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       # taz.de -- Im Regen am Maybachufer: High und heiser
       
       > Ohne Stimme auf dem Flohmarkt verkaufen wollen, ist ambitioniert. Für
       > echte Gespräche reicht es mitunter trotzdem.
       
       Am Samstag startete ich in meine Flohmarkt-Verkauf-Saison etwas holprig:
       Nicht nur Regen war für den Nachmittag gemeldet, sondern auch meine Stimme
       war am Morgen plötzlich weg. Ich war erkältet und jetzt auch noch heiser.
       Wie sollte ich ohne Stimme verkaufen, schoss es mir durch den Kopf. Ich
       überlegte, meiner Freundin abzusagen, aber nein, das konnte ich nicht
       bringen. Schließlich fieberten wir schon so lange unserer Flohmarkt-Saison
       entgegen und auch meine Freundin würde niemals leichtsinnig absagen. Und
       erst recht nicht so kurzfristig.
       
       Aber war die fehlende Stimme noch Leichtsinn? War es nicht vielmehr
       schwersinnig, nein irrsinnig, einen ganzen Flohmarkttag ohne Stimme
       bestreiten zu wollen? Egal, ich schälte mich aus dem Bett und machte mir
       zum Frühstück einen frischen Ingwertee mit Zitrone und Honig, der aber
       leider nichts brachte: Meine Stimme blieb weg. Na ja, nicht ganz, ich
       konnte noch ein bisschen flüstern, immerhin.
       
       Auf dem Flohmarkt am Maybachufer war trotz des mäßigen Wetters viel los,
       das Geschäft florierte, auch wenn mir es fehlte, mit den Leuten, die an
       unserem Stand stehenblieben, ein paar Sätze zu wechseln. So beschränkte
       sich die Konversation leider auf das Mindeste: Preis nennen, verhandeln,
       danke und tschüss sagen.
       
       Am Nachmittag setzte der angekündigte Regen ein. Kein frühlingshafter
       Nieselregen, sondern fieser Starkregen, bei dem nur die krassesten
       Flohmarktgänger blieben. Irgendwann blieb eine junge Frau vor unserem Stand
       stehen. Ihr Blick blieb an einem Jumpsuit von mir hängen, der mit seinem
       Muster etwas Psychedelisches hatte. „Wow, what a great fabric!“, rief sie.
       „Ja, schöner Stoff“, krächzte ich. Dann schaute sie mich an: „Sorry, I’m
       high.“ Ich musste lachen, krächzte: „Und ich bin heiser.“ Bestimmt dachte
       die Frau, ich wäre auch gerade wie sie aus einem Elektroclub gepurzelt.
       
       21 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Eva Müller-Foell
       
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