# taz.de -- Tödliche Gewaltserie in Schweden: 15-Jährige unter Doppelmord-Verdacht
> Fünf junge Menschen wurden in dieser Woche Opfer von Schusswaffengewalt.
> Nur einer überlebte. Ein Mädchen ist jetzt wegen Doppelmord angeklagt.
IMG Bild: Tatort in Malmö, wo eine 15-Jährige am 25. März einen von zwei Morden begangen haben soll
Das Jahr hatte gut begonnen in Schweden: Der Januar war der erste Monat
ohne tödliche Schusswaffengewalt nach fast acht Jahren. Doch eventuelles
Aufatmen war verfrüht, im März kam der Rückschlag. Allein seit vergangener
Woche fielen Schüsse an fünf verschiedenen Orten, vier junge Menschen
starben, ein fünfter überlebte. Auch ohne abgeschlossene Ermittlungen wird
davon ausgegangen, dass die Taten ihren Hintergrund in der
Bandenkriminalität haben.
Drei Dinge stechen nach dieser Horror-Woche besonders hervor. Ein
20-Jähriger aus Örebro wurde mutmaßlich Zufallsopfer, die Tat soll jemand
anderem gegolten haben. In einem Fall südlich von Stockholm betrat ein
maskierter Täter mit gezogener Waffe mitten am Tag einen Linienbus, schoss
vor den schockierten Passagieren gezielt auf einen 18-Jährigen und entkam
unerkannt. Das Opfer starb später an seinen Verletzungen.
Und schließlich: Ein 15-jähriges Mädchen, laut Aftonbladet der Polizei bis
dahin völlig unbekannt, steht nun unter Doppelmord-Verdacht. Sie soll
diesen Montag einen 17-Jährigen an einem Stockholmer Vorort-Sportplatz
erschossen haben, und am Mittwoch einen 15-Jährigen im 600 Kilometer
entfernten Malmö. Beide Taten wurden von Überwachungskameras gefilmt. Gegen
sie beantragte die Staatsanwaltschaft am Freitag nun Untersuchungshaft für
sie.
Im Malmö-Fall stehen mit ihr ein 17-Jähriger unter Mordverdacht und ein
polizeibekannter 35-Jähriger unter Verdacht der Beihilfe.
## Auch Mädchen sind gewaltbereit
Die Zeitung Sydsvenskan zitiert einen Polizisten, der das Überwachungsvideo
aus Malmö gesehen habe: „Ich hätte mir nicht in meiner wildesten Fantasie
vorstellen, wie ein Mädchen in dem Alter so etwas tun kann“, sagte er.
Sozialarbeiterin Anna-Hedin Ekström, die zu Frauen im kriminellen Milieu
promoviert, sagte hingegen dem Sender SR, Mädchen seien „dazu in der Lage
und manchmal auch willens“. Nach ihren Erkenntnissen spielen Mädchen in
kriminellen Netzwerken eine größere Rolle als bisher meist angenommen. So
liefen sie häufig unter dem Radar, was Kriminellen die Sache leichter
machen würde.
Ein Polizeisprecher aus Stockholm nannte es dem SR gegenüber eine „unerhört
tragische Entwicklung“, dass Mädchen nicht mehr „nur“ Drogen oder Waffen
transportierten, sondern selbst Mordtaten ausführten.
## Starker Rückgang tödlicher Bandengewalt seit 2022
Die Reaktion des schwedischen Justizministers auf die jüngste Gewaltserie
klang leider vertraut: „[1][Schweden hat weiterhin ein Gewaltniveau, das
keine anständige Gesellschaft tolerieren kann]“, sagte Gunnar Strömmer
(Moderate) der Zeitung Expressen. Er wies aber darauf hin, dass die
tödliche Gang-Gewalt seit 2022 um die Hälfte zurückgegangen sei. „Das
bedeutet aber auch, dass die Hälfte noch da ist.“
Magdalena Andersson, Parteichefin der Sozialdemokraten, sagte auf ihrem
Instagram-Kanal, Schock und Sorge verbreiteten sich nicht nur bei den
direkt Betroffenen. „Die Gesellschaft wird geschwächt, wenn das Vertrauen
untergraben wird“, so die Vorsitzende der größten Partei Schwedens, derzeit
in der Opposition. Der Gewalt müsse mit einer geeinten Widerstandskraft der
Gesellschaft begegnet werden.
Dass das Jahr nicht so gewaltfrei weiterging, wie es angefangen hatte,
überrascht Manne Gerell nicht. Der Kriminologe an der Universität Malmö
sagte dem Svenska Dagbladet: „Es war eine Zeit lang sehr ruhig, ein
bisschen zu ruhig.“ Ein so deutlicher Rückgang der Gewalt in so kurzer Zeit
wäre unrealistisch gewesen. „Es stand zu erwarten, dass es wieder losgehen
würde.“
## Präventive Polizeiarbeit verbessert
Insgesamt geht die Schusswaffengewalt in Schweden seit etwa zwei Jahren
zurück. Das liege teils an besserer vorbeugender Polizeiarbeit, teils
daran, [2][dass viele Bandenanführer inzwischen gefasst worden seien.] Laut
Gerell kann es sich aber auch um Zufälle und eine natürliche Variation
handeln, ebenso wie das plötzliche Wiederaufflammen.
An das Phänomen immer jüngerer Auftragsmörder musste sich Schweden in den
vergangenen Jahren gewöhnen. Sie werden meist über soziale Medien
rekrutiert und mit Versprechen auf schnelles Geld gelockt. In Fällen von
Jugendlichen, die bereits wegen vergangener Probleme in geschlossenen
Einrichtungen leben, auch mit Fluchthilfe.
Eine Reaktion der Regierung darauf sind die Pläne, [3][das Alter für
Strafmündigkeit bei schweren Gewalttaten auf 14 herabzusetzen] und
Gefängnisstrafen statt Unterbringung in einer sozialen Einrichtung zu
ermöglichen. Auch darf die Polizei inzwischen auch Kinder unter 15 heimlich
elektronisch überwachen. Zuvor hatte sie bereits andere ausgeweitete
Befugnisse bekommen, zudem wurde das Strafmaß für zahlreiche Taten erhöht.
27 Mar 2026
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## AUTOREN
DIR Anne Diekhoff
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