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       # taz.de -- Erderhitzung durch Treibhausgase: Exxon wusste alles – und zwar genau
       
       > Der Ölkonzern spielte die Risiken seines Geschäfts jahrzehntelang
       > herunter. Derweil waren seine Expert:innen der sonstigen Fachwelt
       > sogar voraus.
       
   IMG Bild: Raffinerie von Exxon im us-amerikanischen Montana
       
       Potsdam AFP | Klimaforscher:innen der Harvard University und des
       Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) machen dem Ölkonzern [1][Exxon
       Mobil] schwere Vorwürfe. Das US-Unternehmen habe die globale Erderwärmung
       als Folge des Ausstoßes von Treibhausgasen seit Ende der 1970er Jahre genau
       vorhergesagt, schreiben die Forscher:innen in einem [2][Artikel] im
       Fachmagazin Science. Zugleich habe das Unternehmen diesen Zusammenhang
       jahrzehntelang systematisch heruntergespielt.
       
       Dass Exxon schon lange von der Bedrohung durch die globale Erwärmung
       wusste, war bereits [3][grundsätzlich bekannt]. Die
       Klimaforscher:innen werteten nun die dem Unternehmen intern
       vorliegenden Daten und darauf basierenden Prognosen von 1977 bis 2003 aus –
       das Ergebnis nannten sie „verblüffend“.
       
       Die Exxon-Expert:innen waren der Klimaforschung offenbar weit voraus: „Wir
       stellen fest, dass die meisten ihrer Projektionen eine Erwärmung
       vorhersagen, die mit späteren Beobachtungen übereinstimmt“, heißt es in dem
       Bericht. „Ihre Vorhersagen stimmten auch mit denen unabhängiger
       akademischer und staatlicher Modelle überein und waren mindestens so gut
       wie diese.“
       
       Die Prognosen waren demnach deutlich besser als die, die der
       Nasa-Wissenschaftler James Hansen 1988 dem US-Kongress vorlegte. Hansen
       gilt als Pionier der modernen Klimaforschung und warnte in den 1980er
       Jahren als einer der ersten vor den Gefahren der globalen Erwärmung.
       
       ## Exxon widersprach öffentlich den eigenen Ergebnissen
       
       „Eine Exxon-Projektion sagte sogar schon 1977 korrekt voraus, dass die
       Nutzung fossiler Brennstoffe ein ‚kohlendioxidinduziertes
       Superinterglazial‘ verursachen würde“, erklärte Stefan Rahmstorf vom PIK,
       Ko-Autor der Studie. „Das ist eine Warmzeit, die nicht nur viel wärmer ist
       als alles in der Geschichte der menschlichen Zivilisation, sondern sogar
       wärmer als die letzte Warmzeit vor 125.000 Jahren.“
       
       Die Analysen von Exxon hätten auch „genau vorausgesagt, wann die vom
       Menschen verursachte globale Erwärmung zum ersten Mal in den Messdaten
       festgestellt werden würde“. Sie berechneten demnach sogar recht präzise ein
       „Kohlenstoffbudget“ für eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad.
       
       In öffentlichen Erklärungen habe das Unternehmen „seinen eigenen
       wissenschaftlichen Daten“ jedoch systematisch widersprochen, kritisieren
       die Forscher:innen. Exxon Mobil habe „Unsicherheiten übertrieben,
       Klimamodelle kritisiert, den Mythos globaler Abkühlung verbreitet und
       Unwissenheit darüber vorgetäuscht, wann – oder ob – die vom Menschen
       verursachte globale Erwärmung messbar sein würde“, erklärte der Hauptautor
       der Studie, Geoffrey Supran von der Harvard University.
       
       Heute ist der Klimawandel bereits so weit fortgeschritten, dass
       Forscher:innen die Erde auf dem Weg zu der zuvor genannten
       Rekordwarmzeit sehen – mit all ihren katastrophalen Folgen. ExxonMobil
       könne daher mit Recht der „bewussten Klimavergehen“ beschuldigt werden,
       schloss Supran.
       
       13 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /ExxonMobil/!t5017908
   DIR [2] https://www.science.org/doi/10.1126/science.abk0063
   DIR [3] /Prozess-gegen-Oelkonzern/!5639408
       
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