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       # taz.de -- Luftangriffe auf die Ukraine: Lücken in der ukrainischen Luftabwehr werden größer
       
       > Wieder gibt es Opfer durch russische Drohnen. Die Ukraine will ein
       > wichtiges russisches Rüstungsobjekt getroffen haben, doch es fehlt an
       > Abfangraketen.
       
   IMG Bild: Nach einer russischen Drohnenattacke in Tschernihiw, veröffentlicht am 19. April
       
       afp/dpa | Bei schweren Drohnenangriffen des Moskauer Militärs sind in der
       Ukraine erneut Zivilisten zu Schaden gekommen. In der Region Tschernihiw
       nördlich von Kiew sei ein 16-Jähriger durch Drohnenbeschuss getötet worden,
       teilte Gouverneur Dmytro Bryschynskyj auf Telegram mit. „Vier Personen
       wurden verletzt, drei Frauen und ein Mann“, schrieb er weiter. Seinen
       Angaben nach wurden sieben private Wohnhäuser beschädigt – drei davon
       brannten völlig aus. Zudem traf es ein Verwaltungs- und ein Schulgebäude
       sowie zwei Autos.
       
       Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr hat das russische Militär bei den
       nächtlichen Angriffen insgesamt 236 Drohnen eingesetzt. Obwohl die Mehrzahl
       der Flugobjekte abgefangen werden konnte, gab es Einschläge an 18 Orten. In
       der südukrainischen Stadt Cherson traf es dabei ein Taxi; ein 41-Jähriger
       wurde verletzt. Im zentralukrainischen Poltawa wurde eine Lokomotive
       zerstört. Verletzte habe es hier glücklicherweise nicht gegeben, schrieb
       Gouverneur Witali Djakiwnytsch.
       
       ## Stadt in Südrussland unter ukrainischem Beschuss
       
       Auf der Gegenseite sind in der südrussischen Hafenstadt Taganrog nach
       offiziellen Angaben bei einem Raketenangriff der Ukraine drei Menschen
       verletzt worden. Zudem sei ein Brand in einem Lagerhaus ausgebrochen,
       schrieb der Gouverneur von Rostow, Juri Sljussar beim russischen
       Messenger-Dienst Max. Im Netz wurden derweil Bilder und Fotos von Bränden
       verbreitet, die von einer Rüstungsfabrik stammen sollen, wo unter anderem
       Drohnen und Drohnenteile produziert werden.
       
       Russland hat vor mehr als vier Jahren [1][seinen Eroberungskrieg gegen die
       Ukraine gestartet]. Regelmäßig beschießt das russische Militär seither auch
       das Hinterland des Nachbarn und trifft dabei zivile Einrichtungen und
       einfache Menschen. Aber auch die Ukraine wehrt sich inzwischen mit
       Gegenangriffen, die in die Tiefe Russlands zielen und neben militärischen
       Einrichtungen oft auch der strategisch wichtigen Treibstoffindustrie
       Moskaus gelten.
       
       ## Engpässe bei der Luftabwehr: Was den Schutz der Ukraine bedroht
       
       Russland intensiviert seit Wochen seine Angriffe im Krieg gegen das
       Nachbarland und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt
       Engpässe bei der Luftabwehr. Das Problem: Eine zu langsame Waffenproduktion
       im Westen bei gleichzeitig steigender Nachfrage auch durch den Iran-Krieg.
       Russland hat seine Waffenproduktion in den vergangenen Jahren nach oben
       geschraubt: Von Drohnen über Marschflugkörper bis hin zu ballistischen
       Raketen. Nach Angaben von EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius
       produziert Russland nach wie vor deutlich mehr Waffen als die EU. Allein
       bei den Marschflugkörpern ist die russische Produktion demnach fast vier
       Mal so hoch wie in den EU-Ländern.
       
       Nach Angaben der monatlich erscheinenden Datenanalyse Monitor Luftkrieg
       Ukraine stellt Russland derzeit wesentlich mehr ballistische Raketen her,
       als der gesamte Westen an Abfangraketen produziert. Das zeigt sich auch auf
       dem Schlachtfeld. „Die Menge der Flugkörper, die kommen, ist erheblich
       gestiegen in den letzten Jahren“, sagte Verteidigungsexperte Guntram Wolff
       von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel der Nachrichtenagentur AFP mit Blick
       auf die russischen Angriffe. Diese Menge abzufangen sei extrem aufwendig
       und gerade bei Marschflugkörpern und ballistischen Raketen nur mit teuren,
       modernen Systemen wie den Patriots zu schaffen.
       
