# taz.de -- Wahlen in Europa, Afrika und Asien: Von politischer Blockade bis hin zur Machtergreifung des Militärs
> An diesem Sonntag finden weltweit mehrere Wahlen statt. Nur eine davon
> ist wirklich demokratisch. Eine Übersicht.
IMG Bild: Wähler:innen in Myanmar vor einem Wahllokal: Wann die Ergebnisse bekanntgegeben werden, ist noch unklar
Kosovo: Vorgezogene Neuwahlen inmitten von politischer Krise
Im Kosovo finden am Sonntag [1][vorgezogene Neuwahlen] statt. Der
[2][Westbalkanstaat] mit 1,6 Millionen Einwohnern – eines der ärmsten
Länder Europas – befindet sich seit rund zehn Monaten in einer politischen
Blockade: Die linksnationalistische Selbstbestimmungs-Partei (VV) von
Ministerpräsident Albin Kurti hatte die Parlamentswahl im Februar gewonnen,
jedoch die absolute Mehrheit verfehlt. Seitdem ist das Parlament in
Pristina blockiert, Versuche einer Regierungsbildung scheiterten.
Beobachtern zufolge dürfte Kurtis Partei aus der Wahl am Sonntag erneut als
stärkste Kraft hervorgehen – allerdings wieder ohne absolute Mehrheit. Der
50-jährige Regierungschef versucht, den serbischen Einfluss im Kosovo
zurückzudrängen, was bei vielen Kosovo-Albanern auf Zustimmung stößt,
zugleich aber die Spannungen mit Belgrad verschärft. Die frühere serbische
Provinz Kosovo hatte sich 2008 und damit knapp ein Jahrzehnt nach dem
Kosovokrieg für unabhängig erklärt. Serbien erkennt die Unabhängigkeit bis
heute nicht an. (afp)
Myanmar: Junta will mit „Scheinwahl“ Macht legitimieren
Fast fünf Jahre nach dem Militärputsch in [3][Myanmar] wird erstmals wieder
eine Parlamentswahl abgehalten. Das hatte die regierende Junta Ende Juli
angekündigt und gleichzeitig den Ausnahmezustand in dem südostasiatischen
Land für beendet erklärt. Die erste Phase findet am Sonntag statt, zwei
weitere im Januar. Wann die Ergebnisse bekanntgegeben werden, ist noch
unklar – voraussichtlich aber Ende Januar.
Internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen bezeichneten die
Wahl aber bereits im Vorfeld als Farce. Sie diene nur dazu, die Macht der
Generäle zu legitimieren, teilte „Human Rights Watch“ mit. Gewählt wird
größtenteils in Wahlbezirken, in denen die Junta die Gewalt hat.
Schätzungen zufolge kontrollieren Widerstandsgruppen und Rebellen
mittlerweile mehr als 50 Prozent des Landes.
Die Armee hatte am 1. Februar 2021 geputscht und die demokratisch gewählte
De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet. Die ursprünglich
versprochenen Wahlen wurden unter dem Vorwand, die Gewalt im Land lasse
diese nicht zu, zuvor immer wieder vertagt. Die Junta unterdrückt seit dem
Putsch Widerstand mit Gewalt. International ist das Land fast völlig
isoliert. (dpa)
Guinea: Erste Präsidentschaftswahl seit Militärputsch von 2021
Die Menschen in Guinea sind am Sonntag zur ersten Präsidentschaftswahl in
dem westafrikanischen Land seit der Machtübernahme durch das Militär im
Jahr 2021 aufgerufen. Beobachtern zufolge dürfte Junta-Führer General
Mamadi Doumbouya die Wahl gewinnen. Guinea ist eines von zehn afrikanischen
Ländern, in denen seit 2010 Soldaten die Macht übernommen haben. In einigen
davon gewannen Militärs später Wahlen, nachdem die Rückkehr zur Demokratie
zunächst verzögert wurde.
Seit dem Sturz von Präsident Alpha Condé vor vier Jahren ging General
Doumbouya Kritikern zufolge hart gegen die Opposition und Andersdenkende
vor. Ernsthafte Herausforderer, die ihm den Sieg für eine siebenjährige
Amtszeit bei der Wahl am Sonntag streitig machen könnten, hat er damit
nicht mehr.
Insgesamt treten neun Kandidaten an. Doumbouyas schärfster Konkurrent ist
der kaum bekannte Yero Baldé von der Partei Demokratische Front von Guinea.
Er war unter dem abgesetzten Präsidenten Condé Erziehungsminister und hat
für den Fall seiner Wahl Reformen der Regierungsführung, Maßnahmen zur
Korruptionsbekämpfung und Wirtschaftswachstum in Aussicht gestellt. Zwei
Oppositionskandidaten, der frühere Ministerpräsident Lansana Kouyaté und
der frühere Minister Ousmane Kaba, wurden aus technischen Gründen von der
Wahl ausgeschlossen, die langjährigen Oppositionsführer Cellou Dalein
Diallo und Sidya Touré gezwungen, ins Exil zu gehen.
