# taz.de -- Studie zu Artenvielfalt: Wie der Regenwald sich selbst heilt
> Jedes Jahr schrumpfen Regenwälder und mit ihnen die Artenvielfalt. Aber
> sie können sich regenerieren – und dafür muss der Mensch gar nicht viel
> tun.
IMG Bild: Zufrieden, wenn man ihn in Ruhe lässt: Ein Palmen-Laubfrosch im ecuadorischen Choco Regenwald
Tropische Regenwälder kühlen die Erde, speichern riesige Mengen an CO2 und
beherbergen mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten weltweit.
[1][Manche dieser Ökosysteme bestehen seit über 80 Millionen Jahren.] Doch
dieser Reichtum schwindet in einem beängstigenden Tempo. [2][Allein im Jahr
2024 wurde mit der Zerstörung von 6,7 Millionen Hektar Wald ein trauriger
Rekord aufgestellt.] Die Ursachen dafür sind bekannt: die Ausweitung von
Agrarflächen, Waldbrände oder der Abbau von Bodenschätzen.
Klar ist, um den Regenwald zu schützen, darf der Mensch den Wald nicht
länger so nutzen. Aber reicht das, damit sich die Natur wirklich erholen
kann? Eine neue Studie, die ein internationales Forschungsteam unter der
Leitung der TU Darmstadt [3][Anfang April im Fachmagazin] Nature
veröffentlicht hat, gibt Anlass zu Hoffnung.
## Die Studie
Die Forschenden stellten fest: Die Natur besitzt eine beeindruckende
Selbstheilungskraft – wenn man sie lässt. Im ecuadorianischen
Chocó-Regenwald untersuchten sie insgesamt 16 verschiedene Artengruppen auf
Flächen, die früher als Weiden oder Kakaoplantagen genutzt wurden. Im
Detail analysierten sie über 10.000 Tier- und Pflanzenarten und mehr als
23.000 Bakteriensequenzen.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Bereits nach 30 Jahren erreichen
Artenvielfalt und Tierzahl wieder über 90 Prozent des Niveaus unberührter
Urwälder. Drei Viertel der typischen Tier- und Pflanzenarten kehrten in
diesem Zeitraum zurück. Besonders schnell erholen sich mobile Tiere der
Lüfte wie Vögel, Fledermäuse und Bienen. Sie treiben die Erholung wiederum
als Bestäuber und Samenverbreiter aktiv voran.
Bäume hingegen brauchen deutlich länger, um die ursprüngliche
Artenzusammensetzung wiederherzustellen. Und das unsichtbare Leben im Boden
– Bakterien, Pilze, Mikroorganismen – zeigt nach landwirtschaftlicher
Nutzung kaum Erholungstendenz, was darauf hinweist, dass Pestizide und
Dünger hier langfristige Narben hinterlassen haben. Entscheidend ist auch
die Vorgeschichte des Landes: Flächen ehemaliger Kakaoplantagen erholen
sich beispielsweise deutlich schneller als frühere Viehweiden. Denn sie
bewahren Reste einer Waldstruktur, Schatten und Feuchtigkeit, die den
Übergang erleichtern.
## Was bringt’s?
Wer aufhört, den Wald zu zerstören, bekommt ihn zurück, zumindest
größtenteils. Das macht natürliche Regeneration zu einer der
wirkungsvollsten und günstigsten Strategien gegen das Artensterben: keine
aufwendige Bepflanzung, kein teures Eingreifen, sondern einfach
Brachliegenlassen.
Darüber hinaus zeigt die Studie konkrete Mechanismen, wie Erholung
funktioniert und ermöglicht so eine gezieltere Planung von Projekten. Die
einzige Bedingung ist Schutz: Junge Wälder müssen über mehrere Jahrzehnte
konsequent in Ruhe gelassen werden, statt sie zwischenzeitlich immer wieder
neu abzuholzen.
30 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://bg.copernicus.org/articles/20/1145/2023/
DIR [2] https://www.wwf.de/2025/mai/rekordzerstoerung-in-den-tropen
DIR [3] https://www.nature.com/articles/s41586-026-10365-2
## AUTOREN
DIR Lilli Messer
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