# taz.de -- Alternativen zu Big Tech: Freie und Open-Source-Initiativen statt Monopole
> Die Entwicklung einer prosperierenden Digitalwirtschaft sollte statt die
> Monopole besser die Menschenrechte und die soziale Gerechtigkeit fördern.
IMG Bild: Digitale Monopole sind schädlich für ein offenes und demokratisches Internet
Die Entwicklungsmodelle digitaler Werkzeuge beeinflussen die Kontrolle und
Eigentumsrechte über sie. In der Soft- und Hardwareentwicklung dominieren
zwei Modelle: Während das „freie und quelloffene“ Modell jedem die Freiheit
gibt, Technologie zu nutzen und zu verbessern, verweigert das „proprietäre“
Modell diese Freiheiten. Es behält das Eigentum an der Technologie und
schafft Engpässe, an denen Inhalte und Daten nur von demjenigen bestimmt
werden, der die Kontrolle hat – sei es eine private Firma oder eine
Regierung.
Ein warnendes Beispiel ist X (früher Twitter). Diese Social-Media-Plattform
war für Journalisten und Aktivisten wichtig für Nachrichten, Trends und
Kontakte zu Politikern, Wissenschaftlern und Prominenten. 2022 wurde die
Plattform von einem mit [1][der extremen Rechten verbundenen Milliardär]
übernommen, der die Moderation von Inhalten stark änderte. Das führte zur
Verbreitung von Fake News, Hass und Onlinegewalt. Bei der Integration des
KI-basierten Chatbots Grok wurden Algorithmen so konfiguriert, dass sie
rechtsgerichtete Inhalte generieren. Die Infrastrukturentwicklung entfernte
sich von freien und Open-Source-Elementen.
Viele Journalisten, Akademiker und Aktivisten verließen die für die
Meinungsfreiheit wichtige Plattform, begleitet von neuen Debatten über die
Kontrolle von Technologie. Können mit der Entwicklung einer prosperierenden
Digitalwirtschaft auch Menschenrechte, Fortschritt und soziale
Gerechtigkeit gefördert werden? Während große Internetplattformen eine
beispiellose globale Vernetzung geschaffen haben, hat die große Dynamik der
Digitalwirtschaft, die eine sich ständig konzentrierende Macht von
Oligopolen und hohe Datenabhängigkeit ausmacht, starke soziale
Auswirkungen: Die umfassende Privatisierung digitaler Technologie
verhindert demokratische Steuerung und zementiert strukturelle soziale und
wirtschaftliche Benachteiligung.
[2][Digitale Monopole] sind schädlich für ein offenes und demokratisches
Internet. Die Haltung „Move fast and break things“, gepaart mit der
wirtschaftlichen Deregulierung der letzten 30 Jahre, gab
Technologiekonzernen die Kontrolle über digitale Ökosysteme wie Soft- und
Hardware, Daten und Netzwerke. Heute kontrollieren nur fünf Konzerne
(Google, Amazon, Apple, Microsoft und Meta) die wichtigsten Engpässe der
globalen Digitalwirtschaft.
## Freie und Open-Source-Initiativen als Alternative
Die Kritik an den Machtverhältnissen über die kritische digitale
Infrastruktur sollte einhergehen mit Forderungen nach einer grundsätzlich
neuen Art, wie Wohlstand im Digitalzeitalter erzeugt und besessen wird.
Freie und Open-Source-Initiativen, die sichere datenschutzfördernde
Anwendungen, Tools und Plattformen entwickeln, sind eine Alternative zu
proprietärer Technologie. Sie sind die Basis für Technologien, die
kollektiven Formen nachhaltigen und dezentralen Eigentums den Vorrang
geben.
So werden freie und quelloffene Social-Media-Plattformen wie Mastodon auf
Basis dauerhaft offener Protokolle entwickelt. Diese sind interoperabel und
verhindern eine zentralisierte Übernahme durch Regierungen oder Unternehmen
wie bei Twitter. Für Medienschaffende bedeutet dies mehr Freiheit und
Unabhängigkeit bei Erstellung und Weitergabe von Inhalten. Freie und
quelloffene Initiativen wie das Guardian Project stellen Tools für die
sichere Kommunikation, anonymes Surfen und Mediensicherheit für
Medienschaffende in Hochrisikoregionen weltweit bereit.
Das hilft Menschen, sicher und vertraulich zu kommunizieren und sich zu
organisieren. Dabei ist ihre Identität geschützt und es können digitale
Beschränkungen von autoritären Regimen oder Konzernen umgangen werden.
Beispiele hierfür sind das Tor-Netzwerk, das Nutzern das anonyme Surfen im
Internet ermöglicht, sowie verschlüsselte Messaging-Apps auf Basis
dezentraler XMPP-Netzwerke.
Demokratischere und egalitäre Formen der Technologieentwicklung stärken die
Pressefreiheit, indem sie ein offenes und neutrales Internet festigen.
Lucas Lasota forscht an der Universität Halle-Wittenberg zur Regulierung
digitaler Technologien.
4 May 2026
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