# taz.de -- Staatliche Hotelkette in Spanien: Seriöser Luxus
> Die 98 Paradores in Spanien sind Qualitätsherbergen. Sie verfolgen
> ehrgeizige Ziele für einen nachhaltigen Tourismus in historischen
> Gemäuern.
IMG Bild: Das Kloster von Cuenca ist heute ein Hotel: der Parador de Cuenca in der Region La Mancha, Zentralspanien
Dort, wo Spanien ländlich, einsam und eigenwillig ist. Wo die Landschaft
meist flach ins Unendliche läuft, wo Weinstöcke und Olivenbäume die in der
Hitze flirrende steinige Steppe beleben, wo die Sockel der Hauswände und
die Fensterrahmen königsblau bepinselt sind; wo die Hitze im Sommer
unerträglich ist und im Winter eiskalte Winde die weißen Windmühlen
antreiben: Hier in La Mancha, südlich von Madrid, im Zentrum Spaniens,
kämpfte Don Quijote, „Der Ritter von der traurigen Gestalt“, gegen
Windmühlen, Weinschläuche, Riesen. Immer dabei: sein treu ergebener Knappe,
der bodenständige Sancho Panza.
400 Jahre nach dem Tod von Miguel de Cervantes ist der Roman über den
dürren Ritter und seinen untersetzten Gehilfen Weltliteratur. Aber wer –
außer Spanischstudenten – liest heute noch die langatmige Parodie auf
Ritterromane?
„An einem Ort in der Mancha, ich will mich nicht an den Namen erinnern,
lebte vor nicht langer Zeit ein Edelmann …“, so beginnt der Roman. Dessen
Verfasser Miguel Cervantes saß dort irgendwo wegen Betrugs im Gefängnis.
Und da der Ort im Roman nicht genau benannt ist, kann jeder beliebige Ort
in Kastilien-La Mancha den „Quijote“ heute irgendwie als Werbeträger
nutzen. Denn auch wenn nur wenige den Roman gelesen haben, ein Mythos ist
der Quijote allemal.
Auch in [1][Chinchón], südlich von Madrid, ist der Ritter in Souvenirläden
omnipräsent. An Chinchón allerdings erinnert man sich gern, vor allem wenn
man im Parador im ehemaligen Augustinerkonvent Nuestra Señora del Paraíso
untergebracht ist. Kreuzgang und Treppe sind noch im Originalzustand und
die schlichte Kapelle wurde in diesem von Grund auf sanierten alten Gebäude
in eine romantische Hochzeitssuite verwandelt.
Das Gebäude mitten im Zentrum des mittelalterlichen Ortes besitzt große
Gärten und einen klösterlichen Gemüsegarten. Mit interessanten Kunstwerken,
modernem Design und viel Geschmack ist dieser [2][Parador] ein typisches
Beispiel für die Politik der spanischen Hotelkette.
Das Gebäude, das den aktuellen Parador beherbergt, besitzt wie viele der
inzwischen 98 Paradores in Spanien eine bewegte Vergangenheit. Gegründet im
15. Jahrhundert, wurde das Kloster 1626 aufgegeben. Nach der
Säkularisierung im Jahr 1842 wurde es als Gericht und regionales Gefängnis
genutzt.
Kultur, Kunst und Gastronomie sind Markenzeichen der Paradores, die
meistens in historischen Bauwerken wie Klöstern und Schlösser untergebracht
sind. Die Kunstsammlung mit fast 10.000 Werken stellt ein nationales Erbe
dar, das mit der Geschichte und dem Prestige der Hotelkette verbunden ist.
Die Direktorin des Parador von Chinchón, Nieves Montisi, die seit 27 Jahren
im Parador-Netzwerk tätig ist, zeigt stolz die religiöse Kunstsammlung im
Kreuzgang.
