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       # taz.de -- Die Wahrheit: Schrecklicher Tod einer Dame
       
       > Es gab Zeiten, da waren Geschwindigkeiten von 6 km/h zu schnell. Mary
       > Ward, Feministin, Naturforscherin, hätte ein Lied davon singen können.
       
       Am heutigen 27. April wäre sie 199 Jahre alt geworden. Aber sie ist schon
       im Alter von 42 Jahren gestorben. Mary Ward war die erste Frau weltweit,
       die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Das sicherte ihr einen Platz in
       den Annalen des Automobilverkehrs.
       
       Aber sie hatte mehr zu bieten. Sie war eine irische Feministin,
       Naturforscherin, Astronomin, Autorin und Künstlerin. Sie sammelte bereits
       im Alter von drei Jahren Insekten. Als Teenagerin las sie alles, was sie
       über Mikroskopie finden konnte. Da Glas schwer zu beschaffen war, fertigte
       sie Objektträger aus Elfenbeinsplittern an. Ihr Buch „Eine Welt der Wunder,
       enthüllt durch das Mikroskop“ wurde ein Bestseller.
       
       1854 heiratete sie Henry Ward und brachte in den folgenden 13 Jahren acht
       Kinder zur Welt. Ihr Mann, ein Veteran des Krimkrieges, interessierte sich
       nicht für häusliche Angelegenheiten und überließ es Mary, die Familie zu
       versorgen, während er sich der Jagd widmete.
       
       Mary Ward teilte ihr Interesse an Astronomie mit ihrem Cousin William
       Parsons, der das „Leviathan of Parsonstown“ gebaut hat, ein
       Spiegelteleskop, das bis 1917 das größte der Welt war. Seine beiden Söhne,
       der 18-jährige Clere und der 15-jährige Charles, hatten ein
       dampfbetriebenes Auto gebaut. Am 31. August 1869 unternahmen die beiden mit
       Mary und Henry Ward sowie dem Hauslehrer Richard Biggs, der am Steuer saß,
       eine Probefahrt in der irischen Grafschaft Offaly.
       
       ## Red Flags
       
       Vier Jahre zuvor war der Red Flag Act verabschiedet worden. Das Gesetz
       schrieb eine Höchstgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde vor.
       Zudem musste ein Mann mindestens 60 Schritte vor dem Wagen laufen und eine
       rote Fahne schwenken. An solche Vorschriften fühlten sich die Parsons-Buben
       freilich nicht gebunden. Schließlich war die Stadt nach ihrer Familie
       benannt, den Großgrundbesitzern und Grafen von Rosse. Erst 1901 wurde
       Parsonstown in Birr umbenannt.
       
       In einer Kurve an der Kirche von Parsonstown wurde Mary Ward aus dem Wagen
       geschleudert. Sie fiel unter die Räder. Ein Arzt traf kurz darauf am
       Unfallort ein und stellte einen Genickbruch fest. „Schrecklicher Tod einer
       Dame“, lautete die Schlagzeile in der Lokalzeitung: „Tiefe Trauer herrscht
       in der Stadt, und von allen Seiten wird dem Ehemann und der Familie der
       gebildeten und talentierten Dame, die vorzeitig in die Ewigkeit entschieden
       ist, Mitgefühl bekundet.“
       
       Die Familie zerstörte das Auto nach dem Unfall. Das hinderte Charles
       Parsons aber nicht daran, weiter zu experimentieren. 1884 konstruierte er
       eine Dampfturbine, die den Schiffsantrieb revolutionierte. Parsons ist auf
       einer irischen 15-Euro-Silbermünze abgebildet, die 2017 geprägt wurde.
       
       Nach Mary Ward hingegen ist eine ehrgeizige Kampagne der Road Safety
       Authority benannt: Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl der Todesfälle auf
       irischen Straßen auf null gesenkt werden.
       
       27 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
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