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       # taz.de -- Austritt aus umstrittenem Abkommen: EU verlässt Energiecharta-Vertrag
       
       > Etliche Sonderklagerechte für fossile Konzerne fallen weg. Die
       > Privilegien für Unternehmen in anderen Abkommen bleiben aber vorerst.
       
   IMG Bild: Ein Braunkohlebagger baggert im Tagebau Garzweiler. Die EU verlässt den Energiecharta-Vertrag
       
       Brüssel taz | Deutschland [1][war bereits im Dezember vorangegangen], nun
       steigt auch die EU aus dem umstrittenen Vertrag zur Energiecharta aus. Dies
       bestätigte das Europaparlament am Mittwoch mit großer Mehrheit in
       Straßburg. Die EU-Energieminister hatten den Ausstieg bereits im März
       angekündigt.
       
       Der 1994 geschlossene Energiecharta-Vertrag sollte [2][Investitionen in die
       Energieversorgung fördern und absichern.] Nach Ansicht von Klimaschützern
       blockiert er jedoch den Übergang zu grünen Technologien. Außerdem wurde der
       Vertrag von den Energiekonzernen immer wieder für Klagen gegen einzelne
       Staaten genutzt. So wurde Deutschland wegen des Atomausstiegs vor Gericht
       gezerrt, die Niederlande wurden wegen des Verzichts auf Kohle belangt.
       Damit soll nun Schluss sein.
       
       „Der Austritt aus dem klimaschädlichen Energiecharta-Vertrag ist eine gute
       Nachricht für die Energiewende,“ sagt Ludwig Essig, Referent für
       Handelspolitik am Umweltinstitut München. Allerdings müsse die EU nun auch
       auf neue Handelsabkommen verzichten, die Sonderklagerechte enthalten und
       die Klimakrise anheizen.
       
       Nach Angaben der europäischen Linken gibt es derzeit noch 1.500
       Investitionsschutzabkommen mit ähnlichen Klagerechten wie [3][in der
       Energiecharta.] Man werde dafür kämpfen, dass nun auch alle 27 EU-Staaten
       aus dem Vertrag aussteigen, kündigte die Fraktion „The Left“ an. Ungarn und
       Zypern erwägen jedoch, dem Abkommen wieder beizutreten.
       
       ## Klage gegen Deutschland
       
       Deutschland hatte den Ausstieg bereits im November 2022 beschlossen und im
       Dezember letzten Jahres vollzogen. Zuvor hatte der schwedische
       Energiekonzern Vattenfall die Bundesrepublik auf fast fünf Milliarden Euro
       Schadenersatz wegen des Atomausstiegs verklagt; gezahlt wurden 1,4
       Milliarden Euro.
       
       Umstritten ist, ob die EU nun schneller mit der Energiewende vorankommen
       wird. Allein Deutschland könnte es nach einer Studie des Handelsblatt
       Research Institute rund 1,1 Billionen Euro kosten, bis 2045 die gesetzlich
       festgelegte Klimaneutralität zu erreichen. Doch die Kassen sind leer –
       nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel.
       
       24 Apr 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Eric Bonse
       
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