Die Abstimmung wird im Rahmen einer neuen Verfassung abgehalten, mit der
das Verbot für Militärführer, sich um ein politisches Amt zu bewerben,
aufgehoben und die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sieben Jahre
verlängert wurde. Diese Verfassung wurde bei einem Referendum im September
mit großer Mehrheit gebilligt. Die Oppositionsparteien hatten zu einem
Boykott der Volksabstimmung aufgerufen.
Aktivisten und Menschenrechtsgruppen sagen, dass in Guinea seit dem
Staatsstreich nicht nur die Opposition geschwächt wurde, sondern auch
führende Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft zum Schweigen gebracht,
Kritiker entführt und die Presse zensiert worden seien. Im vergangenen Jahr
lösten die Behörden trotz weit verbreiteter Kritik mehr als 50 politische
Parteien auf, um „das politische Parkett zu säubern“, wie sie das nannten.
(ap)
Zentralafrikanische Republik: Wahl mit russischer Hilfe
In der Zentralafrikanischen Republik sind die Bürger zur Präsidentenwahl
aufgerufen. In dem seit mehr als einem Jahrzehnt von Gewalt geprägten Land
mit rund 5,5 Millionen Einwohnern wird mit einem Sieg von Amtsinhaber
Faustin-Archange Touadéra im ersten Wahlgang gerechnet. Sollte kein
Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist eine Stichwahl
vorgesehen.
Neben der Präsidentschaftswahl werden an diesem Sonntag auch
Parlamentswahlen sowie erstmals seit Jahrzehnten wieder Kommunalwahlen
durchgeführt.
Die Wahlen finden vor dem Hintergrund eines seit etwa 2013 andauernden
Bürgerkriegs statt, der den Staat an den Rand des Zerfalls brachte.
Bewaffnete Gruppen kontrollierten zeitweise große Teile des Landes.
Internationale Friedensmissionen, darunter die UN-Mission Minusca, sowie
militärische Unterstützung aus Russland und Ruanda trugen in den
vergangenen Jahren dazu bei, die Lage teilweise zu stabilisieren. Dennoch
sind vor allem in Grenzregionen zum Sudan und Südsudan weiterhin Rebellen
aktiv.
Touadéra ist seit 2016 im Amt und stützt sich bei der Sicherung seiner
Macht in hohem Maße auf russische Militärberater und Söldner. Diese
übernehmen unter anderem Aufgaben beim Schutz der Regierung und bei
Einsätzen gegen bewaffnete Gruppen. Die Sicherheitslage hat sich dadurch
verbessert, bleibt jedoch brüchig. Zugleich sind schwere
Menschenrechtsverletzungen durch mit Russland verbundene Kräfte belegt,
darunter außergerichtliche Tötungen, Misshandlungen und Vergewaltigungen
von Zivilisten.
Touadéra kandidiert nach einem umstrittenen Verfassungsreferendum von 2023,
das ihm weitere Amtszeiten ermöglicht. Mehrere Oppositionsparteien riefen
zum Boykott der Wahl auf. Als wichtigste Herausforderer gelten die früheren
Premierminister Anicet Georges Dologuélé und Henri-Marie Dondra, die erst
kurz vor dem Wahltermin zugelassen wurden. (dpa)
28 Dec 2025
## LINKS
DIR [1] /Regierungsbildung-gescheitert/!6122470
DIR [2] /Wadephuls-Westbalkan-Reise/!6130649
DIR [3] /Buergerkrieg-in-Myanmar/!6137620
## TAGS
DIR Militärjunta
DIR Militärregierung
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Kosovo
DIR Guinea
DIR Zentralafrikanische Republik
DIR Kosovo
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Kosovo
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Wahlergebnisse in Kosovo: Klare Mehrheit für den Linken
Er war schon als Student im Widerstand gegen die serbische Besatzung. Jetzt
wurde Albin Kurti als Ministerpräsident wiedergewählt.
DIR Myanmars Militär soll gewählt werden: Warum Chinas Einparteienregime Wahlen in Myanmar unterstützt
Die autoritär regierte Volksrepublik unterstützt das brutale Militärregime
bei seinen Scheinwahlen mit technischer Hilfe und schickt Wahlbeobachter.
DIR Myanmars Junta will gewählt werden: Kampf um eine Wahlfarce
Mitten im Bürgerkrieg lässt das Militärregime in Myanmar wählen. Geringe
Beteiligung, große Ängste und mit der Partei der Generäle ein
vorherbestimmter Sieger.
DIR Bürgerkrieg in Myanmar: Viele Tote bei Luftangriff auf Krankenhaus
Im nordwestlichen Rakhine-Staat in Myanmar, der weitgehend unter Kontrolle
ethnischer Rebellen ist, treffen zwei Bomben eines Militärjets ein
Krankenhaus.
DIR Regierungsbildung gescheitert: Der Kosovo muss neu wählen
Albin Kurti kann mit seiner Vetëvendosje nicht allein regieren, aber er
findet keine Partner. Das liegt auch an Konflikten mit der serbischen
Minderheit.