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       # taz.de -- Wahl in den Niederlanden: Alarmsignal für die Europawahl
       
       > Rechte Politiker von Orban bis Seidel feiern den Wahlsieg der PVV.
       > Der Wahlerfolg des „niederländischen Trump“ kommt für die EU zur Unzeit.
       
   IMG Bild: Alle Blicken richten sich nun auf ihn: Manfred Weber, Chef der EVP, hier im EU-Parlament
       
       Viktor Orbán hatte es eilig. Noch bevor das Endergebnis der Wahl in den
       Niederlanden feststand, gratulierte der rechtslastige ungarische
       Ministerpräsident bereits seinem Gesinnungsfreund Geert Wilders. „The winds
       of change are here!“, schrieb Orbán auf Twitter/X. Auch Marine Le Pen, die
       prominente Führerin der französischen Nationalisten, ließ ihrer Freude
       freien Lauf. Sie sprach von einer „spektakulären Leistung, die das
       wachsende Engagement für die Verteidigung nationaler Identitäten
       bestätigt.“
       
       Ähnlich äußerten sich Matteo Salvini aus Italien und Alice Weidel in
       Deutschland. Europas Rechte, die eigentlich nur der Hass auf „Brüssel“ und
       die EU eint, wittert Morgenluft. Nach der Wahlniederlage der PiS in Polen
       hat sie endlich wieder etwas zu feiern.
       
       Im Brüsseler Europaviertel dagegen herrscht Schweigen.
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sonst immer die erste
       Gratulantin, hält sich bedeckt. Sie fand nicht einmal tröstende Worte für
       [1][Frans Timmermans, ihren ehemaligen EU-Klimakommissar]. Timmermans war
       im Sommer von Brüssel nach Den Haag gewechselt, um den gescheiterten
       niederländischen Premier Marc Rutte abzulösen. Doch sein Wahlbündnis aus
       Sozialdemokraten und Grünen kam trotz beachtlicher Stimmengewinne nur auf
       den zweiten Platz.
       
       Mit Europa lassen sich in den Niederlanden offenbar keine Wahlen gewinnen.
       Wilders konnte nicht nur mit dem Thema Migration punkten – er fordert eine
       härtere Asylpolitik –, sondern auch mit Kritik an hohen
       Lebenshaltungskosten. Der Teuro macht den Proeuropäern zu schaffen.
       
       ## Hält die Brandmauer?
       
       Für die EU kommt der Wahlerfolg des „niederländischen Trump“ zur Unzeit.
       Brüssel bereitet gerade den nächsten EU-Gipfel vor, bei dem es vor allem um
       die Ukraine gehen soll. Orbán hat bereits Widerstand angekündigt. Nach
       Ungarn könnten nun auch die Niederlande von der Fahne gehen. Wilders will
       keine Waffen mehr liefern. Der Rechtsruck in den Niederlanden ist aber vor
       allem ein Alarmsignal für die Europawahl im Juni 2024. Projektionen deuten
       seit Wochen auf Zugewinne für die EU-Gegner hin. Wilders’ Erfolg dürfte
       [2][Le Pens Rassemblement National,] aber auch der AfD weiteren Auftrieb
       geben.
       
       Alle Blicke richten sich nun auf Manfred Weber, den Chef der konservativen
       Europäischen Volkspartei. Weber hatte seine Bewegung, der auch CDU/CSU
       angehören, in den vergangenen Monaten gegen Timmermans und seine angeblich
       industrie- und bauernfeindliche Klimapolitik mobilisiert. Zudem hatte der
       CSU-Politiker versucht, mit [3][rechten Parteien in ganz Europa]
       anzubandeln. Wird er nun auch noch die Brandmauer schleifen, die die EVP
       bisher von Bündnissen mit Nationalisten und EU-Gegnern abhielt?
       
       Genau das war in den Niederlanden passiert. Statt sich klar von Wilders
       abzusetzen, hatte Dilan Yeşilgöz, Chefin der rechtsliberalen Partei VVD in
       den Niederlanden, eine Koalition nicht ausgeschlossen. Nach Ansicht von Ria
       Cats, EU-Korrespondentin von Het Financieele Dagblad, war es dieser
       „strategische Fehler“, der Wilders zum Durchbruch verhalf.
       
       Weber hat versprochen, prinzipienfest zu bleiben und eine „harte
       Abgrenzung“ von der AfD und anderen Rechtsparteien zu suchen. Doch der
       Rechtsruck in den Niederlanden könnte dazu führen, dass einige
       EVP-Mitglieder schwach werden. Bei der Europawahl könnte es ähnlich böse
       Überraschungen geben wie in den Niederlanden.
       
       23 Nov 2023
       
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