# taz.de -- Angekündigter Abschied: Wagenknechts Zeitspiel
> Die Linke sollte sich nicht von Sahra Wagenknecht auf der Nase
> herumtanzen lassen. Ein Bruch ist unausweichlich – und zwar jetzt.
IMG Bild: Sahra Wagenknecht auf der Friedensdemo in Berlin am 25. Februar
Das ist die vielleicht letzte Chance für die Linke: Sahra Wagenknecht hat
[1][öffentlich eine erneute Kandidatur für die Partei ausgeschlossen].
Jetzt dürfte selbst der allzu lang aussichtslos um eine Verständigung
bemühte Gregor Gysi erkennen, dass die Brücke zu ihr und ihrer
Anhängerschaft längst eingestürzt ist.
Kann die Linke ohne Wagenknecht? Auf jeden Fall kann sie längst nicht mehr
mit ihr. Jeder Tag, an dem die Partei nicht offensiv den Bruch mit der in
trüben Gewässern fischenden Populistin und ihrem zerstörerisch wirkenden
Anhang vollzieht, bringt sie dem Abgrund einen Schritt näher. Schon jetzt
hat die Partei viele Mitglieder verloren, die dringend gebraucht würden für
eine emanzipatorische Linke. Fehlt den Parteivorsitzenden Janine Wissler
und Martin Schirdewan weiterhin die Kraft und den Fraktionsvorsitzenden
Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali die Einsicht für den notwendigen
Bruch, wird sich der Aderlass ungebremst fortsetzen.
Wagenknecht hat die Zeit, die die Partei nicht hat. Je mehr sich die Linke
an ihr zerreibt, desto besser steht es um die Chancen für ihr eigenes
politisches Projekt, über das sie und ihre Vertrauten hinter den Kulissen
schon lange intensiv diskutieren: ein Wahlbündnis zur Europawahl im
Frühjahr 2024, das – gefüttert mit Stimmen [2][aus der bisherigen Linken-
und AfD-Wähler:innenschaft sowie dem „Querdenker“-Milieu] – der Startschuss
für eine neue Partei sein soll. Um eine solche Konkurrenzkandidatur zu
realisieren, kann Wagenknecht noch mindestens bis zum späten Herbst mit
ihrem Austritt aus der Linken warten.
Ob eine „Liste Wagenknecht“ Erfolg haben wird, ist mehr als fraglich, zu
disparat ist das Spektrum, das sich in ihr zusammenfinden würde.
Wahrscheinlicher ist, dass es ihr ähnlich ergehen wird wie einst der
Piratenpartei. Aber um die Linke ins außerparlamentarische Nirwana zu
befördern, dafür könnte es reichen. Will sie noch eine Aussicht haben, die
unabwendbare Spaltung zu überleben, darf die Linkspartei Wagenknecht nicht
weiter das Gesetz des Handelns überlassen.
5 Mar 2023
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## AUTOREN
DIR Pascal Beucker
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