## Nachhaltigkeit als Grundprinzip
Paradores de Turismo de España ist eine staatliche Hotelkette mit
inzwischen 98 Häusern in ganz Spanien. Ein neuer Parador auf Ibiza wurde
gerade eröffnet. Mit einer durchschnittlichen Auslastung von über 80
Prozent steht der Parador in Chinchón gut da. Nives Montisi beschreibt den
Strategieplan des Unternehmens: Modernisierung, Barrierefreiheit,
Nachhaltigkeit und digitale Transformation. „Um dies zu erreichen, wurde
2025 ein Investitionsplan von über 250 Millionen Euro aufgelegt, der die
Renovierung von mehr als der Hälfte des Netzes rechtzeitig zum 100-jährigen
Jubiläum von Paradores im Jahr 2028 ermöglicht.“
Nachhaltigkeit sei eines der wichtigsten Grundprinzipien. Der gesamte
Stromverbrauch stamme aus erneuerbaren Energien, ein
Energieeffizienz-Aktionsplan wurde gestartet, um die Emissionen innerhalb
von zwei Jahren um 30 Prozent zu reduzieren, Einwegplastik wurde aus den
Zimmern verbannt. Paradores sehe sich als Modell für verantwortungsvollen
Tourismus, der sich der Stärkung der regionalen Wirtschaft auf die Fahnen
geschrieben hat.
Außer den historischen Paradores gibt es mittlerweile auch einige
Zweckbauten, meist als gewinnträchtige Badehotels an den Küsten wie zum
Beispiel den Parador in Jávea an der Costa Blanca oder der neue Parador auf
Ibiza. Allen Häusern gemeinsam ist der solide, bisweilen ausgezeichnete
Standard. Wie normale Hotels sind die Paradores klassifiziert – mit drei,
vier oder fünf Sternen. Alle der stilvoll eingerichteten Zimmer bieten WC,
Dusche, Fernseher und Minibar. Sie verfügen über Restaurant und Bar, viele
haben auch einen Swimmingpool.
„Calidad, amabilidad, leyenda – desde 1928“ steht auf den schweren
Messingtafeln am Eingang zu jedem Parador. Qualität, Herzlichkeit, Legende
– seit 1928. Die Idee zu den stilvollen Unterkünften geht auf das Jahr 1926
zurück, als man in Spanien einen „königlichen Kommissar für Tourismus“
ernannte, den Marqués de Vega Inclán.
Dieser machte seiner Majestät König Alfons XIII. den Vorschlag, die armen,
landschaftlich jedoch reizvollen Regionen Spaniens mit einem Programm
staatlicher Hotels zu fördern, die man in der Vielzahl historisch und
architektonisch bedeutsamer Bauwerke unterbringen könnte. Die Idee war
geboren. Der erste Parador wurde am 9. Oktober 1928 in Gredos (Ávila)
eröffnet.
Heute verfolgt die spanische Regierung mit den historischen Unterkünften
ein Konzept, das doppelten Nutzen hat: Einerseits fließt Geld für die teure
Pflege der alten Gemäuer in die Staatskasse. Ständig werden Paradores
renoviert. Und die hochwertigen Herbergen tragen zur Dezentralisierung des
spanischen Tourismus bei, indem sich viele seiner Betriebe in ländlichen
Gebieten oder Kleinstädten abseits der überlaufenen Touristenrouten
befinden. „Wenn irgendwo ein neuer Parador entsteht, zieht das auch in
abgelegenen Regionen Besucher an“, sagt Nives Montisi, die viel im
Parador-Netzwerk herumgekommen ist.
Das trifft nicht unbedingt auf Chinchón zu. Der Ort ist beliebtes
Ausflugsziel für Madrilenen. Der Hauptplatz von Chinchón mit den für
Kastilien-La Mancha typischen Balkonleisten, Galerien und Fassaden gilt als
einer der schönsten und größten Plaza Mayor von ganz Spanien. Heute finden
sich hier Restaurants und Bars. Die Stierkampfsaison beginnt traditionell
mit dem Fest des heiligen Jakobus am 25. Juli. Dann wird der Platz auch
heute noch zu einer Stierkampfarena umgebaut, und eine immer kleiner
werdende eingeschworene Gemeinschaft verfolgt den Kampf zwischen Mensch und
Tier.
