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       # taz.de -- Letzte Generation staut in 26 Städten: Klima-Blockade bundesweit
       
       > Die Letzte Generation hat eine ihrer größten Aktionen gestartet. Grund
       > für die Proteste: Die Regierung breche das Klimaschutzgesetz.
       
   IMG Bild: Wer bricht hier das Gesetzt? Aktion der Letzten Generation am 14. Juli in Berlin
       
       Berlin taz | Mit 36 Aktionen in 26 Städten hat die Gruppe Letzte Generation
       am Freitag für eine stärkere Klimaschutzpolitik der Bundesregierung
       protestiert. In der nach eigenen Aussagen bislang größten Aktion der
       Klimaaktivist:innen wurden bundesweit mehrere wichtige Verkehrspunkte
       gestört. [1][Anlass der Proteste war laut der Letzten Generation], dass die
       Bundesregierung das Klimaschutzgesetz breche.
       
       In Berlin demonstrierten nach Angaben der Polizei an fünf verschiedenen
       Stellen Aktivist:innen der Klimaschutzgruppe. Erheblichen Stau
       verursachten acht Aktivist:innen am Kreisverkehr um die Siegessäule im
       Bezirk Tiergarten. Vier von ihnen klebten sich um 8 Uhr auf der Straße fest
       und blockierten dadurch die Hofjägerallee und die Straße des 17. Juni in
       Richtung Brandenburger Tor. Laut dpa versuchten einige Autofahrer:innen,
       die Blockade zu umgehen, indem sie über die Bürgersteige fuhren. Gegen 11
       Uhr waren alle Blockaden in Berlin aufgelöst, teilte die Polizei mit.
       
       In München protestierten acht Aktivist:innen ab 7.45 Uhr auf der
       Fahrbahn am Stachus in der Innenstadt, gegen 10.30 Uhr konnte die Polizei
       die Fahrbahn wieder freigeben. Auch in Nürnberg, Freiburg, Ulm,
       Braunschweig, Dresden, Leipzig und Potsdam blockierte die Letzte Generation
       vielbefahrene Straßen am Morgen. Einem Sprecher der Letzten Generation
       zufolge sollen die Blockaden den Tag über in verschiedenen Städten
       weiterlaufen.
       
       Die Aktivist:innen waren bei ihren Protesten als Bundeskanzler Olaf
       Scholz (SPD), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und
       Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) maskiert. Sie trugen
       Schilder mit der Aufschrift „Wir brechen das Gesetz.“
       
       ## „Friedlicher Widerstand ist demokratische Pflicht“
       
       Die Letzte Generation argumentiert, dass die Bundesregierung ihr eigenes
       Klimaschutzgesetz missachtet: Das Verkehrsministerium müsse nach Paragraph
       8 Klimaschutzgesetz bis zum kommenden Montag ein Klimaschutzsofortprogramm
       vorlegen, da es seine CO2-Reduktionsziele erneut deutlich verfehlt habe.
       Minister Wissing weigere sich aber und [2][Kanzler Scholz bestärke] ihn
       dabei, sagte ein Sprecher der Letzten Generation der taz. „Es ist unsere
       demokratische Pflicht, dagegen friedlich Widerstand zu leisten“, betonte
       Carla Rochel, eine Sprecherin der Gruppe.
       
       Die Stadt Nürnberg versuchte, die Blockaden zu verhindern, indem sie
       unangemeldete Versammlungen per Allgemeinverfügung für zweieinhalb Wochen
       verbot. Am Donnerstag teilte die Stadt mit, dass „bei nicht angezeigten
       Versammlungen der Gruppe ‚Letzte Generation‘ oder ähnlichen Versammlungen
       zum Klimaprotest keine Fahrbahnen benutzt werden dürfen und sich
       teilnehmende Personen nicht ankleben, festketten, festbinden oder
       niederlassen dürfen“.
       
       Verstöße würden mit Geldbußen bis 3.000 Euro, für die Anführer:innen
       der Proteste sogar mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet.
       Rechtzeitig angezeigte Klimaproteste, Versammlungen und Demonstrationen
       seien aber nicht betroffen. Seit einer Woche sind auch in Stuttgart auf 150
       Straßen im Stadtgebiet Blockaden von Klimaaktivist:innen bis Ende des
       Jahres untersagt. Ende 2022 verfügte München ein ähnliches Verbot für einen
       Monat.
       
       Nach der [3][Klebe-Aktion am Düsseldorfer Flughafen] am Vortag prüft der
       Airport inzwischen mögliche Ansprüche auf Schadenersatz. „Wir behalten uns
       rechtliche Schritte vor“, sagte ein Sprecher am Freitag. Die Höhe des
       entstandenen Schadens sei noch unklar. Am Donnerstag hatten sich sieben
       Aktivist:innen auf dem Rollfeld festgeklebt. Die Folge waren
       Flugausfälle und -verspätungen. Eine ähnliche Aktion hatte es auch am
       Hamburger Flughafen gegeben.
       
       ## 48 Flüge in Düsseldorf annulliert
       
       In Düsseldorf wurden nach Angaben des Sprechers insgesamt 48 Flüge
       annulliert und zwei umgeleitet. Bis in den Abend habe es bei vielen der
       insgesamt 480 Flüge Verspätungen gegeben, in Einzelfällen bis zu 90
       Minuten.
       
       Sprecherin Lina Johnsen rechtfertigte die Aktion am Donnerstagabend in den
       [4][ARD-“Tagesthemen“]: „Wir steuern auf eine unglaublich große Katastrophe
       zu, und die Bundesregierung schafft es nicht, auf die Bremse zu treten.“
       Auch sie fände die Blockaden nervig und gönne allen Menschen ihren
       wohlverdienten Urlaub, sagte Johnsen.
       
       Zu einer Umfrage, nach der 85 Prozent der Deutschen die Proteste der
       Letzten Generation ablehnen, betonte sie: „Unsere Rolle als Protestierende
       ist es nicht, Mehrheiten für den Klimaschutz zu schaffen, die sowieso schon
       da sind. Es scheitert an der Umsetzung der Lösungen, nicht an Mehrheiten in
       der Bevölkerung.“ Den Vorwurf, dass einige Protestformen der Letzten
       Generationen kriminell seien, wehrte die Aktivistin ab. Was kriminell sei,
       müssten am Ende die Gerichte entscheiden. Zu den Flughafen-Blockaden liege
       noch kein Gerichtsbeschluss vor.
       
       14 Jul 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://letztegeneration.org/blog/2023/07/36-sitzblockaden-in-26-staedten-protest-gegen-gesetzesbruch-der-regierung/
   DIR [2] /Umweltverbaende-empoert/!5835925
   DIR [3] /Flugausfaelle-in-Hamburg-und-Duesseldorf/!5943822
   DIR [4] https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tagesthemen/video-1220760.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hanna Koban
       
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