URI: 
       # taz.de -- Haushaltsstreit in der Ampel: Ein bisschen Führung wäre jetzt gut
       
       > Die Ampelkoalition kann sich nicht einigen, wofür sie ihr knapper
       > werdendes Budget verwenden will. Es wäre an der Zeit, dass der Kanzler
       > eine Ansage macht.
       
   IMG Bild: Sollte nicht, wer Führung bestellt, Führung bekommen? Olaf Scholz auf Schloss Meseberg
       
       Diesen Mittwoch wollte die Bundesregierung den finanziellen Rahmen für den
       [1][Haushalt 2024] abgesteckt haben. Doch Finanzminister Christian Lindner
       [2][hat den Beschluss auf unbestimmte Zeit verschoben]. Grund sind nicht
       etwa Terminprobleme. Nein, die Ampelregierung kann sich einfach nicht
       einigen, wofür sie ihr knapper werdendes Budget verwenden will. Der
       Finanzminister soll es jetzt richten. Aber wo ist eigentlich der
       Regierungschef?
       
       Vor einer Woche hat [3][Olaf Scholz in Meseberg] noch betont, man wolle
       sich jetzt unterhaken und Dinge zügig zum Abschluss bringen. Doch derzeit
       sieht es eher nach einem Konkurrenzkampf aus unter dem Motto „jeder gegen
       jede“. Die Familienministerin will Milliarden für eine armutsfeste
       Kindergrundsicherung, die Bildungsministerin möchte Schulen in prekärer
       Lage mit Geld aus dem Bundeshaushalt unterstützen, die
       Entwicklungsministerin fordert mehr Hilfe für [4][Länder im Globalen
       Süden], die man als Partner gewinnen will, und der Verteidigungsminister
       hat zusätzliche Milliarden angemeldet, um die Munitionsdepots aufzufüllen.
       Und alle haben recht. Denn diese Projekte sind entweder im
       Koalitionsvertrag verankert oder mit dem russischen Angriff auf die Ukraine
       als wichtig eingestuft worden.
       
       Blöd nur: Alle Wünsche zusammen übersteigen den Bundeshaushalt um mehr als
       70 Milliarden Euro. Entscheidet jetzt wirklich das Verhandlungsgeschick
       einzelner Minister:innen darüber, ob die Kindergrundsicherung kommt
       oder ob es zusätzliche Granaten werden?
       
       Dabei gibt der Koalitionsvertrag durchaus Hinweise für Auswege aus diesem
       Engpass. So hat sich die Ampel darauf geeinigt, umwelt- und klimaschädliche
       Subventionen abzubauen, wie die pauschale Besteuerung privat genutzter
       Dienstwagen oder die ermäßigte Energiesteuer auf Diesel. Würde der Staat
       solche Privilegien einkassieren, dann gewänne er doppelt: Zusätzliche
       Milliarden kämen rein und Deutschland käme seinen Klimazielen näher. Gerade
       im Verkehrssektor ist der Ausstoß von Treibhausgasen seit 1990 kaum
       zurückgegangen.
       
       Warum also gibt es nicht längst eine Liste von Subventionen, die wegkönnen?
       Man könnte leicht auf den FDP-Finanzminister und seine Partei zeigen: Die
       blockieren alles! Doch für das Erscheinungsbild der Regierung ist in erster
       Linie der Regierungschef verantwortlich. Es wäre an der Zeit, dass Scholz
       mal eine Ansage macht: wo konsolidiert und wo geklotzt werden soll. Etwas
       inhaltliche Führung täte der Ampel jetzt gut. Und Lindner kann ja dann
       immer noch auf den Kanzler verweisen: OWD – Olaf wollte das.
       
       15 Mar 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Ampel-verschiebt-Haushalts-Eckpunkte/!5921115
   DIR [2] /Koalitionsstreit-ueber-Subventionen/!5918897
   DIR [3] /Koalitionstagung-in-Meseberg/!5916163
   DIR [4] /Streit-um-Haushalt-2024/!5915876
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Lehmann
       
       ## TAGS
       
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Haushalt
   DIR Christian Lindner
   DIR GNS
   DIR Olaf Scholz
   DIR wochentaz
   DIR Steuer
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Umwelt
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Haushalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Kritik am Bundeshaushalt: Die Rotstift-Koalition
       
       Die Bundesregierung will sparen, der Haushalt schrumpft. Welche Projekte
       gefährdet sind und was Gerhard Schröder damit zu tun hat.
       
   DIR Steuerpläne aus der SPD: SPD-Linke will Privilegien kürzen
       
       Um soziale Projekte nicht zu gefährden, schlagen SPD-Politiker vor,
       Steuersubventionen wie das Dienstwagenprivileg zu streichen.
       
   DIR Finanzministerium verwirft Neubau-Pläne: Wohnen mit Blick auf Lindner
       
       Im Haushaltsstreit der Ampel will Lindner ein Signal setzen. Statt einer
       Erweiterung seines Ministeriums bringt er neue Wohnungen ins Spiel.
       
   DIR Ampelparteien zur Kindergrundsicherung: Knete für die Kids
       
       Die Ampelkoalition will arme Familien besser unterstützen – und streitet.
       Was plant die Familienministerin? Was kostet es? Und ist es der große Wurf?
       
   DIR Koalitionsstreit über Subventionen: Eigentlich ampeltauglich
       
       Die Grünen wollen klima- und umweltschädliche Subventionen streichen, um
       Geld für andere Projekte zu haben. Doch FDP und SPD bleiben verdächtig
       still.
       
   DIR Ampel verschiebt Haushalts-Eckpunkte: Hoffen auf mehr Steuereinnahmen
       
       Die Ministerien wollen nicht sparen, der Finanzminister will keine neuen
       Steuern. Ein möglicher Ausweg: die Erholung der Konjunktur.
       
   DIR Koalitionstagung in Meseberg: Ab hier bitte konstruktiv
       
       Das Ringen um Entscheidungen ist in einem Dreierbündnis normal. Statt sich
       an Details festzukämpfen, wäre aber ein konstruktiver Arbeitsmodus
       hilfreich.
       
   DIR Grünen-Fraktionsvize zum Haushaltsstreit: „Über Mehreinnahmen sprechen“
       
       Die Kindergrundsicherung sei das „zentrale sozialpolitische Vorhaben der
       Koalition“, betont Andreas Audretsch. Im Haushalt brauche es das Geld
       dafür.