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       # taz.de -- Fake News und Manipulation: Mit KI-Pornografie gegen journalistische Integrität
       
       > Kritische Journalist*innen werden mit sexualisierten Deepfakes
       > mundtot gemacht. Betroffen sind vor allem Frauen.
       
   IMG Bild: Welche Reichweite haben sexualisierte Deepfakes von Journalistinnen in Deutschland?
       
       [1][Julia Mengolini] hat im Juli 2025 den argentinischen Präsidenten
       angezeigt. Javier Milei soll ein pornografisches Deepfake von ihr auf X
       verbreitet haben. Auslöser war eine satirische Bemerkung: Die Journalistin
       hatte in einer Comedy-Show geäußert, Milei sei „in love“ mit seiner
       Schwester Karina, der derzeitigen Generalsekretärin der Präsidentschaft.
       Daraus entwickelte sich eine Hetzkampagne gegen Mengolini. Online-Trolle
       verbreiteten ein manipuliertes Video, in dem sie mit ihrem eigenen Bruder
       beim Geschlechtsverkehr zu sehen gewesen sein soll. Milei, der im Mai 2025
       öffentlich erklärte, man hasse Journalist:innen „nicht genug“, soll die
       Kampagne verstärkt haben und ihr laut Berichten an einem einzigen
       Wochenende 93 Tweets gewidmet haben.
       
       Mengolini ist eine von 100 Journalist:innen aus 27 Ländern, die
       aufgrund ihrer Arbeit Opfer von Deepfake-Kampagnen wurden. Laut Reporter
       ohne Grenzen (RSF) waren in 74 Prozent der zwischen 2023 und 2025
       analysierten Fälle Frauen betroffen. Ihre Stimmen wurden geklont, um
       falsche politische Statements oder Desinformation zu verbreiten – oder,
       noch schlimmer: ihr Körper wurde in pornografischen Deepfakes digital
       missbraucht. Wie leicht sich solche Inhalte erstellen lassen, zeigt die
       Debatte über Grok – den Chatbot von Elon Musk oder wie die Washington Post
       titelte: den „Porn-Generator“. In Sekunden konnten Nutzer auf X Bilder
       generieren, in denen Frauen mit wenig Kleidung oder nackt zu sehen waren.
       Inzwischen ermittelt die EU-Kommission.
       
       Welche Reichweite haben sexualisierte Deepfakes von Journalistinnen in
       Deutschland? Dazu antwortet Reporter ohne Grenzen, dass sich seit November
       2023 deshalb niemand hilfesuchend an die Organisation gewandt habe: „Das
       sagt jedoch nicht unbedingt etwas über das Volumen des Problems aus: Auch
       bei Diffamierungen, Shitstorms und Hasswellen aus dem Netz wenden sich
       Journalist*innen häufig erst im absoluten Extremfall an RSF oder andere
       Institutionen wie die Gewerkschaften.“
       
       [2][Judith Strieder] von HateAid, die als Psychologin Betroffene nach
       Deepfake-Angriffen berät, sagte gegenüber der taz: „Die größte Angst, die
       Betroffene haben, ist die, dass sie nicht ernst genommen werden.“ Viele
       seien bereit, Anzeige zu erstatten. Auch Journalistinnen suchen dort Hilfe.
       Wichtig sei: Die Arbeit hinter der Kamera schützt nicht. Es reicht ein
       Profilbild, das heruntergeladen und manipuliert werden kann. Manipulierte
       Inhalte im Journalismus sind gefährlich und politisch relevant. „Deepfakes
       können gezielt genutzt werden, um Frauen aus dem öffentlichen Diskurs zu
       drängen.“ So wie es bei Mengolini der Fall ist. Will sich eine Frau dagegen
       wehren, stößt sie in Deutschland auf Hürden. Strieder betont: „Ich glaube,
       eine große Sorge ist, dass die Erfahrung, Konsequenzen zu spüren, auf der
       Seite der Betroffenen bleibt, vor allem psychische Konsequenzen, aber auch
       soziale Folgen, und dass der Täter unbeschadet davon kommt.“
       
       In Deutschland gibt es bisher keinen klaren eigenen Straftatbestand für
       Deepfakes. Doch im April legte Justizministerin Stefanie Hubig einen
       Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt vor: Nicht nur das Verbreiten, auch das
       Erstellen pornografischer KI-Inhalte soll strafbar werden. Betroffene
       sollen mehr Rechte erhalten. So könnten sie etwa Account-Sperren von
       Deepfake-Urhebern gerichtlich erwirken. In Frankreich gilt seit 2024: Wer
       sexualisierte Inhalte einer Person nicht einvernehmlich verbreitet, kann zu
       bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt werden. Das ist
       laut aktuellem Gesetzentwurf auch in Deutschland vorgesehen. Eine
       Klarnamenpflicht, um Täter leichter aufspüren zu können, jedoch nicht.
       
       Noelia Sanchez Barón ist freie Journalistin, Moderation und
       Social-Video-Reporterin in Berlin. 2024 war sie mit dem
       [3][Daniel-Haufler-Stipendium der taz panterstiftung in den USA].
       
       1 May 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://blogs.taz.de/latinorama/die-pluenderung-argentiniens/
   DIR [2] /HateAid-ueber-digitale-Gewalt/!6162845
   DIR [3] /USA-Stipendium-fuer-Journalisten/!vn6015380/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Noelia Sanchez Barón
       
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