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       # taz.de -- Neustart für den Profifußball: Politik, ganz kenntnisfrei
       
       > Sportminister Seehofer ist für eine Wiederaufnahme der Bundesliga – trotz
       > des Risikos für Spieler und Fans.
       
   IMG Bild: Das waren noch Zeiten: Bayern München gegen RB Leipzig – mit Fans!
       
       Viele Argumente sind zuletzt in der Debatte darum ausgetauscht worden, ob
       der [1][deutsche Profifußball] seine Geschäfte wieder aufnehmen soll. Und
       ausgerechnet der Innen- und Sportminister Horst Seehofer hat sich mit
       Statements lange zurückgehalten. Am Wochenende hat er nun Position bezogen
       und gezeigt: Politik kann auch ohne Kenntnisse formuliert werden.
       
       Seehofer stellte sich hinter den Zeitplan der Deutschen Fußball Liga, im
       Mai die Saison wieder starten zu lassen, und machte zugleich klar: Bei
       einem positiven Coronafall müsse das ganze Team in Quarantäne. Genau dieser
       Automatismus ist aber in den DFL-Plänen nicht vorgesehen und somit dürfte
       Seehofer eigentlich auch der DFL-Zeitplan nicht gefallen.
       
       Obendrein veranschaulichte das schlechte Timing des Interviews die
       Unwissenheit Seehofers recht plastisch. Denn mittlerweile hat der 1. FC
       Köln drei positive Coronafälle vermeldet – und ebenso darüber informiert,
       dass der Rest der Mannschaft das Training am Montag wieder aufnehmen wird.
       Ebenso wird die Forderung von Seehofer, es könne nicht sein, dass
       Profispieler öfter getestet werden als Pfleger oder Polizisten, durch das
       [2][DFL-Konzept], das mindestens zwei Tests pro Woche vorsieht,
       konterkariert.
       
       Die DFL versucht mit einer risikoratifizierten Methode den Spielplan bis
       Ende Juni durchzupeitschen, weil dann viele Profiverträge auslaufen.
       Seehofers kenntnislose Gefolgschaft macht deutlich: er ist mehr an einem
       positiven Signal für den Fußball und seine Fans als an Risikoabwägungen
       interessiert.
       
       Abenteuerlich ist indes, dass sowohl die DFL als auch Seehofer sagen, es
       dürfe keine [3][Privilegien für den Profifußball] geben. Laut DFL
       beanspruchen die etwa 720 Profifußballer „nur“ 0,4 Prozent der
       Testkapazitäten in Deutschland. Privilegienfrei hochgerechnet hätte dann
       Deutschland nur 180.000 Einwohner. Die Differenz zur tatsächlichen Zahl
       bildet gut ab, wie privilegiert der durch die Politik gestützte
       Profifußball ist.
       
       4 May 2020
       
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