# taz.de -- Judenfeindliche Codes und Slogans: Der Antisemitismus kennt keine Parteien
> An Berliner Hauswänden finden sich Graffiti, die zum Mord an Juden
> aufrufen. Solcher Hass gedeiht nicht nur im rechtsextremistischen Lager.
IMG Bild: Ein Demonstrant bei einer Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin Kreuzberg
Pankow ist schockiert. [1][In der Nacht zum vergangenen Sonntag wurden
mehrere Graffiti in dem Berliner Stadtteil angebracht.] „Nur ein toter Jude
ist ein guter Jude“, in großen schwarzen Lettern, in nächster Nähe an einem
anderen Haus: „Kill all Jews“. Derselbe Satz stand an einer weiteren Wand
in Kombination mit einem Hakenkreuz. An einer anderen Stelle stand: „271K“.
Dieser Code, der auch in den sozialen Medien häufig benutzt wird,
verbreitet die Verschwörungstheorie, dass das nationalsozialistische
Deutschland „nur“ 271.000 Jüdinnen und Juden ermordet habe.
Wer macht so was? Wer ergötzt sich an dieser Machtdemonstration, Juden mit
dem Tod zu drohen und den Holocaust zu leugnen? Lässt das Hakenkreuz darauf
schließen, dass ein Neonazi der Täter war? Dass es genug Neonazis gibt, die
Juden hassen, ist bekannt. „Taten wie diese finden nicht im luftleeren Raum
statt“, lautet der Satz, den man in solchen Fällen gern sagt und schreibt.
Man fragt nach den „geistigen Brandstiftern“. Die Brandstifter, die zu
einem judenfeindlichen Klima beitragen, finden sich allerdings nicht
exklusiv im rechtsextremistischen Lager. Der Antisemitismus kennt keine
Parteien, er gedeiht überall.
Seit dem 7. Oktober 2023 steigt die Zahl antisemitischer Hassverbrechen
stetig an. In Berliner Kneipenklos finden sich nicht selten Graffiti wie
„All Zios are targets“. Alle „Zionisten“ gelten den selbsternannten
„Antiimperialisten“ als Ziel. Antizionismus sei kein Antisemitismus, wird
dann gern behauptet. Die Wirklichkeit spricht aber eine andere Sprache, in
Wort und Tat.
## Gesten der Solidarität
Als die Propagandaspezialisten der Sowjetunion in den späten 1960er Jahren
aus imperialistischen Motiven jenen „Antizionismus“ erfanden, der als
Untoter heute noch herumgeistert und die Hirne autoritär gestrickter Leute
vernebelt, ging es ihnen auch darum, den Vorwurf des Antisemitismus
abzuwehren – weil und obwohl sie mit uralten antisemitischen
Bildernarbeiteten.
Seit geraumer Zeit lässt sich in westlichen Ländern beobachten, dass
Judenhasser von rechts, von links, aus der sogenannten Mitte und aus
islamistischen Kreisen es nicht mehr für nötig befinden, das Codewort
„Zionist“ zu benutzen. Sie sagen jetzt offen, wen sie meinen, weil sie
annehmen, es im gegenwärtigen Klima ungestraft sagen zu können: Juden.
Viele Pankower wollten das nicht stehen lassen und antworteten auf die
terroristische Machtgeste mit zahlreichen Gesten der Solidarität im
öffentlichen Raum. Ihre Botschaft lautet: Wir sind gegen diesen Hass – und
wir sind mehr.
1 May 2026
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## AUTOREN
DIR Ulrich Gutmair
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