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       # taz.de -- Brasiliens Präsident in Hannover: Lula und Merz wollen sich näher kommen
       
       > Lula und Merz erklären die Handelsbeziehungen vertiefen zu wollen, etwa
       > im Bereich Rohstoffe. Über die Messe in Hannover laufen sie aber
       > getrennt.
       
   IMG Bild: Präsident Lula und Kanzler Merz bei einer Pressekonferenz am 20. April in Hannover
       
       Der Präsident Brasiliens Lula da Silva ist kein nachtragender Mann. Es
       scheint, als habe er die [1][despektierlichen Äußerungen von Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU)] über den COP-Austragungsort Belém längst vergessen,
       als er am Sonntag gut gelaunt mit dem Bundeskanzler in Hannover
       zusammentraf.
       
       Lula und Merz unterzeichneten am Montag rund zehn Abkommen und Initiativen
       in Bereichen wie Rohstoffe, Klimaschutz, Verteidigung und künstliche
       Intelligenz. Merz sagte, das bilaterale Handelsvolumen solle in den
       nächsten Jahren verdoppelt werden.
       
       Lula sprach zum Auftakt der Hannover-Messe, bei der Brasilien Partnerland
       ist. Dabei verurteilte er den Krieg der USA und Israels gegen Iran als
       „Wahnsinn“. Doch die Konflikte der Welt sollen bei diesem Besuch nur eine
       Nebenrolle spielen. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche Fragen, kurz
       bevor das [2][Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten
       vorläufig in Kraft tritt]. Am Montag spazierte Lula getrennt von Merz über
       die Messe und besichtigte dabei vor allem die brasilianischen Stände.
       
       Mit einem großen Gefolge – Hunderte Delegierte und 15 Ministerinnen und
       Minister – war Lula angereist, um über den Ausbau der bilateralen
       Beziehungen zu sprechen. Die Regierungskonsultationen organisiert
       Deutschland mit ausgewählten strategischen Partnern. Brasilien ist
       Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika, während
       Deutschland zugleich Brasiliens bedeutendster Handelspartner in der EU ist.
       
       Brasilien präsentiert sich als Vorreiter erneuerbarer Energien. Rund 90
       Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen. Das Land verfügt über
       bedeutende Vorkommen Seltener Erden, zentral für Elektromobilität und
       künstliche Intelligenz. Lula betonte in Hannover, die kritischen Mineralien
       seien „Instrumente für wirtschaftliche und soziale Entwicklung“ und
       unerlässlich für Dekarbonisierung und digitale Transformation.
       
       ## Brasilien im Wahlkampf
       
       Doch Lulas Optimismus wird von Problemen im eigenen Land überschattet:
       Dammbrüche, Umweltverschmutzung und [3][Landkonflikte mit indigenen und
       traditionellen Gemeinschaften]. Umweltorganisationen kritisieren seit
       Langem die Nähe der Regierung zur Agrar- und Bergbauindustrie.
       
       Partnerschaften wie die zwischen Deutschland und Brasilien beschäftigten
       sich laut des Bergbauexperten Constantin Bittner zudem zu wenig mit den
       ökologischen und sozialen Auswirkungen. „Deutschlands Fokus liegt auf
       Rohstoff- und Versorgungssicherheit der eigenen Industrie“, kritisiert
       Bittner von der NGO PowerShift im Gespräch mit der taz. „Soziale und
       ökologische Aspekte spielen dabei nur eine Nebenrolle.“
       
       Dass Lula nun offensiv mit dem Thema Rohstoffe wirbt, hat auch
       innenpolitische Gründe. Im Oktober wird gewählt. Lula will seine
       internationale Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Die Message:
       Brasilien unter seiner Führung ist ein global anerkannter Akteur, der sich
       nicht von Großmächten dominieren lässt.
       
       Lulas Gegner ist Flávio Bolsonaro, Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten
       Jair Bolsonaro. Vor drei Wochen sprach der rechtsextreme Politiker auf der
       ultrakonservativen CPAC-Konferenz in Texas. Dort erklärte er, Brasilien sei
       das „Schlachtfeld, auf dem die Zukunft der westlichen Hemisphäre
       entschieden werde“. Weiter sagte er: „Brasilien ist Amerikas Lösung, um die
       Abhängigkeit von China bei kritischen Mineralien, insbesondere bei Seltenen
       Erden, zu durchbrechen.“
       
       Das Thema Rohstoffe und Geopolitik könnte damit zu einem zentralen Faktor
       im Wahlkampf werden. Nachdem lange von einem ungefährdeten Sieg Luiz Inácio
       Lula da Silva ausgegangen wurde, hat der rechte Kandidat in Umfragen
       deutlich aufgeholt und liegt teilweise sogar vor ihm. Sollte Bolsonaro
       gewinnen, könnten auch für Europa deutlich andere Zeiten anbrechen.
       
       20 Apr 2026
       
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