       ## Mangelware Patriot
       
       Das US-Luftabwehrsystem Patriot spielt eine wichtige Rolle beim Schutz
       ukrainischer Städte und Infrastruktur. Ein System kostet rund 400 Millionen
       Dollar (rund 340 Millionen Euro), eine Abwehrrakete je nach Modell eine bis
       vier Millionen Dollar. Die Nato-Länder und ihre Verbündeten können über den
       sogenannten Purl-Mechanismus Waffen für die Ukraine in den USA kaufen.
       Deutschland hat diese Woche angekündigt, der Ukraine „mehrere hundert
       Patriot-Raketen“ zu liefern – allerdings über einen Zeitraum von vier
       Jahren.
       
       Denn die Nachfrage ist weltweit hoch. Nato-Generalsekretär Mark Rutte
       bezifferte die Lieferzeit eines neuen Patriot-Systems im vergangenen Jahr
       auf zehn Jahre. Auch auf eine neue Abfangrakete müssen Käufer nach Angaben
       von Rüstungsexperte Fabian Hoffmann vom Zentrum für europäische
       Politikanalyse (CEPA) derzeit mindestens eineinhalb Jahre warten. Auch wenn
       es über die Bestände von Luftabwehrraketen keine öffentlichen Zahlen gibt:
       Vier Jahre Ukraine-Krieg haben die Vorräte verknappt. Der
       Patriot-Hersteller Raytheon kann im Jahr etwa zwölf Luftabwehrsysteme
       herstellen und nach Schätzungen rund 650 Abwehrraketen.
       
       Hoffmann zufolge wird die Nachfrage durch den Iran-Krieg noch steigen, „da
       die Golfstaaten nach dem Krieg ihre Bestände wieder auffüllen wollen“.
       Schätzungen zufolge wurden allein in den ersten Tagen des Iran-Kriegs 800
       Patriot-Raketen verschossen. Das sind mehr als die Ukraine in den
       vergangenen drei Jahren insgesamt eingesetzt hat, wie ukrainische
       Regierungsmitglieder Medien gegenüber mitteilten. „Kunden aus Europa, Asien
       und dem Nahen Osten sowie die Vereinigten Staaten selbst konkurrieren um
       begrenzte Produktionskapazitäten“, fasst Hoffmann das Dilemma zusammen. Die
       US-Regierung kann dabei je nach Veränderung der politischen Prioritäten in
       die Lieferreihenfolge eingreifen.
       
       ## Engpässe bei der Luftverteidigung
       
       Als Antwort auf diese Abhängigkeit fordern Politiker und Experten einen
       schnellen Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten bei eigenen
       Luftabwehrsystemen wie Iris-T SLM oder Samp/T. Es sei „erstaunlich“, wie
       langsam es hier vorangehe, sagte Analyst Wolff. Nato-Generalsekretär Rutte
       und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mahnten am Donnerstag
       erneut mehr Geschwindigkeit bei Investitionen und Produktion an.
       
       Die Ukraine tut [2][unterdessen das in ihrer Macht stehende gegen die
       Engpässe bei der Luftverteidigung]. So leisten ukrainische Experten den
       Golfstaaten Beistand bei der Abwehr iranischer Drohnen. In mehr als vier
       Jahren Krieg hat das Land sich zu einem Vorreiter in der Drohnenabwehr
       entwickelt. Die Abfangrate liegt laut Monitor Luftkrieg Ukraine zwischen 80
       und 90 Prozent, bei ballistischen Raketen sind es 35 Prozent. Im Gegenzug
       für die Hilfe erhofft sich Präsident Selenskyj womöglich [3][Waffenhilfe,
       Luftabwehr oder Finanzmittel von den betroffenen Staaten].
       
       Zudem weitete die Ukraine zuletzt ihre Angriffe auf Produktionsstätten der
       russischen Rüstungsindustrie und Logistikzentren aus. „Wenn weniger Raketen
       geschickt werden können, wird die Abwehr leichter gemacht“, resümierte
       Wolff.
       
       19 Apr 2026
       
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