# taz.de -- Deutschrapduo Tapehead & Noni: Die Hoffnung ist vertagt
> Das Duo Tape Head & Noni spricht auf seinem Debütalbum „Nicht ins Leben
> verliebt, aber es lieben gelernt“ über Tabus. Der Sound ist wütend und
> pathetisch.
IMG Bild: Rapper Tape Head und Produzent Noni kennen sich schon seit Schulzeiten
Es gibt Rapperinnen und Rapper, die beginnen ihr Album mit einem Statement,
einem klugen Wortspiel oder mit einem deftigen Schimpfwort. Und es gibt
Tape Head und Noni: „Mein Freund wünschte, er sei tot“, lautet die Zeile,
mit der das Publikum auf dem Debütalbum „Nicht ins Leben verliebt, aber es
lieben gelernt“ gleich zum Anfang konfrontiert wird.
Eine gewagte Entscheidung, könnte man meinen. Wobei: Ist es so weltfern, im
Jahr 2026 mit so einer Zeile einzusteigen? Einem Teil des Publikums könnte
dieses Thema bekannt vorkommen.
So lebensnah wie ihre Reime ist auch die Geschichte der Interpreten: Rapper
Tape Head und Produzent Noni lernen sich schon zu Schulzeiten im
nordrhein-westfälischen Erkelenz kennen, haben zusammen in einer Bigband
gespielt. 2023 veröffentlichten sie erste Singles, später eine EP – ohne
Label, in Eigenregie. Ihr Sound mäanderte da noch zwischen HipHop,
Synthwave und Punk. Fixpunkt sind Tape Heads introspektive, oft destruktive
Texte, vorgetragen in einem stets kraftvollen, manchmal leicht dissonanten
Pathos.
Dieses Prinzip verfolgen die beiden Künstler auch auf ihrem Debüt: „Sic
transit gloria mundi“, Tape Heads und Nonis zeitgenössische Interpretation
der lateinischen Klage über die Vergänglichkeit, strotzt mit leicht
angezerrten Synths und gepresstem Gesang vor Power. „Wir passieren“
hingegen ginge beinahe als Indie-Pop-Ballade durch, trügen die Reime nicht
das Gewicht einer leicht depressiven Tristesse.
Hoffnung gibt es auf dem Album wenig, stattdessen gelingt dem Duo ein
außergewöhnlicher, musikalischer und poetischer Zugang zur dysfunktionalen
Psyche, die so viel vielfältiger in Erscheinung treten kann anstatt nur als
Leiden. „Am Ende meiner Schuld“ verbalisiert eine Lähmung, aber auch den
zutiefst empfundenen Wunsch, mehr für andere geben zu können. [1][„Wir
gegen den Rest“] schöpft Kraft aus Verbundenheit, auch politischer: „Statt
wie Krabben nur zu ziehen, halten wir uns an uns fest / Gegen den Brustkorb
schlägt das Herz am linken Fleck.“
## Doch kein Cloudrap?
In den Nullerjahren wären Sound und Lyrik in die Schublade „Emorap“
sortiert worden. Der Begriff sollte, damals zumeist abschätzig,
Rapper*innen beschreiben, die in ihren Vorstellungswelten statt Härte
und Gewalt auch Innerlichkeit, Herzschmerz und Gefühle zulassen – Themen,
die nicht so einfach in eine heroisierende Gangsta-Erzählung passen. Das
änderte sich in den vergangenen Jahren, wobei die Narration psychischer
Abgründe auch in Subgenres wie Cloudrap stets eine Gratwanderung zwischen
Tagebuchpoesie und Romantisierung blieb.
Tape Head und Noni balancieren in ihren Songtexten feinfühlig: Wo die
Energie überhandzunehmen droht, bricht ein Rhythmus kurz ein oder ein Reim
ab. Wo Trauer verbalisiert wird, bringt eine klare Gitarrenmelodie
Leichtigkeit mit. Trotz all der Melancholie werden die Arrangements so nie
zum endgültigen Rauf- oder Runterzieher. Hoffnung vertagen Tape Head und
Noni trotzdem eher auf die Zukunft: Der Song „Sei wen du gebraucht hättest“
erzählt von dem Versuch, eine bessere Respektsperson zu werden als die, die
für einen selbst früher im Angebot war; „Nie zurück“ erteilt der ewigen
Romantisierung von Jugend eine Absage.
Trotz der vielen tiefgründigen Themen klingt das Debüt von Tape Head & Noni
hocherfrischend, über den DIY-Ansatz lässt sich ob der mächtig klingenden
Produktion staunen. Zu wünschen bleibt diesem Duo daher nur, dass es nicht
in verstaubte Schubladen sortiert oder mit Begriffen assoziiert wird, die
Tiefgang und Weite von „Nicht ins Leben verliebt, aber es lieben gelernt“
nur verzerrt abbilden könnten.
23 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=00pBaAcciOE&list=RD00pBaAcciOE&start_radio=1
## AUTOREN
DIR Konstantin Nowotny
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