# taz.de -- Neunutzung der Berliner Galerie Nord: Mit Badelatschen gen Himmel
> Nach Beendigung der Partnerschaft mit dem Kunstverein Tiergarten zeigt
> die Galerie Nord eine erste Ausstellung. Sie wirkt unausgegoren.
IMG Bild: Die Ausstellung „Himmel auf Erden“ spielt mit chinesischen Schriftzeichen und stereotypen Asiatica
Weh tun die Füße, nachdem man in Strümpfen über die bunte Matte gelaufen
ist. Denn die pinken eckigen Noppen bohren sich tief in die Fußsohlen. Das
erschöpfte Ich blickt einem aus dem daneben stehenden grasgrün gerahmten
Kommodenspiegel entgegen. Davor stapelt sich eine wild zusammengewürfelte
Kollektion Badelatschen für den temporären Gebrauch beim Besuch der
immersiven Ausstellung „Himmel auf Erden – An meine liebste Fußhaut“ [1][im
Berliner „Studio/Galerie Nord“]
Sie besteht vor allem aus grobnoppigen Fußmatten, Stühlen unter Baldachinen
sowie an der Wand durchhängenden Stoffbahnen. Die drei großen Fenster zur
Turmstraße sind mit Motiv-Folien zugeklebt. Geht man ganz nah an die
Fenster ran, kann man durch kleine Löcher das Leben auf der Turmstraße
beobachten.
Dreht man sich um, sieht man rechts und links raumhohe mit in den Himmel
führenden Treppen bedruckte Stoffbanner. Der offensichtliche Vorsatz zum
Kitsch, hier mithilfe von KI maximal ausgelebt, durchzieht die ganze
Ausstellung mit Beiträgen von „[2][NURFÜRESSEN]“ (Tin Wang, Yu Lu) und
„[3][Lab of Asian Diaspora]“ (Hang Su).
Neben dem Motiv der Himmelstreppe gibt es an den Wänden KI-generierte
ornamentreiche Schloßtreppen. Und von der Decke grüßt ein virtueller
Barockhimmel auf Stoff. Der Kopierer in der Ecke, der bereitsteht zum
Kopieren der eigenen Fußsohlen, wirkt in diesem Ambiente wie ein
Fremdkörper.
## Das Ausstellungskonzept erscheint unkomplett
Wassergeblubber erfüllt den Raum. Würde es statt der unbequemen, mit
bodenlangen Hussen bezogenen Stühle unter den drei Baldachinen große
Sitzsäcke geben, könnte man sich meditativ – akustisch und visuell – dem
Himmel auf Erden, für sechs Wochen etabliert in Moabit, hingeben.
So aber bleibt die Szenerie unwirtlich. Und so steht man auf dem blanken
Betonboden, in den Händen das Faltblatt zur Ausstellung, und informiert
sich über den Fuß in seinen verschiedenen Bedeutungszusammenhängen. Im
Textteil über Reflexzonen und Fußmassage wird er als Landkarte beschrieben.
Ein poetischer Ausdruck für den Teil unseres Körpers, der uns von dem
Moment an, in dem wir laufen können, mobil macht [4][und den wir meist nur
sporadisch im Blick haben].
Laut Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte versteht sich „das
Studio/Galerie Nord als experimenteller Ausstellungsort im Netzwerk der
kommunalen Kunstorte in Mitte.“ Nachdem der Bezirk im Dezember vergangenen
Jahres die Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Tiergarten beendete, bespielt
nun das Kollektiv parallelgesellschaft einen Teil der Räumlichkeiten.
Andere Ausstellungsprojekte sollen laut Bezirksamt über Open Calls und eine
Jury ausgewählt werden.
„Himmel auf Erden – An meine liebste Fußhaut“ ist die erste Präsentation
der neuen Ära parallelgesellschaft. Es vermittelt sich der Eindruck einer
disparaten, räumlich nicht durchdachten Ausstellung. Die Objekte stehen für
sich, kommunizieren aber nicht miteinander.
Ein charmanter Lichtblick ist der Wäscheständer mit acht dreckigen
Tennissocken in einer Ecke. [5][Marcel Duchamp und seine Ideengeberin] Elsa
Freytag-Loringhoven [6][lassen grüßen]: das Readymade könnte man gleich
neben „Fountain“ stellen, das weltberühmte Urinal aus dem Jahr 1917.
22 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] /Galerie-Nord-in-Berlin-Mitte/!6139379
DIR [2] https://erratum.cargo.site/nur-f%C3%BCr-essen
DIR [3] https://lab-of-asian-diaspora.org/
DIR [4] /Fussverkehrskongress-in-Bremen/!5926251
DIR [5] /100-Jahre-Dada/!5271748
DIR [6] /Erinnerungs-Theater-in-Hannover/!5657202
## AUTOREN
DIR Katja Kollmann
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