# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn der Glauben doch erst mit dem Sehen kommt
Martha Argerich kommt. DIE Martha Argerich, Göttin des Klaviers,
Herrscherin der musikalischen Geister. Die Hamburger Laeiszhalle ist
ausverkauft, alles drängt sich und will die Treppen hoch in den
Konzertsaal.
Und als wir dann oben sind, im selben Saal, aber viele Meter getrennt von
ihr, steht der Flügel zum Glück so, dass Martha Argerich von überall zu
sehen ist. Sogar von der Seitenempore aus sehen wir sie von hinten, wir
sehen ihr schwarzes Kleid, das lange weiße Haar. Sie ist jetzt 84, sie
wirkt schmächtig. Vor ihr auf den Saiten liegt ein zerknülltes Taschentuch.
Prokofjew, drittes Klavierkonzert! Höllisch. Ein elektrischer Schlag geht
durch den Raum, Argerich hebt ab. Doch kann das, was wir hören, überhaupt
sein? Geht das mit rechten Dingen zu? Wenn etwas geschieht, das die
Menschen nicht verstehen, brauchen sie Beweise. Und so erhebt sich oben auf
der Seitenempore das Publikum aus den Sitzen und schaut hinab, wo die Hände
von Martha Argerich wie von selbst über die Tasten fahren. Klangwolken
stäuben und glitzern. Es ist grandios.
Martha Argerich war hier. Wir haben ihre Hände spielen gesehen. Daniel
Wiese
4 Apr 2026
## AUTOREN
DIR Daniel Wiese
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