# taz.de -- Trainerinnendebüt in Männer-Bundesliga: Ungewöhnlich Alltägliches
> Nach dem trubeligen historischen Debüt von Marie-Louise Eta mit dem 1. FC
> Union Berlin kann sich der Verein befreiter dem Abstiegskampf widmen.
IMG Bild: Mit großer positiver Kraft: Marie-Louise Eta versucht, ihr Team zu ermutigen
Historische Tage müssen gut dokumentiert werden. So lässt sich eine Frau
eine dreiviertel Stunde vor diesem so besonderen Spiel am Samstag an der
Alten Försterei von ihrem Partner fotografieren. Die Vorfreude steht ihr
ins Gesicht geschrieben. Sie hält vor dem Stadioneingang den Schal mit der
Aufschrift „Fußballgöttin“ hoch. Laut Fanshop ein Bestseller in diesen
Tagen, preisgünstig vom Verein um 40 Prozent heruntergesetzt. [1][Mit der
Einstellung von Marie-Louise Eta] als erste Cheftrainerin der
Männer-Bundesliga macht sich der 1. FC Union Berlin [2][um die
Frauenemanzipation verdient] und trägt dies mit einem gewissen Stolz vor
sich her.
Nach dem Abpfiff und der 1:2-Niederlage gegen den Tabellenvorletzten VfL
Wolfsburg ist das größte Thema bei Union wieder der Abstiegskampf. Der
eigentliche Grund, warum der Klub sich für einen Wechsel auf der
Trainerposition entschieden hat. Nur als die Wahl auf eine Frau fiel,
[3][hat kein Mensch mehr über einen möglichen Abstieg gesprochen.] Es ging
allein um das Geschlecht derjenigen, die diesen verhindern soll. Eta wurde
zu einem internationalen Medienthema, von Belang etwa auch für die New York
Times. Die 34-Jährige versucht am Samstag sachlich dagegenzuhalten. Ihr
Fazit nach ihrer Premiere: „Am Ende ging es um Fußball. Darauf habe ich
mich gefreut, hier heute an der Alten Försterei dieses Bundesligaspiel zu
bestreiten.“
Fußballgötter sind Normalos in den Arenen der Männer-Bundesliga. Allein der
1. FC Union Berlin hat aktuell 27 davon. So zu tun, als wären es
Fußballgöttinnen auch, dieses Kunststück konnte am Samstag an der Alten
Försterei nicht gelingen, auch wenn die lautstarken Union-Fans Eta als
solche lauthals begrüßten. Das Problem dabei ist die immens hohe
Männerquote allerorten. Unter den 15 Fotografen, die sich um Eta während
eines Fernsehinterviews vor der Partie drängen, ist nur eine Frau zu
erkennen. Auf der voll besetzten Pressetribüne, welche die
Trainerinnen-Premiere in Augenschein nehmen, ist die Überzahl der Männer
(36:3) ebenso beträchtlich. Geradezu entrüstet hat der 1. FC Union sich zu
rückwärtsgewandten sexistischen Kommentaren auf Social Media geäußert und
betont, dass Qualität und Qualifikation allein entscheidend sind. Nicht nur
die Geschichte der Fußball-Bundesliga, auch die aktuellen Zahlen erzählen
eben etwas anderes.
Aus all dem speist sich die Wucht, die diese Premiere kompliziert macht.
Wer allerdings lediglich auf das Geschehen auf dem Rasen an diesem
Samstagnachmittag blickt, muss feststellen, dass es ein typisches
Neuanfangspiel eines verunsicherten Teams mit neuem Führungspersonal war.
Engagiert und dennoch fehlerhaft. Kapitän Christopher Trimmel sprach „von
neuer Energie auf dem Platz“. Das sei meistens nach einem Trainerwechsel
so, weil sich alle Spieler, auch die bislang unberücksichtigten, neu
beweisen wollen. Das Auftreten des Teams sei ein ganz anderes gewesen als
zuletzt in Heidenheim. Der „Matchplan“ sei auch ein anderer gewesen.
