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       # taz.de -- S-Bahn fahren in der Nacht: Ein epischer Film um drei Uhr morgens
       
       > Ein nächtlicher BVG-Streik in Berlin lässt unerwartete Allianzen
       > schmieden. Auch wenn sie sich beim Sturm auf den Ersatzverkehr wieder
       > verlieren.
       
       Um drei Uhr morgens den Ostbahnhof zu betreten, ist, als würde man nach der
       Apokalypse in ein Mutterschiff steigen. Wir sagen zum Spaß, wir seien an
       der Ostsee – einfach um zu lachen, denn wir sind müde und allein auf dem
       verlassenen Bahnsteig. Würde die BVG nicht streiken, wären wir längst zu
       Hause. Doch die Reise scheint immer länger zu werden.
       
       Die S7 nach Ahrensfelde fährt nur bis Ostkreuz, wo wir alle in eine S42
       steigen, die eigentlich eine S41 sein sollte. Im Waggon sind alle
       verärgert, als der Zug in die entgegengesetzte Richtung losfährt, als er es
       von diesem Gleis normalerweise tut. „Sprecht ihr Spanisch?, fragt eine Frau
       mit roter Jacke und langem schwarzem Zopf, die uns schimpfen hört, und
       schließt sich unserer kleinen improvisierten Truppe Fahrgästen an, die
       Richtung Süden unterwegs ist.
       
       Diese besteht aus meiner Freundin und mir, aus jemandem, der zunächst den
       Fahrplan über sein Handy im Griff zu haben scheint und dann anfängt, vor
       sich hin zu reden, und aus einem anderen, der mit einer Bierflasche in der
       Hand die Durchsagen des Ersatzverkehrs rezitiert und von einer Seite zur
       anderen schwankt. Irgendwann bringt uns die S-Bahn zurück nach Ostkreuz.
       Dort geht es zu der Ersatzbusse weiter, die jedoch nicht wie üblich halten,
       sondern an einem Ort, den jemand entdeckt und mit ausgestrecktem Finger in
       die Luft zeigt, während er „Da drüben!“ ruft.
       
       Dann stürmen alle dorthin wie in einer Kampfszene aus einem epischen Film.
       Zwischen den rennenden Statisten erkennen wir die Frau mit der roten Jacke,
       deren Zopf von einer Seite zur anderen schwingt wie der Schwanz eines
       Panthers, und bedauern, uns nicht von ihr verabschiedet zu haben. Als wir
       schließlich in unseren Bus Richtung S-Bahn Neukölln steigen, sind wir
       erleichtert – ohne zu wissen, dass noch mehr Abenteuer auf uns warten.
       
       22 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Luciana Ferrando
       
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