# taz.de -- Moore für den Klimaschutz: Erstaunlich klug
> Die Bundesregierung will mit viel Geld Moore wieder vernässen.
> Umweltminister Schneider macht so seine Prioritäten deutlich. Das könnte
> sich auszahlen.
IMG Bild: Mit Wasserbüffeln können Landwirt*innen auch auf wiedervernässten Mooren Geld verdienen
Es ist eine beachtliche Summe, die Umweltminister Carsten Schneider (SPD)
buchstäblich in den Sumpf setzt: Mit 1,75 Milliarden Euro will die
Bundesregierung die Wiedervernässung von Mooren fördern, die gleichzeitig
weiter landwirtschaftlich beackert werden sollen.
Lassen sich viele Landwirt*innen darauf ein, wäre das nicht nur ein
Erfolg für die Artenvielfalt, sondern auch für den Klimaschutz in
Deutschland. Denn trockengelegte Moore sind für etwa 7 Prozent der
deutschen CO₂-Emissionen verantwortlich. Würden Förster*innen und
Bauer*innen sie wieder vernässen, könnten die Moore von einer CO₂-Quelle
sogar zur Senke werden, also mehr Treibhausgase binden als sie ausstoßen.
Das Förderprogramm zeigt aber auch, wie Schneider die Klimapolitik der
Bundesregierung umschichtet: Auf Kosten der Emissionsreduktion in der
Industrie, beim Autoverkehr und beim Heizen [1][legt Schneider den Fokus
auf grünen Strom und den natürlichen Klimaschutz].
Indem Schneider Natur- und Klimaschutz verknüpft, will er mehr
Unterstützung in der Bevölkerung mobilisieren. Das [2][kündigte er schon
zum Amtsantritt an]. Er vermeidet außerdem Großkonflikte: Zwar sperrt sich
der mächtige Bauernverband seit Jahren gegen eine großflächige
Wiedervernässung von Mooren. Aber diesen Widerstand zu überwinden, ist
einfacher, als die fossilen Ideolog*innen in der CDU zu überzeugen.
Falls Wald, Moore und Böden in den 2030ern zur CO₂-Senke werden, könnten
sie darüber hinaus die Emissionen der Schwerindustrie teilweise
ausgleichen. Denn Chemie-, Stahl- und Betonkonzerne werden aufgrund einer
Mischung aus Ambitionslosigkeit und echten technischen Herausforderungen
wahrscheinlich noch bis in die 2040er hinein viel CO₂ ausstoßen.
Kann Schneider neben den Moorschutz- [3][auch die ambitionierten
Waldumbaupläne seines Ministeriums durchsetzen], verschafft er also auch
noch der deutschen Industrie Zeit zur Umstellung. Das ist politisch klug,
aber um Deutschlands fairen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten,
reicht es nicht: Dafür müsste die Bundesregierung überall klimapolitischen
Ehrgeiz zeigen, nicht nur beim Naturschutz.
19 Apr 2026
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