Das bei Tierschützern sehr umstrittene Spektakel lockt internationale
Besucher an. Auch für die Paradores liegt der Anteil des internationalen
Tourismus bei 34,2 Prozent des Gesamtaufkommens. „Engländer halten bei
ihrer Fahrt durch Frankreich bis zu ihrem Sonnensitz an der Costa del Sol
gern im etwas nördlich gelegenen Parador von Lerma, Deutsche und Franzosen
buchen gern eine Parador Reise mit unterschiedlichen Stops“, sagt Nieves
Montisi. Es gäbe viele Wiederkehrer und einen Anstieg des Direktverkaufs
über das Treueprogramm [3][„Amigos de Paradores“,] das über eine Million
Nutzer erreicht, von denen 27 Prozent aus internationalen Märkten stammen.
Wie bei den Bonusprogrammen der internationalen Hotelketten und
Fluggesellschaften werden dem Gast bei jedem Besuch Punkte gutgeschrieben.
Ab einer bestimmten Punktezahl bekommt er eine Übernachtung gratis.
Außerdem erhalten Mitglieder bei jedem Besuch einen Welcome-Drink, eine
kostenlose Garage und zahlreiche weitere attraktive Sonderofferten.
## Goldene Tage für Senioren
Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet in Kastilien-La Mancha je nach
Saison zwischen 90 und 140 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück.
Um die Buchungen besser über die unterschiedlichen Paradores zu verteilen,
hat die spanische Regierung eine Reihe attraktiver Sonderangebote
aufgelegt.
Für Senioren, auch ausländische Besucher, gibt es die „días dorados“
(goldene Tage): Wer mehr als 55 Jahre alt ist, der erhält auf
Standardzimmer 30 Prozent Ermäßigung für Aufenthalte mit Übernachtung und
Frühstück. Wenn ein Begleiter das Zimmer teilt, erhält er den gleichen
Nachlass, auch wenn er jünger ist als 55.
Auf der [4][Quijote-Route], die auf 2.500 Kilometern durch die Mancha
führt, kann man von Parador zu Parador ziehen. Die Route ist europäisches
Kulturerbe, auf den Wegstrecken gibt es viele Wander- und Radwege. Und die
Paradores in Orten wie Lerma, Sigüenza, Chinchón, Almagro erzählen
spanische Geschichte. Auf Mallorca- und Ibiza-erprobte Touristen mag der
wirre Ritter mit seinem Ehrgefühl genauso verstörend wirken wie das
touristische Angebot der Mancha: eine trockene Ebene, mittelalterliche,
leere Dörfer, Burgen, die von den Schlachten zwischen Christen und Muslimen
erzählen, rustikale Küche, schwerer Wein.
In ertragreichen Jahren trägt die Mancha fast die Hälfte zur gesamten
spanischen Weinproduktion bei. Cervantes bemerkt zum Manchego-Wein in der
trockenen Meseta mit seinem trockenen Humor: „Er lobte den Wein so sehr,
dass er ihn fast in den Himmel hob. Er geriet jedoch keinen Moment in die
Gefahr, ihn so lange dort oben zu lassen, dass er hätte herunterregnen
können.“ Aber Vorsicht: Einige Gläser davon können verstörende Phantasmen
von Rittern, Inquisitoren und katholischen Königen in den historischen
Gemäuern auferstehen lassen.
1 May 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.spain.info/de/reiseziel/chinchon/
DIR [2] https://paradores.es/es
DIR [3] https://paradores.es/en/amigos-de-paradores
DIR [4] https://www.spain.info/de/route/don-quijote/
## AUTOREN
DIR Edith Kresta
## TAGS
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