Joh 8,44] 5:11 Und das Zeugnis besteht darin, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in seinem Sohn. [Joh 1,4; 5,21.24.26] 5:12 Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. 5:13 Schlussmahnung: Suende und ewiges Leben: 5,13-21 Dies schreibe ich euch, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt; denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. [Joh 20,31] 5:14 Wir haben ihm gegenueber die Zuversicht, dass er uns hoert, wenn wir etwas erbitten, das seinem Willen entspricht. [Joh 14,13f] 5:15 Wenn wir wissen, dass er uns bei allem hoert, was wir erbitten, dann wissen wir auch, dass er unsere Bitten schon erfuellt hat. 5:16 Wer sieht, dass sein Bruder eine Suende begeht, die nicht zum Tod fuehrt, soll (fuer ihn) bitten; und Gott wird ihm Leben geben, allen, deren Suende nicht zum Tod fuehrt. Denn es gibt Suende, die zum Tod fuehrt. Von ihr spreche ich nicht, wenn ich sage, dass er bitten soll. [Joh 15,22-24; Mt 12,31; Hebr 6,4-6; 10,26-29 Die "Suende zum Tod" ist wahrscheinlich eine Handlungsweise, die volle Lebensgemeinschaft mit Gott, Christus und dem Bruder zerstoert.] 5:17 Jedes Unrecht ist Suende; aber es gibt Suende, die nicht zum Tod fuehrt. [Nach anderen Textzeugen: Suende, die zum Tod fuehrt.] 5:18 Wir wissen: Wer von Gott stammt, suendigt nicht, sondern der von Gott Gezeugte bewahrt ihn, und der Boese tastet ihn nicht an. [3,6.9; Joh 1,13.18 der von Gott Gezeugte, das heisst: Jesus Christus (Joh 1,13.18). - Andere Uebersetzungsmoeglichkeit: Wir wissen: Jeder, der von Gott stammt, suendigt nicht, sondern wer von Gott stammt, den bewahrt er, und der Boese tastet ihn nicht an.] 5:19 Wir wissen: Wir sind aus Gott, aber die ganze Welt steht unter der Macht des Boesen. [Joh 8,47; 12,31; 14,30] 5:20 Wir wissen aber: Der Sohn Gottes ist gekommen, und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir (Gott) den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und das ewige Leben. [Joh 17,3; 20,28] 5:21 Meine Kinder, huetet euch vor den Goetzen!