URI: 
       # taz.de -- RBB übernimmt Aufgabe bei ARD: Die Möglichkeit, etwas wiedergutzumachen
       
       > Eine neue Stelle der ARD soll intern für Struktur sorgen. Jemand vom RBB
       > soll sie füllen – und damit beweisen, dass der Schlesinger-Skandal passé
       > ist.
       
   IMG Bild: Der Job soll an den ehemaligen RBB-Chefredakteur David Biesinger gehen
       
       Als ich in den 1980er Jahren Zivildienst in der Krankenheilanstalt am Rande
       der Stadt machte, gab es öfter folgendes Szenario. Wenn der Strom ausfiel,
       musste erstmal das Notfallaggregat gesucht werden. Das war aber nur bedingt
       abgestaubt und funktionierte eh nicht, weil meist kein Diesel im Tank war.
       
       Damit so etwas heute besser läuft, gibt es dafür Business Continuity
       Management (BCM). Die ISO 22301-Norm definiert BCM als ein
       Managementsystem, das kritische Geschäftsprozesse bei Störungen
       aufrechterhält oder schnell wiederherstellt. BCM soll Organisationen in die
       Lage versetzen, Bedrohungen zu verstehen, deren Risiken zu minimieren und
       sicherzustellen, dass der Laden weiterläuft
       
       Natürlich dürfen und müssen sich auch Medien-Unternehmen um
       Risikomanagement kümmern. Das gilt besonders für den öffentlich-rechtlichen
       Rundfunk, damit er weiter auf Sendung bleibt. Gern auch präventiv und nicht
       erst in der Katastrophe, Corona, die Flutkatastrophe an der Ahr und der
       Blackout in Berlin lassen grüßen.
       
       Damit die ARD hier künftig besser aufgestellt ist, will der Anstaltsverbund
       bei seiner Intendant*innensitzung nächste Woche in Bonn eine
       entsprechende Position übergreifend für die gesamte Neunfaltigkeit
       ausrufen. Es gilt auch schon als gesetzt, welche Anstalt hier das Rennen
       macht und eineN der ihren schicken darf. Es ist der RBB.
       
       ## Sender kann nebenbei noch eine schwierige Personalie lösen
       
       Das kann entweder als nette Fiesigkeit interpretiert werden, so nach dem
       Motto: „Da habt ihr die Chance, den Flurschaden wieder auszugleichen, den
       [1][Patricia Schlesinger & Co] für das öffentlich-rechtliche
       Gesamtkunstwerk angerichtet haben“. Bezahlt werden soll die Stelle dann
       anscheinend auch vom RBB. Was ja tatsächlich einer kleinen Wiedergutmachung
       gleichkäme.
       
       Es ist offenbar für den RBB selbst auch ganz plietsch. Denn wie aktuell
       niemand offiziell bestätigen mag, kann der Sender so nebenbei noch eine
       schwierige Personalie lösen. Der Job soll nämlich an den ehemaligen
       RBB-Chefredakteur David Biesinger gehen, der bislang interimistisch die
       Ressourcen in Berlin und Potsdam verwalten durfte.
       
       Bei der Personalie klingt das so, als würde ein Manager gesucht, der mit
       komplexen Krisenszenarien seine ganz eigene Erfahrung hat, am besten schon
       mal professionell am Rand des Abgrunds stand und dort hineinlinsen konnte.
       Biesinger bringt auf jeden Fall die Chuzpe mit, dass er auch beim
       selbstverschuldeten Ausfall aller üblichen Abläufe durchkommt, den Kopf
       über Wasser hält und alle Krisen übersteht.
       
       Doch das hat die ARD nicht verdient und so was ist auch nicht mit BCM
       gemeint. „Es braucht wen, der die ARD wachrüttelt und sich ernsthaft um die
       Aufgabe kümmert. Der mit Durchhaltevermögen gegen neun Windmühlen ankämpft
       und am besten von neun Anstalts-BCMs produktiv unterstützt wird“, sagt die
       Mitbewohnerin. Denn im [2][Staatsvertrag] steht dazu nix. Aber über den
       hinauszugehen ist ausdrücklich nicht verboten.
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Vorwuerfe-gegen-RBB-Intendantin/!5867820
   DIR [2] /RBB-Staatsvertrag/!5956326
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
   DIR Kolumne Flimmern und Rauschen
   DIR Patricia Schlesinger
   DIR Öffentlich-Rechtliche
   DIR RBB
   DIR ARD
   DIR Medienpolitik
   DIR RBB
   DIR RBB
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Jörg Wagners Abschied vom RBB: Abgang in die Medienhölle
       
       Jörg Wagners „Medienmagazin“ beim RBB ist Geschichte, auch wenn die Sendung
       weiterläuft – und Wagner erst recht weitermacht! Nur eben anderswo.
       
   DIR Sparmaßnahmen beim rbb: Vorschläge zur Verschlankung
       
       Der rbb soll umstrukturiert werden, nun gibt es erste konkretere
       Vorschläge. Bei den Mitarbeitenden ist die Stimmung weiter angespannt.
       
   DIR Reform des RBB: Intendantin verteidigt Expertise von außen
       
       Digitalisierung, Einsparungen, Stellenabbau: Beim rbb stehen komplexe
       Veränderungen an. Externe Expertise sei da wichtig, sagt rbb-Intendantin
       Ulrike Demmer.