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       # taz.de -- Olympiabewerbung mit Hamburg: Kiel sagt leise „Jo“
       
       > Mit 63,5 Prozent stimmt Kiel für eine Bewerbung als Segelstandort bei den
       > Olympischen Spielen. Die Wahlbeteiligung lag bei unter einem Drittel.
       
   IMG Bild: Viel Erfahrung mit Segelwettbewerben mit großen Menschenmengen: Kieler Förde vor dem sogenannten Olympia-Hochhaus
       
       Spannung an einem Wahlabend sieht anders aus: Bereits die Auszählung der
       ersten Bezirke ergab eine Zustimmung von mehr als 60 Prozent zu der Frage,
       ob sich die Stadt Kiel als Austragungsort der Segelevents und weiterer
       Wettbewerbe bei den Olympischen und Paralympischen Spielen bewerben soll.
       Dieses erste Stimmungsbild unterschied sich kaum vom Endergebnis. 63,5
       Prozent der Stimmen lauteten pro Olympia. Es ist ein deutliches, aber kein
       sehr lautes „Jo“: Weniger als ein Drittel der Kieler:innen beteiligte
       sich.
       
       Im Kieler Rathaus gab es am Wahlabend fast nur strahlende Gesichter: Hier
       hatten sich vor allem die [1][Befürworter:innen der Olympia-Bewerbung]
       versammelt. Auf einer kleinen Bühne nannten Vertreter:innen von
       Politik, Sport und Wirtschaft ihre Argumente für die Spiele in der Stadt.
       
       Das wichtigste lautet, dass Kiel als Austragungsort der jährlichen
       Segelwettbewerbe bei der Kieler Woche an große Menschenmengen gewöhnt ist.
       „Bei den Olympischen Spielen nehmen maximal 380 Segler:innen teil, bei
       der Kieler Woche sind es 4.000“, sagte Noch-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.
       Für den SPD-Politiker war die Wahl eine der letzten Amtshandlungen, er gibt
       in dieser Woche sein Amt an den Grünen Samet Yilmaz ab.
       
       Kiel hat bereits Olympia-Erfahrung: [2][Bei den Nazi-Spielen 1936] und
       erneut 1972 – [3][das Jahr des Anschlags auf das israelische Team in
       München] – fanden die Segel- und Schwimmwettbewerbe an der Förde statt.
       
       In der Stadt sind vor allem die Spiele der 1970er Jahre in guter
       Erinnerung. Damals entstanden im Stadtteil Schilksee ein Yachthafen und
       zahlreiche Gebäude im Betonstil der Zeit, die bis heute genutzt werden und
       auch Startplatz der Wettbewerbe bei der Kieler Woche sind. Seit 1988 ist in
       Schilksee auch der Olympia-Stützpunkt Hamburg-Schleswig-Holstein
       untergebracht. Die Gebäude sind aber sanierungsbedürftig – auch das sehen
       die Befürworter:innen als Grund für erneute Spiele.
       
       „Wenn es Kritik gibt, dann lautet sie meist, dass es zu teuer wird“, sagte
       Innen- und Sportministerin Magdalena Finke (CDU) im Kieler Rathaus. „Die
       meisten lassen sich damit überzeugen, dass die Kosten ohnehin entstehen
       würden.“
       
       ## Linke warnt vor hohen Kosten
       
       Auch die Wirtschaft unterstützt die Spiele. So haben 100
       Unternehmer:innen Geld für die [4][Kampagne „Jo! zu den Spielen in
       Kiel“] gespendet. „Die Spiele bringen Wohnraum, neue Sportstätten und eine
       Wertschöpfung in Millionenhöhe“, sagte Knud Hansen, Präsident der
       Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK). Vor allem aber sei der
       Imagegewinn beträchtlich: „Das bringt die Region nach vorn.“
       
       Protest kommt weiterhin von den Linken, die am Wahlabend zu einer
       „Nö“-Party eingeladen hatten. Sie warnen vor hohen Kosten und widersprechen
       den Argumenten der Befürworter:innen: „Nur vom Internationalen Olympischen
       Komitee zugelassene Firmen sind beim Sponsoring und beim Verkauf
       involviert. Lokale Läden und Unternehmen haben kaum Vorteile von Olympia.“
       
       So hätten in Paris – die Sommerspiele 2024 gelten als besonders gelungen
       und nachhaltig – die Kultureinrichtungen sogar an Besucher:innen
       eingebüßt, da der Olympia-Tourismus andere Urlauber:innen verdrängt
       habe.
       
       Die Linke weist außerdem auf die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung
       hin. „[5][Das Olympische Fieber ist nicht ausgebrochen]“, ätzte Björn
       Thoroe, Mitglied der Kieler Ratsversammlung.
       
       ## Auch Rugby und Handball sind im Gespräch
       
       Nach dem Ja der Bevölkerung muss die Stadt nun bis Anfang Juni ihre
       Bewerbung an das deutsche Olympische Komitee abgeben. Es geht um die Spiele
       in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. In Kiel könnten neben Segeln die
       Ruder-Wettbewerbe stattfinden, auch Rugby und Handball sind im Gespräch.
       
       Unklar ist, mit welcher Stadt oder Region Kiel antreten wird. Berlin,
       München, die Rhein-Ruhr-Region und Hamburg wollen den Zuschlag. Berlin hat
       Warnemünde als Partner für die Wasserwettbewerbe gekürt, München und
       Rhein-Ruhr, wo am Sonntag rund zwei Drittel für Olympische und
       Paralympische Spiele stimmten, sind noch unentschlossen.
       
       Hamburg hat sich bereits zu Kiel als Partnerstadt bekannt. Bürgermeister
       Peter Tschentscher (SPD) sandte am Wahlabend einen Gruß an die Förde: „Das
       ist ein starkes Signal im Wettbewerb der Regionen – wir holen Olympia in
       den Norden“, sagte er per Videobotschaft. [6][Die Hamburger:innen
       stimmen Ende Mai über die Bewerbung ab].
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR [3] /Olympia-Attentat-1972/!6084718
   DIR [4] https://jo-kiel.de/
   DIR [5] /taz-Salon-ueber-Kieler-Olympia-Bewerbung/!6155715
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       ## AUTOREN
       
   DIR Esther Geißlinger
       
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