# taz.de -- Verlorene Gegenstände: Lost and Found
> Die Gäste unseres Autors vergessen immer wieder persönliche Objekte in
> seiner Pension oder lassen sie zurück. Das ist nicht immer lustig.
IMG Bild: Der Gast ist weg – seine Schuhe sind geblieben
Nun ist es doch passiert. Ziemlich unangenehm, wenn [1][in einem Hotel]
etwas Wertvolles verloren geht. Auch für die Gastgeber! Und was kann
wertvoller sein als ein Ehering? Nicht nur weil der Verlust
beziehungstechnisch zu ganz Bad Vibrations führen kann. „Mir muss der Ring
beim Packen vom Finger gerutscht sein“, sagte der junge Mann beim
Check-out. Und sein Partner: „Wir haben schon das ganze Zimmer auf den Kopf
gestellt.“ Er war recht gefasst: „Falls Sie ihn doch finden …“, „… melde
ich mich sofort“, sagte ich und versuchte mir nicht vorzustellen, was mit
„Auf den Kopf stellen“ gemeint war. Das Zimmer besteht aus
[2][Einbaumöbeln].
Der Ehering ist bei Weitem das Teuerste, was bisher bei uns verloren ging.
Immerhin gab es verantwortungstechnisch keine Unklarheiten: Er war weg,
bevor jemand Drittes das Zimmer betreten hat. So eindeutig ist das nicht
oft.
Man muss auf dem Gebiet der Herrenlosigkeit zwei Gruppen unterscheiden: Es
gibt vermisste Gegenstände. Die tauchen meist wieder auf, bevor sich
abgereiste Gäste deswegen melden. Bleibt das teure Stück verschwunden, kann
die Sache cringe werden. Denn ich möchte eigentlich nicht nachfragen
müssen, ob der Besitz tatsächlich erst seit der Abreise aus unserem Haus
vermisst wird.
Und noch weniger will ich gefragt werden, ob das Housekeeping wirklich
alles an der Rezeption abgibt. Lässt sich der Gast mit der Verlustmeldung
Zeit, wird es teilweise geradezu grotesk. Etwa als ein Mann sich vier
Monate nach seinem Besuch mehrmals meldete, weil er „absolut sicher“ war,
dass er „ein sehr teures Duschgel“ bei uns hatte stehen lassen.
## Meist vergessen: Ladekabel
Duschgel gehört eigentlich zu der zweiten Gruppe, den zurückgelassenen
Gegenständen. Sie werden selten so vermisst, dass sich Gäste deswegen
melden. Dazu gehören Socken, Mützen und Lesebrillen, angeführt wird die
Gruppe aber von [3][Ladekabeln]. Mein Tipp: Falls Sie mal keines zur Hand
haben, fragen Sie im nächstbesten Hotel, bevor Sie eines nachkaufen.
Eine Sonderkategorie der zurückgelassenen Dinge sind Sachen, bei denen man
sich wundert, wie ein Gast sie überhaupt vergessen konnte. Und die, wie
sich später herausstellt, nicht vermisst werden. Da wäre zum Beispiel die
Tüte voll mit Artikeln aus dem Mode-Outlet oder das Wein-Geschenk-Set;
möglicherweise sind sie so schnell erstanden, dass sie gar nicht als etwas
Eigenes betrachtet werden.
Wir haben auch schon gut eingelaufene Wanderschuhe gefunden. Bei genauerer
Betrachtung stieß ich auf eine lose Stelle an der Sohle. Ein vergessener
Koffer hatte eine defekte Schließe. Soll man so was trotzdem an den Gast
zurückschicken? Ich finde schon. Ich möchte keinen Müll geschenkt.
7 May 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Jörn Kabisch
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