# taz.de -- Neue russische Offensive in der Ukraine: Schaut auf Charkiw, nicht auf Malmö
> Wir interessieren uns zu sehr für den Nahostkonflikt und zu wenig für die
> Ukraine. Putin schafft derweil Fakten.
IMG Bild: Ukrainische Feuerwehrleute versuchen nach russischem Bombardment, die Flammen unter Kontrolle zu bringen
Europa fiedelt, während Europa brennt. Die Augen weiter Teile der
europäischen Öffentlichkeit haben sich jüngst auf die Proteste gegen
I[1][sraels Teilnahme am Eurovision Song Contest in Malmö] gerichtet.
Währenddessen hat Russland in der Ukraine eine blutige, neue Kriegsfront
eröffnet.
Bodentruppen sind auf dem Vormarsch in Richtung der Millionenstadt Charkiw,
die ohnehin seit Wochen täglich Ziel russischen Bombenterrors ist.
Grenznahe Dörfer und Gehöfte stehen in Flammen, Tausende verzweifelte
Menschen sind auf der Flucht, die erschöpften ukrainischen Verteidiger sind
am Limit.
Russlands Präsident Putin beginnt seine dritte Amtszeit so, wie er es
angekündigt hat – mit Warnungen vor einem neuen Weltkrieg, Drohungen mit
einem Atomschlag und der Verkündung, Russland werde immer siegen.
[2][Der Angriff auf Charkiw] ist da nur der erste Schritt. Der Westen hat
dem momentan nichts entgegenzusetzen und will davon auch nichts wissen. Die
EU, die USA und Großbritannien sind sämtlich mit Wahlkampf beschäftigt,
also mit sich selbst. Wenn etwas die politische Öffentlichkeit bewegt, ist
es Streit über Israel.
## Narzistische Überidentifikation mit Israel
Debatten über Gaza spalten Deutschland und andere Länder verlässlicher, als
es die plumpe russische Ukrainepropaganda sich je hätte träumen lassen. Der
notwendige Kampf gegen Antisemitismus wird von der europäischen Rechten für
Fremdenfeindlichkeit und autoritäres Staatsverständnis instrumentalisiert.
Deutschland droht sich durch seine narzisstische Überidentifikation mit
Israel aus der Weltpolitik zu verabschieden, ohne es zu merken. In den USA
steht Biden massiv unter dem Druck der eigenen Basis, und damit steigen
Trumps Siegeschancen im November, womit Putins Durchmarsch gesichert wäre.
Für die Ukraine demonstriert derweil niemand. Dabei ist die Lage so
brenzlig wie seit Kriegsbeginn vor zwei Jahren nicht mehr.
## Russlands Krieg nicht hinnehmen
Die Toten von Charkiw sind auch Europas Tote. Rechtzeitige Lieferungen von
[3][Abwehrwaffen in ausreichender Menge] hätten es der Ukraine ermöglicht,
alle großen Städte zu schützen, nicht nur Kyjiw.
Während Trumps Marionetten in den USA monatelang die Militärhilfe für die
Ukraine blockierten, verschwendeten Europäer kostbare Zeit mit
Dauerdebatten etwa darüber, ob die Ukraine die Ausgangspunkte russischer
Angriffe zerstören darf.
Egal was Putin anrichtet – immer warnt irgendjemand in Berlin vor einer
drohenden Eskalation, sobald jemand die reale Eskalation aufzuhalten
versucht. Man kann aber nicht im Europawahlkampf mit „Frieden“ werben und
zugleich Russlands Krieg hinnehmen. Jetzt entscheidet sich Europas Zukunft.
In der Ukraine.
12 May 2024
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## AUTOREN
DIR Dominic Johnson
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