URI: 
       # taz.de -- Mütter kennen diesen Trick: Ein gutes Leben
       
       > Was tun, wenn die kleine Schwester kein Spielzeug hat, fragte sich der
       > kleine Bruder in der Straßenbahn. Ein süßer Lösungsvorschlag.
       
   IMG Bild: Lego & Co sind des Kindes Freund
       
       Ich bekomme eine kleine Schwester.“ Ich blicke von meinem Buch auf. In der
       M13 Richtung Bornholmer Straße sitzt mir ein kleiner Junge mit grüner
       Pudelmütze gegenüber und strahlt mich an. Er ist vielleicht drei oder vier
       Jahre alt.
       
       „Bald bin ich ein großer Bruder“, sagt er. „Sie muss nur noch schlüpfen.“
       „Herzlichen Glückwunsch“, sage ich. Er tippt auf den Bauch seiner Mutter,
       die neben ihm sitzt. „Ich war da auch mal drin. Ich hab alles ordentlich
       ausgefegt, bevor ich raus bin. Damit meine Schwester nicht in einem
       Gerümpel leben muss. Ich bin ein guter Aufräumer.“ Er hält kurz inne. Dann
       sagt er ernst: „In Mamas Bauch ist es wirklich schön muggelig, aber …“
       
       „Aber was?“, frage ich. „Es gibt keine Spielsachen.“ Oh. Da hat er recht.
       Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. „Deshalb habe ich Mama
       gefragt, ob sie nicht Sensei Wu verschlucken kann.“ „Sensei Wu?“ „Das ist
       seine Lieblingslegofigur von Ninjago“, schaltet sich die Mutter mit ins
       Gespräch ein. „Damit deine Schwester was zum Spielen hat?“, frage ich den
       Jungen.
       
       „Genau.“ „Und?“ „Mama hat Nein gesagt.“ Merkwürdigerweise sieht er gar
       nicht enttäuscht aus. Ich sehe zur Mutter. „Ich habe ihm dafür etwas
       anderes vorgeschlagen“, sagt sie. „Was denn?“, frage ich neugierig. „Etwas
       Gutes“, sagt der Junge. „Gummibärchen“, sagt die Mutter. „Elf Stück.
       Unzerkaut. Eine ganze Fußballmannschaft.“
       
       „Und alle in Grün. Grün ist nämlich meine Lieblingsfarbe.“ Der Junge deutet
       auf seine Mütze. „Ich hab sie einzeln aus der Tüte rausgesucht.“ Er schaut
       mich zufrieden an. „Die haben auch keine scharfen Kanten, an denen man sich
       verletzen kann.“ „Tolle Idee“, sage ich. „Aber was ist, wenn deine
       Schwester mal Hunger auf Süßes bekommt?“
       
       „Das habe ich bedacht“, sagt die Mutter. „Sie schickt jeden Tag
       Ersatzspieler nach“, sagt der Junge. „Richtig viele. Und in allen möglichen
       Farben.“ „Sicher ist sicher“, sagt die Mutter. Die beiden sehen mich an und
       grinsen um die Wette. „Kleine Schwester müsste man sein“, sage ich. „Noch
       nicht auf der Welt und schon so ein gutes Leben.“
       
       8 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Klaus
       
       ## TAGS
       
   DIR Alltag
   DIR Alltagsleben
   DIR Straßenbahn
   DIR Öffentlicher Nahverkehr
   DIR Berlin
   DIR Kultur in Berlin
   DIR Kinder
   DIR Pädagogik
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kiel
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Kolumne Szene
   DIR Schwer mehrfach normal
   DIR Kolumne Szene
   DIR Alltag
   DIR Alltag
   DIR Alltag
   DIR Kolumne Szene
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Erwachsener Lego-Fan über sein Hobby: „Es herrscht der Konsens, Gewaltverherrlichung zu vermeiden“
       
       Michael Schmundt und seine Vereinskollegen bauen aufwendige Modelle aus
       Lego. Das ist mal Ausgleich zur Arbeit, mal Traumabewältigung, sagt er.
       
