# taz.de -- Humanitäre Lage in Gaza: Lagerhäuser der UN geplündert
> Tausende Menschen sollen Hilfsgüter der Vereinten Nationen gestohlen
> haben. Derweil gehen in Gaza die Evakuierungen weiter.
IMG Bild: Hilfe, die dringend gebraucht wird: Lager für UN-Hilfsgüter im Gazastreifen
Berlin taz | Das Internet scheint nach Gaza zurückzukehren. Das
Mobilfunknetzwerk in dem Küstenstreifen war am Freitagabend gegen 18 Uhr –
im Zuge der israelischen Bodenoffensive und verstärkter Luftschläge –
zusammengebrochen. Wie die Organisation Netblocks auf X, ehemals Twitter,
angab, kehre die Verbindung zurück. Vor allem im Süden scheint das laut
einer von Netblocks geteilten [1][Grafik] der Fall zu sein.
Vor etwa einer Woche konnte die taz mit einem jungen Mann aus Gaza
sprechen, der zu Protokoll gab, wie er mit seiner Familie aus dem Norden
des Küstenstreifens in den Süden geflohen war. Ab Freitagnachmittag war er
nicht mehr zu erreichen, Nachrichten wurden nicht mehr zugestellt. Am
Sonntagmittag meldete er sich wieder: „Wir haben überlebt“.
Bereits kurz nach dem 7. Oktober hatte das israelische Militär Zivilisten
[2][in Gaza] erstmals aufgefordert, sich in den Süden des Landes zu
begeben. Am Wochenende erfolgte die nächste Evakuierungsempfehlung: Auch
Gaza-Stadt, südlich der bereits zu guten Teilen evakuierten Gebiete, soll
nun verlassen werden. Das dortige Al-Quds-Krankenhaus – al-Quds ist der
arabische Name Jerusalems – wurde ebenfalls zur Evakuierung aufgefordert.
Laut dem palästinensischen Roten Halbmond – dem Äquivalent des Roten
Kreuzes – befinden sich 12.000 Menschen in dem Gebäude. Die Evakuierung sei
kaum möglich, erklärte der Sprecher der Organisation, Nebal Farsakh. Und:
Die meisten Patienten seien an Sauerstoffmaschinen angeschlossen. Sie zu
evakuieren „würde sie töten“, gab er an.
## 700.000 Menschen sind bereits in den Süden Gazas geflohen
Derweil hat Israel die zweite von drei Pipelines, die Gaza mit Wasser aus
Israel versorgen, wieder geöffnet. Nach Informationen der Zeitung The Times
of Israel sollen nun wieder über 28 Millionen Liter täglich nach Gaza
fließen – etwa halb so viel, wie Israel vor dem Beginn des Krieges
lieferte. Zwei Tage nach den Angriffen der Hamas am 7. Oktober hatte Israel
den Hahn zugedreht. Laut The Times of Israel stellt Israel normalerweise
etwa 9 Prozent des Wasserverbrauchs in Gaza bereit.
Israel will außerdem [3][mehr Hilfslieferungen] über den südlichen
Grenzübergang mit Ägypten, genannt Rafah, zulassen. Das kündigte
Armeesprecher Daniel Hagari am Samstag an. Rund 700.000 Menschen sind nach
Angaben des Militärs bereits in den Süden Gazas geflohen, insgesamt leben
knapp über 2,2 Millionen Menschen in dem Küstenstreifen. Treibstoff soll
von den Lieferungen aber weiter ausgenommen bleiben.
Der wird zwar dringend benötigt, unter anderem für die Stromversorgung, die
in Gaza vor allem über Dieselgeneratoren und ein großes, ebenfalls mit
fossilem Brennstoff betriebenes Kraftwerk erfolgt. Die Hamas soll aber –
[4][das berichtet die US-Zeitung New York Times unter Berufung auf mehrere
Quellen] – der Zivilbevölkerung Treibstoff und andere dringend benötigte
Güter wie Nahrungsmittel gestohlen haben.
Tausende Menschen sollen außerdem in Lagerhäuser des Hilfswerks der
Vereinten Nationen für die Palästinenser (UNRWA) eingebrochen sein, teilte
dieses am Sonntag mit. Dabei wurden Hygieneartikel sowie etwa Weizenmehl
gestohlen. In den Depots lagern die Güter, die aus Ägypten geliefert
wurden. Wegen der Unterbrechung des Mobilfunknetzes gab es in den letzten
beiden Tagen keine weiteren Lieferungen. Sie sollen nun aber wieder
aufgenommen werden.
29 Oct 2023
## LINKS
DIR [1] https://x.com/netblocks/status/1718457047493083165?s=20
DIR [2] /Israel-nach-Hamas-Anschlag/!5965231
DIR [3] /Hilfsgueter-fuer-Menschen-in-Gaza/!5969219
DIR [4] https://www.nytimes.com/2023/10/27/world/middleeast/palestine-gazans-hamas-food.html
## AUTOREN
DIR Lisa Schneider
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