# taz.de -- Politische Gewalt in Frankreich: Linker „Lynchmord“ an Rechtsextremisten
> In Lyon stirbt ein 23-Jähriger bei einem gewaltsamen Überfall am Rand
> einer linken Kundgebung. Er soll eine rechte Gegendemo als Ordner
> begleitet haben.
IMG Bild: Warnt vor Hass und Gewalt im eigenen Land: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Im laufenden Kommunalwahlkampf in Frankreich weckt der gewaltsame Tod eines
rechtsextremen Aktivisten Angst vor weiteren Gewalttaten. Emmanuel Macron
rief am Samstagabend auf X zur Ruhe auf. „Der Hass, der tötet, hat bei uns
keinen Platz“, [1][schrieb der Staatschef]. Wenige Stunden zuvor war der
23-jährige Quentin D. seinen Verletzungen erlegen, die er am Donnerstag am
Rande einer Demonstration gegen die Europaabgeordnete der Linkspartei La
France Insoumise (LFI), Rima Hassan, erlitten hatte.
Die für ihr propalästinensisches Engagement bekannte [2][Rima Hassan] hatte
an der Politikhochschule Sciences Po an einer Konferenz teilgenommen. Das
rechtsextreme Frauenkollektiv [3][Némésis] protestierte vor dem Gebäude
gegen ihre Teilnahme. Laut Némésis war Quentin dabei als Ordner im Einsatz.
Die rechtsextreme Gruppe [4][Action française] bestätigte der Zeitung Le
Parisien, dass Quentin Mitglied ihres Ablegers in Lyon war.
Der Anwalt der Eltern dementierte aber, dass der 23-jährige
Mathematikstudent die Demonstration als Ordner begleitet habe. Er sei auch
nie durch Gewalt aufgefallen, erklärte Fabien Rajon laut der Zeitung
Libération. Er beschrieb seinen Tod als „Lynchmord durch mehrere Personen,
in Überzahl und bewaffnet, die sich über ein isoliertes Opfer hermachten“.
Der Fernsehsender TF1 veröffentlichte ein Video, das rund ein Dutzend
Maskierte zeigt, die auf drei am Boden liegende Menschen einprügeln und sie
treten. Zwei können fliehen, der dritte bleibt liegen. Die
Staatsanwaltschaft mahnte zur Vorsicht: „In diesem Stadium müssen der
Zusammenhang und die Umstände der Taten erst noch festgestellt werden.“
## „Die Miliz von Mélenchon und LFI haben getötet“
Dennoch prangerte die rechtspopulistische Partei RN (Rassemblement
National) sofort LFI an. „Die Miliz von Mélenchon und LFI haben getötet.
Friede deiner Seele, Quentin“, schrieb die Europaabgeordnete Marion
Maréchal auf X. RN-Frontfrau Marine Le Pen sprach sich dafür aus, die
antifaschistischen Bewegungen ähnlich wie in den USA als
Terrororganisationen einzustufen. Ihr RN hat laut Umfragen gute Chancen,
die Präsidentschaftswahl 2027 zu gewinnen. LFI-Vordenker Jean-Luc Mélenchon
warf wiederum Le Pen vor, „haltlose Anschuldigungen“ gegen seine Partei zu
verbreiten und das „Drama von Lyon“ auszunutzen.
Némésis will unter den Angreifern einen Parlamentsassistenten des
LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault erkannt haben, der die linksextreme
Gruppierung Jeune Garde mitbegründet hat. Die Gruppierung wurde im
vergangenen Jahr ebenso wie die rechtsextreme Lyon populaire verboten,
nachdem beide sich in Lyon immer wieder Auseinandersetzungen geliefert
hatten.
LFI-Parteichef Manuel Bompard versicherte, dass niemand aus dem Umfeld von
Hassan oder LFI Kontakt zu den „faschistischen Gruppierungen“ hatte, die
gegen die Konferenz protestierten. In der Nacht zu Samstag verwüsteten
Unbekannte mehrere LFI-Büros. Innenminister Laurent Nuñez forderte eine
verstärkte Überwachung politischer Kundgebungen.
15 Feb 2026
## LINKS
DIR [1] https://x.com/EmmanuelMacron/status/2022742086441746827
DIR [2] /Wie-Greta-Thunberg-Israel-schiebt-auch-die-EU-Abgeordnete-Rima-Hassan-ab/!6090344/
DIR [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Collectif_N%C3%A9m%C3%A9sis
DIR [4] https://www.actionfrancaise.net/
## AUTOREN
DIR Christine Longin
## TAGS
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Lyon
DIR Schwerpunkt Antifa
DIR Schwerpunkt Emmanuel Macron
DIR Rechtsextremismus
DIR Social-Auswahl
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Leipzig-Connewitz
DIR Schwerpunkt Frankreich
DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Streit um Tod eines Ultrarechten: Paris verwahrt sich gegen Einmischung der „reaktionären Internationalen“
Die französische Regierung will US-Botschafter Kushner einbestellen,
nachdem die US-Regierung Frankreich für gewaltbereiten Linksextremismus
kritisiert hatte.
DIR Festnahmen in Frankreich: Linkspartei nach Tod eines Rechtsextremisten unter Druck
In Frankreich wurden elf Verdächtige festgenommen, die mit der linken
Partei LFI zusammenarbeiteten. Von dem Vorfall profitiert die Rechte.
DIR Getöteter Rechtsextremer in Frankreich: Der Charlie-Kirk-Effekt
Eine Antifa-Gruppe tötet in Frankreich einen Rechtsextremen. Macron und
Minister zeigen sich solidarisch. Bei rassistischen Morden bleibt dieses
„Wir“-Gefühl aber aus.
DIR Demonstrationen in Leipzig: Wem gehört Connewitz?
In Leipzigs linker Hochburg brüllen sich am Samstag propalästinensische und
proisraelische Demonstrant:innen nieder. Die Rechtsextremen freut das.
DIR Rechtsruck in Frankreich: Rechtspopulismus auf der Überholspur
In Frankreich steht die Rechtspopulistin Marine Le Pen erneut vor Gericht.
Doch ihre politischen Vorschläge sind so populär wie noch nie.
DIR Gaza-Hilfsschiff „Madleen“: Passionaria mit Palästinensertuch
Israel will die EU-Abgeordnete Rima Hassan bis Freitag abschieben. Noch ist
sie in Haft. In Frankreich ist sie eine Ikone der Palästina-Solidarität.