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       # taz.de -- Wang Bing gewinnt in Locarno: Eine Spur muss bleiben
       
       > Der Regisseur Wang Bing macht unprätentiöse, geduldige Filme über
       > einfache Leute. Nun hat er den Hauptpreis des Locarno-Festivals gewonnen.
       
   IMG Bild: Ohne Koketterie: der chinesische Regisseur Wang Bing, bester Filmemacher in Locarno 2017
       
       1999 machte sich der chinesische Filmemacher Wang Bing, ausgestattet mit
       kaum mehr als einer billigen, niedrig auflösenden Digitalkamera, auf nach
       Tiexi, einem Industriegebiet in der nordchinesischen Metropole Shenyang.
       Drei Jahre lang filmte er dort in halbverfallenen Stahlwerken und
       verlassenen Arbeitervierteln.
       
       Das Ergebnis war der 2003 veröffentlichte West of the Tracks, ein
       dreiteiliges, insgesamt fast zehnstündiges Dokumentarfilmepos über die für
       gewöhnlich unsichtbare Kehrseite der mit atemberaubender Geschwindigkeit
       voranschreitenden chinesischen Modernisierung. “Ein Endspiel der Arbeit,
       ohne utopischen Horizont“ (Simon Rothöhler).
       
       Es folgten weitere eindrückliche Arbeiten, fast stets geht es um verdrängte
       Randbereiche der chinesischen Gesellschaft: In Three Sisters (2012)
       porträtiert den Alltag dreier Kinder, die auf dem Land in bitterer Armut
       aufwachsen, Til Madness Do Us Part (2013) entstand in einer psychiatrischen
       Klinik, in Ta’ang (2016) folgt die Kamera Flüchtlingen aus Myanmar auf
       ihrer Odyssee durch unwirtliches Grenzgebiet.
       
       Wang Bings Filme sind gleichzeitig nüchtern und empathisch, vor allem aber
       sind sie geduldig. Jede Handlung, die sie beobachten, jede Erzählung, der
       sie zuhören, darf sich gemäß ihrer eigenen, inneren Logik entfalten.
       
       ## Sieger in Locarno
       
       Längst gehört der 1967 in Xi'an geborene Wang Bing zu den angesehensten
       Dokumentaristen der Gegenwart. Im Alter von 14 Jahren verlor er seinen
       Vater und übernahm Verantwortung für die Familie. Von 1992 bis 1995
       studierte er Fotografie in Shenyang und an der Filmhochschule in Peking.
       
       Auch die Kunstszene umschwärmt ihn: Sein aktueller Film Mrs. Fang, der
       gemeinsam mit Angehörigen am Sterbebett einer alten Frau ausharrt und der
       am Samstag den Hauptpreis des Locarno Festivals gewonnen hat, ist
       gleichzeitig auf der documenta zu sehen.
       
       Aber der Regisseur ist nicht nur seinen Themen und seiner minimalistischen
       Methode treu geblieben, sondern auch seinem unprätentiösen Auftreten: “Ich
       bin nur ein einfacher Mensch, der filmt, was er zu filmen liebt“, sagt er
       in einem Interview.
       
       Wenn man sich seine Filme anschaut, merkt man sofort, dass das keine
       Koketterie ist. Wang Bings Kino ist im besten Sinne bescheiden. Weil es
       sich ganz auf eine zentrale Grundfunktion des Dokumentarischen
       konzentriert: Es geht darum, Orte und Menschen im Bild festzuhalten, damit
       von ihnen eine Spur bleibt, wenn sie nicht mehr sind.
       
       13 Aug 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lukas Foerster
       
       ## TAGS
       
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