URI: 
       # taz.de -- Kommentar Grüne entdecken Gentechnik: Den Tod überflüssig machen
       
       > Bisher lehnen viele Grüne Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Doch nun
       > erhebt die Parteispitze Gentechnik zum Allheilmittel.
       
   IMG Bild: Sollen die Grünen ihre grundlegende Ablehnung von genmanipulierten Lebensmitteln aufgeben?
       
       Die Grünen müssen offen sein, nach möglichst allen Richtungen. Das scheint
       der Grundgedanke zu sein, der sich durch [1][das grüne Vorstandspapier] zum
       neuen Parteiprogramm zieht. Früher oder später steht die Koalitionsfrage
       an. Störender Ballast muss deshalb nach den Wünschen der Parteispitze weg.
       Die ablehnende Positionen der Grünen zur Gentechnik stehen offensichtlich
       deshalb auch mit ganz oben auf der Aufräumliste.
       
       [2][Die Grünen sollen ihre grundlegende Ablehnung] von genmanipulierten
       Lebensmitteln aufgeben. Bestimmte Methoden der Genveränderung könnten
       helfen, den Lebensmittelmangel in Dürreregionen zu überwinden, heißt es
       etwas verschwurbelt in dem Vorstandspapier. Konkret heißt das, neue
       genmanipulierende Methoden wie CRISPR sollen akzeptiert werden.
       
       Die grüne Parteispitze fällt den Umweltorganisationen damit in den Rücken.
       Denn in Brüssel steht aktuell genau dieser Streit auf der Tagesordnung:
       Fallen Methoden wie CRISPR unter das Gentechnikrecht oder nicht. Die
       Umweltorganisationen und übrigens auch die Gentechnik-Experten der Grünen
       haben sich da klar positioniert. Sie kämpfen dafür, dass auch
       CRISPR-Pflanzen nicht einfach in die Umwelt freigesetzt oder als
       Lebensmittel verarbeitet werden dürfen. Und mitten in diesem Streit setzt
       sich der grüne Parteivorstand für das Gegenteil ein. Einen besseren
       Zeitpunkt, um der Gentech-Industrie einen Gefallen zu tun, hätte der
       Parteivorstand für sein Papier gar nicht wählen können.
       
       Noch weitaus tiefgreifender ist die Position, die die Parteispitze bei den
       bioethischen Fragen plötzlich vertritt. Gentechnik wird zum Wunder- und
       Allheilmittel erkoren: Sie kann Krankheiten ausrotten, Leben verlängern –
       ja „sogar theoretisch den Tod überflüssig machen“. Bisher sind derartige
       Heilsverkündungen nur von der Gentech-Lobby bekannt. Und selbst vor dem
       Menschenklonen schreckt die Parteispitze in ihrem Fortschrittsglauben nicht
       zurück. Die Grünen sind tatsächlich dabei, sich überflüssig zu machen.
       
       13 Apr 2018
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschluesse/Beschluesse_BuVo/20180406_Beschluss_Neue_Zeiten._Neue_Antworten..pdf
   DIR [2] /Agro-Gentechnik-und-Menschenklonen/!5498255
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Wolfgang Löhr
       
       ## TAGS
       
   DIR CRISPR
   DIR Schwerpunkt Gentechnik
   DIR Bündnis 90/Die Grünen
   DIR Gen-Food
   DIR Schwerpunkt Gentechnik
   DIR Schwerpunkt Gentechnik
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Richter entscheiden über Kennzeichnung: Die heimlichen Gen-Produkte
       
       Der Europäische Gerichtshof beschäftigt sich mit neuen Methoden der
       Genmanipulation. Kritiker warnen vor Gentech ohne Hinweis im Handel.
       
   DIR Debatte bei den Grünen: Künast gegen moderne Gentechnik
       
       Grünen-Politikerin Künast misstraut auch neuartigen Gentechnikverfahren. Es
       müsse darum gehen, die Prinzipien der Agrarindustrie zu verändern.
       
   DIR Agro-Gentechnik und Menschenklonen: Grünenchefs erzürnen Umweltschützer
       
       Der Bundesvorstand der Grünen fragt seine Partei: Sind Gentechnik in der
       Landwirtschaft und das Klonen von Menschen wirklich immer böse?