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       # taz.de -- Kampagne gegen Missbrauch von Frauen: Warum ist Hinsehen so schwierig?
       
       > Eine von sechs Frauen ist Opfer von Gewalt – und die Welt streitet über
       > die Farbe eines Kleides. Eine Kampagne nutzt das, um das Wegsehen
       > anzuprangern.
       
   IMG Bild: Sehen Sie hier blau und schwarz?
       
       BERLIN taz | „Guck doch nur mal richtig hin, das ist doch eindeutig!“ Nur
       wenige Tage ist es her, da wurde weltweit hitzig über die Farbe eines von
       der [1][Tumblr-Nutzerin Swiked geposteten Kleides] gestritten.
       Blau-schwarz? [2][Oder doch weiß-gold?] Eigentlich eine Banalität. Jetzt
       hat die Heilsarmee Südafrika das Motiv aufgegriffen, um auf etwas wirklich
       Wichtiges hinzuweisen: [3][Gewalt gegen Frauen].
       
       Eine Frau liegt auf dem Boden, den Unterarm aufgestützt, und blickt in die
       Kamera. Sie trägt das gleiche Kleid, hier eindeutig in weiß-gold. „Warum
       ist es so schwierig, schwarz und blau zu sehen?“, fragt die Heilsarmee –
       und meint damit nicht die Farbe des Kleides.
       
       Prellungen und Blutergüsse an den Oberschenkeln und Knien, ein
       dunkelviolett verfärbtes Auge, eine aufgeplatzte Lippe. Dass dieser Frau
       Gewalt angetan wurde, ist tatsächlich nicht zu übersehen. „Die einzige
       Illusion ist, wenn du denkst, sie hätte es so gewollt. Eine von sechs
       Frauen wird Opfer von Missbrauch“, steht auf dem Bild.
       
       In der EU ist sogar jede fünfte Frau betroffen, besagt eine 2014
       veröffentliche [4][Studie der Agentur der Europäischen Union für
       Grundrechte (FRA)]. 22 Prozent der Befragten berichteten auch von sexueller
       oder körperlicher Gewalt in der Partnerschaft. Die Mehrzahl der Opfer
       meldet die Vorfälle jedoch nicht – in den schwerwiegendsten Fällen wenden
       sich mehr als drei Viertel weder an die Polizei noch an Organisationen zur
       Opferbetreuung.
       
       Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie fangen an bei Kommentaren wie „Zieh
       dir halt keinen so kurzen Rock an“ und „Was bist du auch abends alleine auf
       der Straße“ und enden beim deutschen Paragrafen 177, der als Vergewaltigung
       nur den Geschlechtsverkehr zählt, zu dem eine Frau unter Anwendung oder
       Androhung von Gewalt gezwungen wurde oder bei dem der Täter eine schutzlose
       Lage der Frau ausnutzte. Ein „Nein“ reicht trotz jahrelanger Diskussion
       bisher nicht, und ein Fall, in dem eine Frau einen Übergriff aus [5][Angst,
       Scham oder Sorge] um die Kinder über sich ergehen lässt, schon gar nicht.
       
       „Es existiert eine verbreitete, negative Kultur, dem Opfer die Schuld zu
       geben“, erklärt die Studie der FRA. Also schweigen viele Frauen – aus
       Angst, aus Scham, aus Resignation. Knapp 40 Prozent der Frauen in der EU
       geben an, dass sie von häuslicher Gewalt im Freundes- und Familienkreis
       wissen. Doch allzu oft auch schweigt das Umfeld. Dabei man muss schon sehr
       gezielt wegsehen, um nichts zu bemerken. Warum ist es so schwierig, schwarz
       und blau zu sehen?
       
       6 Mar 2015
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://swiked.tumblr.com/post/112073818575/guys-please-help-me-is-this-dress-white-and
   DIR [2] http://www.mirror.co.uk/news/technology-science/science/white-gold-dress-heres-science-5241292
   DIR [3] http://twitter.com/SalvationArmySA/status/573787199155494913
   DIR [4] http://fra.europa.eu/sites/default/files/fra-2014-vaw-survey-at-a-glance-oct14_de.pdf
   DIR [5] /Reform-des-Vergewaltigungsparagrafen/!153614/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dinah Riese
       
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