# taz.de -- Anleitung für Lachyoga: Selten so gelacht
> Am 3. Mai ist Weltlachtag. Sie wissen nicht mehr, wie das geht? Unsere
> Autorin hat es mal mit Lachyoga probiert.
IMG Bild: Lustig: Der 3. Mai ist Weltlachtag
Im Schneidersitz sitze ich in einem großen Pavillon auf einem Polster auf
dem Boden, draußen wiegen sich hinter einem Vorhang aus Mückennetzen
Palmenblätter leicht im Wind. Etwa zwanzig Teilnehmer:innen sitzen mit
mir im Halbkreis zusammen. Der Reihe nach lachen wir, egal ob uns danach
ist oder nicht. Im Zweifel tun wir nur so, als ob – das ist so gewollt.
Immer wieder durchbricht großes Gelächter die Reihenfolge. Das Lachen der
anderen bringt uns zum Lachen, auch wenn es unecht ist. Ich bin in Indien
für einen mehrwöchigen [1][Yogalehrerinnenkurs]. An jenem Abend steht
Lachyoga auf dem Programm.
Das [2][Prinzip von Lachyoga] ist simpel, wie ich lerne. Die erste Person
gibt ein „Ha“ von sich, die zweite ein „Haha“, die dritte ein „Hahaha“ –
dann müssen bereits einige richtig lachen –, die vierte ein „Hahahaha“ und
so weiter. Der Ansatz: Erst mal künstlich lachen, das echte Lachen folgt.
Unser Körper kann nicht unterscheiden, ob wir wirklich lachen oder nur so
tun. Denn in beiden Fällen spannt sich die Bauchmuskulatur an, das
Zwerchfell bewegt sich, das Gehirn reagiert auf die Muskelbewegungen im
Gesicht und schüttet Glückshormone aus. Das wiederum macht uns fröhlicher,
ergo lachen wir tatsächlich.
[3][Lachen ist gesund] und gut für das Miteinander, das ist
wissenschaftlich von der Gelotologie untersucht. Um darauf aufmerksam zu
machen, hat die Lachyogabewegung den Weltlachtag initiiert, der jährlich am
ersten Maisonntag stattfindet. Lachen ist ein Herz-Kreislauf-Training,
erhöht die Sauerstoffaufnahme im Blut, macht uns deswegen wacher und
kreativer. Beim Lachen wird das Stresshormon Cortisol abgebaut, unser
Immunsystem wird gestärkt, eine schmerzstillende Wirkung setzt ein. Unser
psychisches Wohlbefinden verbessert sich, denn wer lacht, kann sich nicht
zugleich in negativen Gedankenschleifen verheddern.
Lachen erfüllt auch eine wichtige soziale Funktion. Es baut Spannungen ab
und schafft Zusammenhalt. Deswegen lachen wir beispielsweise, wenn wir
unsicher sind oder Konflikte entschärfen wollen. Jedes Lachen stärkt zudem
die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn, dadurch wird es schneller und
spontaner abrufbar. Wer lacht, wird also immer häufiger lachen. Haha,
hahaha.
## Löwenpose und imaginärer Ballon
Welche Arten von Lachyoga gibt es noch?, frage ich mich einige Zeit nach
jenem Abend in Indien, längst wieder in meiner Berliner Wohnung. Ich
probiere ein paar Übungen aus dem Internet aus.
Löwenpose, ein weiter Kniesitz, den Oberkörper aufgerichtet. Die Hände soll
ich mit gespreizten Fingern neben meinen Kopf halten, die Zunge
rausstrecken und dabei „Hähähä“ lachen. Lustig ist das nicht, auch wenn es
vermutlich so aussieht, aber ich spüre meinen Körper beben. Das ist
tatsächlich ein gutes Gefühl.
Nächste Übung: Ich kreuze die Arme vor meiner Brust. Dann drehe ich mich
nach links, öffne die Arme, lache, schließe sie wieder über der
Körpermitte, wiederhole das Ganze auf der rechten Seite.
Dann puste ich alles, was mich stresst, in einen imaginären Ballon. Es
werden acht Atemzüge: Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Bürokratie,
Bürokratie, voller Kalender, auf Whatsapp-Nachrichten antworten. Ich
verknote den gefüllten Ballon, lasse ihn davonfliegen, winke ihm hinterher
und rufe „Hahaha“ in den Raum. Jemand, der mich dabei sähe, könnte zu dem
Schluss kommen, ich sei wahnsinnig geworden.
Ich muss zugeben: Ich fühle mich munterer und positiver. Eine Routine wird
es für mich dennoch nicht werden.
Denn dieses echte, spontane Lachen, das über einen hereinbricht, sodass man
kaum noch Luft bekommt, das einen in seliger Erschöpfung und
unvergleichlicher Lebendigkeit zurücklässt – das kann Lachyoga nicht
ansatzweise ersetzen.
Aber vielleicht habe ich nur die Löwenpose noch nicht genug geübt.
3 May 2026
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## AUTOREN
DIR Eva Fischer
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