URI: 
       # taz.de -- CDU im Osten: Ein riesiges Problem
       
       > Ein sächsischer CDU-Landrat versendet flüchtlingsfeindliche
       > Weihnachtsgrüße: Warum die Bundes-CDU ihr Problem im Osten endlich
       > angehen muss.
       
   IMG Bild: Macht keine gute Figur bei der Verteidigung der Demokratie: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer
       
       Immerhin hat die CDU dieses Mal prompt reagiert. Generalsekretär Mario
       Czaja hat sich, auch im Namen von CDU-Chef Friedrich Merz und des ganzen
       Bundesvorstands, von den Worten des [1][Bautzener Landrats Udo Witschas]
       distanziert. Der hatte in einer kurzen Videobotschaft versprochen,
       Geflüchtete, „die unsere Kultur nicht kennen“, nicht in freistehenden
       Wohnungen oder Turnhallen unterzubringen, weil das den sozialen Frieden
       gefährde. Es ist derselbe Landrat, der kurz zuvor mit anderen CDUlern dem
       Antrag der AfD, bestimmte Leistungen für Geflüchtete zu streichen, zum
       Erfolg verhalf. Was klar der Beschlusslage in der CDU widerspricht, dass es
       keine Kooperation mit der AfD geben darf.
       
       In Czajas Äußerung aber stecken gleich mehrere Probleme. Zum einen
       distanziert sich nicht der ganze Bundesvorstand klar von Witschas.
       [2][Ministerpräsident Michael Kretschmer] hat sich auf Nachfragen von
       Journalist*innen vor Ort gewunden. Kretschmer ist aber auch Landeschef
       der sächsischen CDU und stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei.
       Also genau der, der hier klare Kante zeigen müsste, was er wieder einmal
       nicht tat. Kretschmer ist Teil des Problems.
       
       Hinzu kommt, dass die Durchgriffsmöglichkeiten der Bundes-CDU beschränkt
       sind. Das hat zum einen strukturelle Gründe: zuständig ist der
       Landesverband, womit wir wieder bei Kretschmer sind. Doch viele
       CDU-Politiker im Osten scheren sich schlicht nicht mehr darum, was die
       Parteispitze in Berlin sagt. Ob aus Überzeugung oder Opportunismus – sie
       geben dem [3][Druck der AfD] nach. Dass Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem
       Kemmerich-Debakel nach Erfurt fuhr, sich an der Thüringer CDU-Fraktion die
       Zähne ausbiss und damit ihr Ende als Parteichefin einläutete, wird jedem
       Nachfolger eine Warnung sein.
       
       Doch die CDU muss sehen: Sie hat in den ostdeutschen Ländern ein
       Riesenproblem, das zum Schutz der Demokratie konsequent bearbeitet werden
       muss. Distanzierung reicht nicht. Dazu braucht es auch die Autorität des
       Vorsitzenden. Selbst wenn das für ihn gefährlich werden könnte.
       
       23 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Rassismus-zum-Fest/!5901032
   DIR [2] /Umstrittene-Podiumsrunde-mit-Tellkamp/!5902201
   DIR [3] /Polizeichef-hilft-Querdenkern/!5855634
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Sabine am Orde
       
       ## TAGS
       
   DIR Michael Kretschmer
   DIR CDU
   DIR Sachsen
   DIR AfD Sachsen
   DIR IG
   DIR Thomas Kemmerich
   DIR Friedrich Merz
   DIR Geflüchtete
   DIR Bautzen
   DIR Frank-Walter Steinmeier
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR FDP-Politiker Kemmerich kuschelt mit AfD: Dammbruch-Experte schlägt wieder zu
       
       Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich plädiert in einer rechtspopulistischen
       Talkshow für Mehrheitsbildungen mit der AfD. Er ist Wiederholungstäter.
       
   DIR CDU-Vorstandsklausur in Weimar: Christdemokratisches Klimagestolper
       
       Die Partei möchte ergrünen: Doch dann steht plötzlich die Prüfung neuer
       AKWs in einem Papier. Und Merz' „kleine Paschas“ gibt es ja auch noch.
       
   DIR Rassismus zum Fest: Weihnachtsrede mit Ressentiments
       
       Bautzens CDU-Landrat Udo Witschas lehnt in einem „Weihnachtsgruß“ die
       Unterbringung von Geflüchteten ab. Dafür erntet er Kritik.
       
   DIR Umstrittener Bautzener Landrat Witschas: Maue Distanzierung der Bundes-CDU
       
       In einer „Weihnachtsbotschaft“ lehnte der Bautzener CDU-Landrat Witschas
       die Unterbringung von Geflüchteten ab. Die CDU versucht sich in Abgrenzung.
       
   DIR Steinmeier besucht Sachsen: Mit Kaffee gegen Spaltung
       
       Der Bundespräsident reist durchs Land, um mit Menschen zu sprechen. In
       Sachsen trifft er Teilnehmer von Montagsdemos und deren Gegner – an
       einem Tisch.