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       # taz.de -- US-argentinische Militärmanöver: „Dogmatische Verwestlichung“
       
       > Im Rahmen von Militärmanövern gewährt Argentinien den USA Zugang zu
       > strategischen Gebieten. Experte Luciano Anzelini sieht eine neue
       > Dimension.
       
   IMG Bild: Schiffe der argentinischen Marine bei einer Übung 2024
       
       taz: Herr Anzelini, seit Montag führen das US-amerikanische und das
       argentinische Militär gemeinsame Manöver durch. Darüber hinaus finden im
       Südatlantik Überwachungs- und Kontrollübungen statt. Wie ist das
       einzuschätzen? 
       
       Luciano Anzelini: Das ist eine neue Dimension. Gemeinsame Militärübungen
       mit den USA gab es zwar auch schon früher. Das Ziel dieser Übungen bestand
       jedoch darin, die Fähigkeiten und die Ausbildung der argentinischen
       Streitkräfte zu verbessern. Die jetzt begonnenen Manöver verschaffen den
       US-Streitkräften Zugang zu einem strategisch wichtigen Gebiet wie dem
       Südatlantik.
       
       taz: Warum gewährt Argentinien den US-Militärs diesen Zugang? 
       
       Anzelini: Das ist Teil der [1][Außenpolitik von Präsident Javier Milei],
       die ich als dogmatische Verwestlichung und strategische Entnationalisierung
       bezeichnen würde. In der Militär- und Verteidigungspolitik bedeutet dies
       eine strikte und automatische Anpassung an die Haltung der USA. Was auch
       immer die Vereinigten Staaten vorgeben, wird umgesetzt.
       
       taz: Müsste nicht eigentlich der Kongress über solche Dinge entscheiden? 
       
       Anzelini: Milei hat die Einreise der US-Militärs und die Manöver per Dekret
       genehmigt. Damit hat er sich über die Befugnisse des Kongresses einfach
       hinweggesetzt.
       
       taz: Was ist der Hintergrund der Manöver? 
       
       Anzelini: Die USA betrachten den Südatlantik als strategische Region in
       ihrem grundlegenden Konflikt mit China, insbesondere im Hinblick auf den
       [2][Zugang zur Antarkti]s und die Verbindung zwischen zwei Ozeanen an der
       südlichsten Spitze Lateinamerikas, also die maritime Verbindung zwischen
       Atlantik und Pazifik. Bei den Verhandlungen zwischen der Regierung der
       Provinz Feuerland und chinesischen Investoren über den Bau eines
       Mehrzweckhafens in Río Grande, der zweitgrößten Stadt Feuerlands und einem
       strategisch wichtigen Gebiet, waren bereits bedeutende Fortschritte erzielt
       worden. Diese Verhandlungen wurden durch die Militärdiplomatie des
       US-Südkommandos vollständig zum Erliegen gebracht.
       
       taz: Im März wurde unter der Führung der USA das Bündnis [3][„Shield of the
       Americas“] gegründet, an dem sich zwölf lateinamerikanische Länder
       beteiligen. In welchem Zusammenhang steht dieses Bündnis mit dem Streben
       der USA nach der Kontrolle im Südatlantik? 
       
       Anzelini: Die in „Shield of the Americas“ aufgeführten Bedrohungen
       konzentrieren sich in erster Linie auf Drogenhandel, Terrorismus und
       Narco-Terrorismus. In diesem Sinne gibt es einen Prozess, den ich als
       Entprofessionalisierung der Streitkräfte bezeichnen würde, also die
       Umstrukturierung der Streitkräfte zu einer Art Polizeikräften. Im Falle
       Argentiniens würde dies bedeuten, dass sie weitgehend von Überwachungs-,
       Aufklärungs- und nachrichtendienstlichen Aufgaben im Südatlantik entbunden
       würden. Dies deckt sich mit dem Bestreben der USA, den Südatlantik, dessen
       antarktische Ausdehnung und dessen bi-ozeanischen Charakter zu dominieren.
       
       20 Apr 2026
       
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