Mitspieler Derrick Köhn präzisierte: „Wir haben versucht, ruhiger zu
bleiben in gewissen Momenten, Angriffe besser auszuspielen.“ Zur Arbeit mit
der neuen Trainerin sagte er: „Wir fühlen uns sehr, sehr wohl mit ihr.“
Die Gestaltungsmöglichkeiten einer knappen Woche Trainingszeit sind
natürlich begrenzt. Dass der gelungene Energietransfer nicht zu einem
positiven Ergebnis führte, hatte auch mit dem ungünstigen Spielverlauf zu
tun. Der VfL Wolfsburg gelang schon in der 11. Minute mit einem
Sonntagsschuss von Patrick Wimmer der Führungstreffer, während Union danach
bessere Möglichkeiten nicht nutzen konnte. Die Halbzeitansprache von Eta
wurde schon nach wenigen Sekunden ihrer Wirkung beraubt, weil Wolfsburg
erneut aus der Distanz erfolgreich war (Dzenan Pejcinovic (46.).
Das jeweils mangelhafte Defensivverhalten in diesen Szenen und die
grundsätzliche Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor wollte Marie-Louise
Eta nicht zum Thema machen. „Es bringt nichts, immer darauf herumzureiten
und immer wieder darauf hinzuweisen.“
Mit etwas mehr Glück hätte Union die Drangphase nach dem Anschlusstreffer
von Oliver Burke (85.) zumindest zu einem Punktgewinn führen können. Eta
sagte: „Ich bin extrem überzeugt, wenn wir mit der Art und Weise einfach
weiterspielen, weitermachen, weiter daran glauben, dann wird auch das
Ergebnis ein anderes sein.“ Streng sachbezogen und sehr freundlich war
Marie-Louise Eta an diesem Tag all dem Trubel um ihre Person begegnet. Und
sie formulierte Sätze, die man in der Geschichte der Abstiegskämpfe in der
Männer-Bundesliga schon häufig gehört hat – nur waren sie dieses Mal eben
erstmals von einer Frau ausgesprochen worden. Ein Gefühl der allgemeinen
Erschöpfung machte sich am Ende dieses besonderen Tages breit. Gut, dass
das nun endlich auch geschafft ist.
19 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] /Trainerinnenwechsel-bei-Union/!6169895
DIR [2] /Trainerin-bei-Union-Berlin/!6170032
DIR [3] /Trainerin-Eta-bei-Union-Berlin/!6171131
## AUTOREN
DIR Johannes Kopp
## TAGS
DIR Union Berlin
DIR Trainer
DIR Frau
DIR Fußball
DIR Union Berlin
DIR Kolumne Press-Schlag
DIR Kolumne Press-Schlag
DIR Union Berlin
DIR Fußball
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Trainerin-Nachfolge bei Union Berlin: Die nach Eta
Beim Männer-Erstligisten 1. FC Union Berlin geht der Coach. Wer soll auf
Marie-Louise Eta folgen? Die taz stellt die geeignetsten Fachkräfte vor.
DIR Wo bleibt die Rettung für Absteiger?: Gestrandete Fußballvereine
Trotz ihres Rettungseifers vergessen die Deutschen ihre Klubs in
Abstiegsnot. Es fehlen Konzepte. Influencer und Menschenketten könnten
helfen.
DIR Trainerinnendebüt im Männerfußball: Frau Eta im Vergleich
Warum die Verpflichtung einer Männer-Cheftrainerin nur eine Etappe in einem
wichtigen Kampf ist. Das lehrt schon die Geschichte des Sports.
DIR Trainerin Eta bei Union Berlin: Kümmerlich kleine Auswahl
Vor ihrem historischen Debüt bei den Männern von Union Berlin wird
Trainerin Eta wie eine Außerirdische beäugt. Dahinter steckt ein
Strukturproblem.
DIR Trainerin bei Union Berlin: Das Wunder von Köpenick
Dass Marie-Louise Eta Cheftrainerin bei Union Berlin wird, ist historisch.
Der Verein stellt sich dem Kampf gegen die Häme der Frauenverachter.