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       # taz.de -- Millionen Maikäfer: Comeback der Beetles?
       
       > Maikäfern wurde in Geschichte und Kultur viel gehuldigt. Zwischenzeitlich
       > gab es sie kaum noch. Nun soll in Hessen eine halbe Milliarde von ihnen
       > schlüpfen.
       
   IMG Bild: Warum der Maikäfer sich immer gleichzeitig alle vier Jahre aufmacht, bleibt geheimnisvoll
       
       Der Maikäfer ist eng verbunden mit der Gemütsverfassung der Deutschen.
       Früher, als alles besser war, galt er noch als echte Plage. Im Mittelalter
       wurde er mit den schärfsten zur Verfügung stehenden Waffen bekämpft: mit
       Verbannung und Verfluchen. Das allerdings hat ihn nicht groß gekümmert,
       sodass die Käfer säckeweise zusammengeklaubt und vernichtet wurden, es gab
       sogar Fangprämien und Landwirten gesetzlich auferlegte Mindestsammelzahlen.
       
       [1][Im Dreißigjährigen Krieg] war die Stimmung so mies, dass das
       bemerkenswert depressive „Maikäfer flieg“ zum Volks- und Kinderlied werden
       konnte: Maikäfer, flieg / der Vater ist im Krieg / die Mutter ist in
       Pommerland / Pommerland ist abgebrannt. 1865 ließ Wilhelm Busch Max und
       Moritz dem armen Onkel Fritz eine ganze Tüte der vom Baum geschüttelten
       Käfer ins Bett legen: Schon fasst einer, der voran / Onkel Fritzens Nase
       an.
       
       Dann war der Maikäfer plötzlich verschwunden. Der exzessive [2][Einsatz von
       DDT] und anderen Insektiziden in den 1950er und 1960er Jahren hatte seine
       Bestände einbrechen lassen. Selbst ein guter Käferjäger / brächte keinen
       Schornsteinfeger / keinen Müller, erst recht keinen Kaiser her / es gibt
       keine Maikäfer mehr, wie [3][Reinhard Mey] 1974 sang und den Käfer in
       seinen drei üblichen Erscheinungsformen damit zu einem Symboltier der
       Umweltbewegung machte.
       
       Ein Maikäferjahr tritt meist alle vier Jahre auf, dazwischen herrscht
       weitgehend Ruhe. Zumindest oberhalb des Bodens. Darunter zerbeißen die wie
       schlecht gelaunte Aliens aussehenden Engerlinge nach Herzenslust
       Pflanzenwurzeln aller Art. Im vierten Lebensjahr verpuppen sie sich und
       schlüpfen als fertige Käfer, die dann namensgerecht bis etwa Mai warten,
       ehe sie den großen Ausflug ins Leben starten. Der endet allerdings schon
       nach wenigen Wochen, sofern sie nicht zuvor bereits von Vögeln, Igeln oder
       Dachsen verputzt werden.
       
       ## Das große Krabbeln ist eine Auswirkung des Klimawandels
       
       In diesem Jahr wird für Südhessen rund um Groß-Gerau ein Massenauftreten
       prognostiziert, die Maikäfervorhersage ähnelt einer Unwetterwarnung: Ein
       „apokalyptisches Ausmaß“ (Nabu) wird versprochen, eine halbe Milliarde
       Käfer ist im Anflug. Beim letzten Mal gelang ihnen, was in Deutschland
       undenkbar scheint: die Fahrer auf der Autobahn auf Schrittgeschwindigkeit
       abzubremsen.
       
       Nun könnte man frohlocken, dass es ja ein gutes Zeichen sei, dass der
       Maikäfer nach der Ökokrise Mitte des 20. Jahrhunderts heute wieder
       massenhaft auftritt, aber ganz so ist es nicht. Denn inzwischen ist das
       große Krabbeln eher ein Zeichen der negativen Auswirkungen des
       Klimawandels, weil der Käfer trockene, warme Böden mag, weshalb die
       Maikäferjahre zunehmend käferreicher ausfallen.
       
       Warum der Maikäfer sich überhaupt immer gleichzeitig alle vier Jahre
       aufmacht, bleibt geheimnisvoll. Vermutlich nutzt die Synchronisierung dem
       einzelnen Tier, weil es im Gewimmel leichter Partner findet oder die Gefahr
       minimiert, gefressen zu werden – sind ja genug andere da, die es erwischen
       könnte. Der Massenausflug tritt von Ort zu Ort in unterschiedlichen Jahren
       auf. Denn der Maikäfer ist in Mitteleuropa nicht nur in drei
       unterschiedlichen Arten organisiert, die ohnehin andere Gewohnheiten
       pflegen, sondern auch in diversen regionalen Stämmen (die heißen wirklich
       so), die in unterschiedlichen Jahren ausfliegen.
       
       In Groß-Gerau jedenfalls kann man sich das Auftreten dieser Maikäferjahre
       gut merken, denn sie fallen immer mit einer anderen nahezu biblischen Plage
       zusammen: der Fußball-WM der Herren. Also: Volle Deckung!
       
       25 Apr 2026
       
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