# taz.de -- Pasolini und Carpaccio im Museum: Der Kinomoment
> Die Berliner Gemäldegalerie sucht nach künstlerischen Einflüssen auf den
> Bürgerschreck Pasolini und findet sie ausgerechnet in der
> Frührenaissance.
IMG Bild: Vittore Carpaccio, Die Grabbereitung Christi, Detail, ca. 1515-1520
50 Jahre ist es her, dass Pier Paolo Pasolini ermordet wurde, vor 500
Jahren starb der venezianische Maler Vittore Carpaccio. Die Berliner
Gemäldegalerie versucht, anlässlich der anstehenden Carpaccio-Schau, die
Geschichten der verschiedenen Künstler narrativ zu verschränken: Unter der
Überschrift „Lieblingskünstler Pasolinis“ stellte Kunsthistoriker Neville
Rowley Werke aus der hochkarätigen Sammlung des Hauses vor.
Bei [1][Caravaggio] war die Sache klar: Die Dramatik, die düstere
Farbpalette, die hyperrealistischen Randfiguren aus dem Volk lassen an
Pasolinis geschundene Proletarier denken. Düster auch das Selbstporträt von
Lorenzo Lotto, in dem der Kurator das „graue Licht der Poebene“ sah –
Pasolini stammte aus Bologna. Einen „cinematografischen Moment“ galt es in
einem Florentiner Geburtsteller zu entdecken. Ob Pasolini diesen Teller
kannte? In Giottos „Marientod“ konnte, wer wollte, einen Vorboten der
Massenszenen aus Pasolinis Matthäusevangelium sehen.
Wer der Restauratorin Babette Hartwieg zuhörte, erfuhr, wie schwierig es
war, [2][Carpaccios Meisterwerk] „Die Grabbereitung Christi“ zu
restaurieren. Am farbenfroh rundum erneuerten Bild „Die Weihe des heiligen
Stephanus“ zeigte sie, was heute alles möglich ist. Als sie von der in
Bleiweiß skizzierten, verschachtelten Stadtlandschaft erzählte, die bei der
Durchleuchtung zum Vorschein kam, war er da, der cinematografische Moment.
Die Höhlen von Matera, Agamben als Philippus – kurz sind Frührenaissance
und Neorealismus im Kopf verschaltet.
22 Nov 2025
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## AUTOREN
DIR Nina Apin
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