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       # taz.de -- Meldestelle für queerfeindliche Vorfälle: Mehr Sichtbarkeit gegen den Hass
       
       > Es gibt immer mehr Übergriffe auf queere Menschen. Eine neue Melde- und
       > Informationsstelle dokumentiert nun Queerfeindlichkeit in Niedersachsen.
       
   IMG Bild: Tatort öffentliche Verkehrsmittel: Solidarität nach einem Übergriff auf eine trans Frau in einer Straßenbahn
       
       Angesichts steigender Fallzahlen und [1][einer deutlichen Zunahme
       queerfeindlicher Übergriffe] wird der Ruf nach gezielter Dokumentation und
       Prävention immer lauter. Um diese Lücke zu schließen und Betroffenen eine
       sichere Anlaufstelle zu bieten, hat das Queere Netzwerk Niedersachsen (QNN)
       [2][die neue Melde- und Informationsstelle MIQ] in Hannover eröffnet.
       Finanziell getragen wird es vom Sozialministerium.
       
       Die MIQ dokumentiert und analysiert Vorfälle in Niedersachsen, um
       verlässliche Erkenntnisse über Muster und Entwicklungen von
       Queerfeindlichkeit zu gewinnen. So soll ein realistisches Bild der
       Sicherheitslage entstehen, das als fundierte Basis für Präventionsarbeit,
       politische Initiativen und gesellschaftliche Aufklärung dient. Die
       Einrichtung orientiert sich dabei [3][am Vorbild der Kölner Meldestelle]
       und ist bundesweit die zweite ihrer Art.
       
       Wie dringlich das Projekt ist, belegen aktuelle Zahlen: Laut
       Bundesinnenministerium wurden im Jahr 2025 [4][deutschlandweit 2.048
       queerfeindliche Straftaten registriert]. Auch die Statistiken des
       Landeskriminalamts Niedersachsen verdeutlichen einen Aufwärtstrend.
       Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD) bezeichnete diese
       Entwicklung als alarmierend.
       
       Seit dem 14. April nimmt die MIQ Berichte entgegen, laut Mika Onning vom
       Projekt sind bereits die ersten Meldungen eingegangen. Betroffene und
       Zeug:innen können queerfeindliche Vorfälle anonym über ein Onlineformular
       oder ein spezielles Meldehandy schildern. So können Erlebnisse sowohl
       schriftlich als auch telefonisch unkompliziert dokumentiert werden.
       
       Beim Rundgang durch die hellen Büroräume des Queeren Netzwerks
       Niedersachsen zeigt Mika Onning den Schreibtisch, an dem die Fäden
       zusammenlaufen und jede Meldung persönlich gesichtet wird. Onning bringt
       dafür Expertise aus der psychosozialen Beratung mit.
       
       ## Breites Spektrum an Vorfällen
       
       Was genau als Vorfall zählt, definiert die MIQ breit: Das Spektrum reiche
       von abwertenden Blicken im Alltag oder diskriminierenden Stickern bis hin
       zu Beleidigungen in sozialen Medien und physischer Gewalt. „Uns geht es
       darum, neben der Gewalt auch das belastende Grundrauschen zu erfassen“,
       erklärt Onning. Gemeint ist die konstante, alltägliche Queerfeindlichkeit,
       die oft unterhalb der juristischen Strafbarkeitsgrenze bleibt. Dabei wird
       jede Meldung ernst genommen. „Wir sagen nicht, das eine ist wichtig und das
       andere nicht. Queerfeindlichkeit ist Queerfeindlichkeit.“
       
       Das Ziel der MIQ ist es, Erscheinungsformen, Tatorte und Folgen von
       Queerfeindlichkeit transparent zu machen. Dafür veröffentlicht die
       Meldestelle einen Jahresbericht. Auch wenn die Statistik nicht
       repräsentativ ist, liefert sie laut Onning wertvolle Einblicke in
       gesellschaftliche Veränderungen. „Darum ist es besonders wichtig, dass die
       MIQ kein Ablaufdatum hat“, betont Onning. Muster und Trends ließen sich
       erst über längere Zeiträume präzise identifizieren.
       
       Die Meldungen werden unter strengen Datenschutzstandards verarbeitet. Um
       den Zugang so barrierefrei wie möglich zu gestalten, setzt die MIQ
       konsequent auf Niedrigschwelligkeit und Anonymität. „Wir speichern keine
       personenbezogenen Daten“, stellt Onning klar.
       
       ## Onlinechronik für Erlebnisse
       
       Außerdem erhalten Betroffene während des Meldeprozesses die Möglichkeit zu
       weiterführender Hilfe. Zwar kann die Meldestelle selbst keine
       Langzeitberatung leisten, vermittelt aber gezielt an spezialisierte
       Kooperationspartner. Zudem gibt es die Option, Erlebnisse in einer
       Onlinechronik auf der Website zu teilen. So könne die Vielfalt
       queerfeindlicher Erfahrungen sichtbar gemacht werden, erklärt Onning.
       
       Trotz des erfolgreichen Starts ist sich die MIQ der Grenzen bewusst:
       Bestimmte Gruppen, wie etwa queere Menschen ohne festen Wohnsitz, sind
       schwerer zu erreichen. Hier bleibt laut Onning noch viel zu tun. Melissa
       Depping, stellvertretende Geschäftsleiterin des QNN, betont jedoch den
       langfristigen Auftrag: „Wir setzen uns kontinuierlich dafür ein, das Thema
       in der Politik sichtbar zu machen.“
       
       Mika Onning wünscht sich eine entsprechende Meldestelle für jedes
       Bundesland: „Queerfeindlichkeit gibt es überall.“
       
       21 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Queerfeindliche-Straftaten-2025/!6153999
   DIR [2] https://www.miq-nds.de/de
   DIR [3] https://www.miq.nrw/de
   DIR [4] https://dip.bundestag.de/drucksache/schriftliche-fragen-mit-den-in-der-woche-vom-2-februar/284947
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Pia Frenk
       
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