# taz.de -- Umweltverschmutzung in Russland: Sonnenliegen auf ölverseuchtem Sand
> An der russischen Schwarzmeerküste ist Schweröl ausgetreten, die
> Verschmutzung groß. Doch bald beginnt die Touristensaison. Die Behörden
> setzen Prioritäten.
IMG Bild: Ein von einer staatlichen russischen Nachrichtenagentur veröffentlichtes Bild zeigt eine Helferin mit einem ölverschmutzten Vogel in der Krasnodar-Region
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In der südrussischen Region Krasnodar am Schwarzen Meer ist im April 2026
erneut Masut – ein zähflüssiges, schwefelreiches, als Heizöl genutztes
Schweröl – ausgetreten. Dabei kamen Delfine um, auch zahlreiche Vögel
wurden geschädigt. Während Freiwillige mit den Folgen der Havarie kämpfen,
bereiten sich die lokalen Behörden gleichzeitig auf die Eröffnung der
Tourismussaison vor.
Etwa 11 Kilometer vor der Küste entfernt haben die örtlichen Behörden einen
Ölfleck im Schwarzen Meer entdeckt. Sie gehen davon aus, dass der Austritt
des Masuts auf Angriffe ukrainischer Drohnen zurückzuführen ist. Der an die
Oberfläche gelangte Treibstoff bildete einen regenbogenfarbenen Film, in
dem sich während eines Sturms dann Tiere verfingen. In ihrem Telegram-Kanal
schrieb die Einsatzzentrale der Region Krasnodar, dass mehr als 200 Vögel
durch das Heizöl zu Schaden gekommen seien. Später wurde der Beitrag
gelöscht.
Nach Schätzungen der Redaktion von 7x7 wurden durch die Verschmutzung
mindestens 400 Vögel und Delfine getötet.
Um zu verhindern, dass sich das Heizöl nun am Ufer ausbreitet, haben
Fachleute die Verschmutzungen im Wasser mit Biofiltermaterial behandelt und
Ölsperren installiert. Dabei handelt es sich um schwimmende Elemente, die
bei einem Ölunfall die Ausbreitung der Substanzen auf der Wasseroberfläche
begrenzen. Doch diese Biofilter und Sperren halfen nicht. Der Wind hatte
das Heizöl bereits an die Ufer der Stadt Anapa und des Dorfs Vityazevo
getrieben. Dort breitete es sich über eine Länge von 500 bis 700 Metern
entlang der Küste aus.
Die lokalen Behörden entsandten dann ein 60-köpfiges Team des
Katastrophenschutzes an die verschmutzte Küste. Nach Angaben der
Einsatzzentrale sammelte der Katastrophenschutz innerhalb eines Tages 1.000
Säcke voll Ölrückstände ein und säuberte 400 Meter Küstenstreifen.
Noch vor der offiziellen Erklärung der Einsatzzentrale der Region Krasnodar
über den Ölunfall am 10. April berichteten Anwohner davon. Einige von ihnen
brachten verschmutzte Vögel in das Rehabilitationszentrum „Zhemchuzhnaya“.
An der Küste fanden sie Dutzende mit Masut verschmierte Enten und Delfine.
In „Zhemchuzhnaya“ wurden nach Schätzungen von 7x7 innerhalb von drei Tagen
nach dem ersten Auftreten des Ölflecks mehr als 400 Vögel aufgenommen.
Sie wurden von Anwohner:innen und Aktivist:innen, die die Küste von
Ölrückständen säuberten, in das Zentrum gebracht. Die zur Hilfe gekommenen
Freiwilligen waschen die Vögel mit speziell zubereiteten Lösungen. Außerdem
bringen sie den Mitarbeiter:innen des Zentrums Essen und Wasser.
Doch es fehlen Freiwillige: Die Mitarbeiter:innen von „Zhemchuzhnaya“
haben auf ihrem Telegram-Kanal um Hilfe beim Transport der Vögel von den
Stränden gebeten und die Anwohner dazu aufgerufen, bei der Reinigung der
Tiere zu helfen.
Neben Masut fanden Anwohner an den Stränden von Anapa auch Palmöl. Manchen
Berichten zufolge gelangte es aufgrund eines Schadens durch Drohnenbeschuss
ins Meer, einer anderen zufolge wurde es bei der Reinigung von Schiffstanks
in internationalen Gewässern freigesetzt.
Alexander Kirpa, der Leiter des Freiwilligenstabs „Delfine“, sagte
gegenüber 7x7: Der Ölaustritt habe sich bereits im Februar ereignet, sei
jedoch von den lokalen Behörden verschwiegen worden. Seiner Einschätzung
nach erstarrte das Öl aufgrund der Kälte im Februar und März, sodass die
Überreste erst Anfang April entdeckt wurden.
Die Umweltaktivist:innen meinen: Eine normale Eröffnung der
Tourismussaison sei unmöglich. Denn die Küstenlinie sei noch nicht
vollständig gereinigt.
Die Behörden verfolgen jedoch einen anderen Kurs. Bereits im Februar
erlaubten sie, neuen Sand an den Strand zu bringen. Damit werde das Problem
lediglich überdeckt, so die Umweltaktivist:innen, da sich im Boden
weiterhin Masut befinden könne. Dennoch planen die Behörden, bereits ab dem
1. Juni 2026 mindestens acht Kiesstrände zu eröffnen.
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22 Apr 2026
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## AUTOREN
DIR Tigran Petrosyan
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