# taz.de -- Bundeshaushalt und Gesundheitsreform: Noch kleinere Schritte als Merkel
> Die Koalition beschließt eine Finanzreform der Krankenkassen und
> Eckpunkte für den Haushalt. Eine große Reform ist das aber nicht.
IMG Bild: Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor – könnte jeder von den dreien sagen
Das muss der Frühling der Reformen sein. Die Bundesregierung hat sich auf
[1][Eckpunkte für den Haushalt und eine Gesundheitsreform geeinigt]. Beides
im Wesentlichen lange Listen von Einsparungen. Immerhin werden die
Krankenkassenbeiträge erst einmal nicht steigen und sind die Löcher in den
Etats kurzfristig gestopft. Kein großer Wurf, wie ihn der Bundeskanzler
noch vor einem Jahr versprochen hatte. Aber mal ehrlich – wer außer
Friedrich Merz und Carsten „Einfach mal machen“ Linnemann hatte daran
wirklich geglaubt?
[2][Die schwarz-rote Bundesregierung und der Kanzler sind fast ein Jahr im
Amt.] An Fleiß mangelte es nicht. 175 Gesetze und Maßnahmen hat man in den
vergangenen zwölf Monaten nach eigenen Angaben beschlossen, doppelt so
viele wie die Ampel. Und dennoch ist Schwarz-Rot mittlerweile unbeliebter
als die Ampel. Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, würden Union und
SPD abgewählt – und die AfD würde stärkste Partei. Das hat viel mit
handwerklichen und kommunikativen Mängeln zu tun.
Merz und die CDU gefielen sich in der Opposition darin, Ampelpolitiker als
Loser und sich als Könner zu verkaufen. Sie suggerierten, säße Merz erst
einmal im Kanzleramt, dann würde er auf den wirtschaftsliberalen Resetknopf
drücken und schon spränge die Wirtschaft an. Hat so nicht geklappt.
Zum einen, weil man mit der SPD einen Koalitionspartner hat, der nicht wie
die Merz-CDU daran glaubt, dass Marktwirtschaft aus sich selbst heraus
sozial sei und man den Staat lediglich als Schiedsrichter brauche. Zum
anderen, weil es global mittlerweile zu viele Akteure gibt, die sich gar
nicht mehr an Spielregeln halten wollen, allen voran US-Präsident Trump,
Putin in Russland und Xi in China. Wie sagte ein bekannter Christdemokrat
einst: „Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität.“ Gemünzt war es auf
die Grünen, aber Wolfgang Schäuble hätte genauso gut auf Merz zeigen
können.
Statt großer Würfe hat sich Merz nun auf kleine Schritte verlegt, man robbt
sich voran. Das kommt nicht gut an, vor allem bei jenen, an die man sich
vorher rangeschmissen hat. Der Sprecher des Wirtschaftsflügels der
Unionsfraktion spricht inzwischen offen über den Bruch der Koalition. Das
kann man auch als Aufforderung verstehen, die Mehrheiten rechts der Mitte
zu nutzen. Umso wichtiger ist es, der Regierung deutlich zu machen, dass es
links der Mitte Mehrheiten gibt: für eine solidarische Krankenversicherung,
eine [3][gute Absicherung im Alter, eine gerechte Besteuerung hoher
Einkommen und Vermöge]n. Der 1. Mai ist dafür ein guter Anlass.
29 Apr 2026
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## AUTOREN
DIR Anna Lehmann
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