   DIR Kindergeburtstage in der Großstadt: Auf Schatzsuche im Sandkasten
       
       Wer bei der urbanen Schnitzeljagd mit Kindern Schätze verbuddelt, darf
       nicht traurig sein, wenn die Kinder beim Buddeln etwas anderes zutage
       fördern.
       
   DIR Drogen per Taxi: Kaltakquise per Briefkasten
       
       Wenn der Drogentaxi-Flyer scheinbar wahllos in einem Briefkasten in
       Weißensee landet: Auch Dealer haben Öffnungszeiten.
       
   DIR Amok- oder Feueralarm?: Johnny Cash, my Ass
       
       Im stressigen Schulalltag kann man mit dem Alarmsystem schon mal
       durcheinanderkommen. Und wer den Schaden hat, muss für den Spott ja nicht
       sorgen.
       
   DIR Nette Berliner: Entschuldigung, Ihre Tasche tropft
       
       Beim ungewöhnlichen Biertransport kommt man schnell mit den Tischnachbarn
       ins Gespräch. Und die sind sogar netter als in Hamburg.
       
   DIR Väter kennen diesen Trick: Heute ist es ein Schnitzel
       
       Auf dem Spielplatz lässt sich beim Trockenwerden gut orakeln. Vor allem
       wenn zur Belohnung „Lambada“ erklingt.
       
   DIR Raubkatzen besprühen im Park: Panther und Jaguare
       
       Ein aufgeschnapptes Partygespräch vereint Großkatzen, Kunst und die Bibel.
       Und was ist eigentlich in den Zigaretten?
       
   DIR Traumdeutung beim Blutabnehmen: Mit C. G. Jung zur Blutabnahme
       
       Aufgeschnappte Gespräche unter Medizinischen Fachangestellten führen zu
       tieferen Reflexionen über das eigene Leben.
       
   DIR Schwarzwald: An einem Ort namens „Aha“
       
       Wo „Na ja“ und „Tja“ nicht weit sind: Nach einer Wanderung im Schwarzwald
       gibt es Torte und kalte Kachelöfen.
       
   DIR Begegnungen in der Deutschen Bahn: Glückliche Sardinen in der Intercity-Dose
       
       Das Leben kann man auch in vollen Zügen genießen. Sogar mit Fußballfans.
       Zumindest, wenn es alte Bekannte sind.
       
   DIR Verwirrende Knöpfe in Bussen und Bahnen: Das Leben ist kein Fahrgastwunsch
       
       In Aufzügen, Bussen und Bahnen gibt es eine Vielzahl von Knöpfen, deren
       Funktion sich nicht immer intuitiv erschließt. Willi probiert sie alle aus.
       
   DIR Alarm zum Frühstück: Das kalte Haus
       
       An einem normalen Montagmorgen springt auf einmal der Kohlenmonoxid-Melder
       an. Wann kann man sich danach wohl wieder nach Hause trauen?
       
   DIR Blackouts im Winter: Wenn auch noch der Strom ausfiele
       
       Bei Minusgraden ist es unangenehm, wenn Warmwasser oder Elektrizität
       ausfallen. Anders als in der Ukraine werden Probleme jedoch meist schnell
       behoben.
       
   DIR Berlin Weichselplatz: Die Eroberung des Südpols
       
       Ist das noch Neukölln oder schon die Antarktis? Eisig peitscht einem der
       Wind ins Gesicht, während man über die Gehwege schlittert.
       
   DIR Schnee in der Stadt: Möhrenkuchen mit Topping
       
       Über den Schnee in Berlin, den man nicht essen sollte, selbst dann nicht,
       wenn er wie Zuckerguss aussieht.
       
   DIR Noch eine Fahrt: Der lange Weg zu ihr
       
       Über das Zugfahren von Berlin nach Leipzig, das Umsteigen im immer
       regnerischen Dessau und über die Sehnsucht.
       
   DIR Freude mit Ortsnamen: Punk Oi!
       
       Über die Namen Berliner Bezirke und eine besondere Methode, Englisch-und
       Erdkundeunterricht miteinander zu verknüpfen.