# taz.de -- Anti-Doping-Kampf in Polen: Lukrativer als Drogenhandel
> In Polen zieht eine Staatsanwältin mithilfe der nationalen
> Anti-Doping-Agentur große Mengen an Dopingsubstanzen aus dem Verkehr. Das
> Geschäft boomt.
IMG Bild: Ermittlungserfolge auf dem Tisch: Dopingfunde der Polada
Aufregung am Himmel über Warschau. Anfang April zog ein
Black-Hawk-Hubschrauber der Antiterroreinheit der Polizei dort seine
Kreise. Auf einem Polizeivideo ist zu sehen, wie zwei Uniformierte sich auf
ein Dach abseilen. Der Einsatz war Bestandteil einer Razzia gegen ein
Netzwerk von Dopingdealern. Mehr als 70 Beamte waren laut Polizeiangaben im
Einsatz, neun Objekte wurden untersucht und elf Personen festgenommen. Dass
der Black Hawk geordert wurde, lag daran, dass bei den Verdächtigen Waffen
vermutet wurden.
Ein Sturmgewehr und mehrere Pistolen wurden auch gefunden. Sichergestellt
wurden zudem größere Mengen an Dopingpräparaten. „Es handelt sich unter
anderem um Steroide, Peptide und SARMs“, sagte Staatsanwältin Katarzyna
Szołtysik, die die ersten Vernehmungen vornahm und die Haftbefehle
ausstellte, der taz. Steroide sind Dopingklassiker aus den 1970er und
1980er Jahren, mit Dopingtests im Leistungssport aber einfach nachweisbar.
Peptide und selektive Androgenrezeptormodulatoren (SARM) sind die
moderneren Mittel zu Muskelaufbau und verbesserter Energiezufuhr im
Organismus. Um diese Präparate zu finden, müssen oft besondere Tests
angewendet werden. Vertrieben wurden die Produkte via Internet auf dem
europäischen Markt, erklärte Szołtysik.
Sie betreut in der Bezirksstaatsanwaltschaft Gliwice allein fünf
Antidopingermittlungen. Dabei geht es um Handelsvolumina von bis zu 20
Millionen Złoty (etwa 5 Millionen Euro) und Kundendatenbanken mit mehr als
20.000 Einträgen. Das für die [1][Antidopingszene] Besondere ist, dass die
Operationen mit der polnischen Antidopingagentur Polada ausgeführt werden.
Die Polada begann vor sechs Jahren mit Workshops für Polizeiermittler, um
diese für das Spezialgebiet Dopinghandel zu sensibilisieren.
„Jeden Monat fahre ich mit einem Polizeiexperten zu verschiedenen
Einheiten. Wir weisen auf die gesetzlichen Bestimmungen hin und erklären,
wie wir die Strafverfolgungsbehörden unterstützen können“, beschreibt
Agnieszka Ostrowska, Leiterin des Ermittlungsteams der Polada, das
Prozedere. Die Polada hilft vor allem bei der Identifizierung der
Substanzen. „Insgesamt hatten wir in den Jahren 2024 und 2025 jeweils 120
Ermittlungen mit den Strafverfolgungsbehörden. In diesem Jahr gab es
bereits 48 Aktionen“, teilt Ostrowska mit.
## Labor unter einem Hundezwinger
Die Dimensionen sind also beträchtlich. Die aus dem Verkehr gezogenen
Mengen an Dopingsubstanzen und illegal hergestellten Medikamenten auch. In
den ausgehobenen Laboren seien die Produktionsbedingungen oft schrecklich,
betonen sowohl Polada-Ermittlerin Ostrowska als auch die Staatsanwältin
Szołtysik. Exemplarisch dafür ist ein Labor, das im Juni 2021 in einem
Kellerverlies unterhalb eines Hundezwingers entdeckt wurde. Es diente vor
allem der Herstellung von Methamphetamin, häufig als Crystal Meth bekannt.
Diese Konvergenz von Dopinghandel und [2][Drogenhandel] ist ein typisches
Phänomen. „[3][Die kriminellen Netzwerke verändern sich.] Mittlerweile ist
es sehr lukrativ für sie, von den klassischen Aktivitäten wie illegalen
Zigaretten oder Rauschgift zum Handel mit Dopingpräparaten überzugehen.
Dort ist für sie das Risiko, gefasst zu werden, wesentlich geringer“,
erklärte Michał Rynkowski, Direktor der Polada. Staatsanwältin Szołtysik
ergänzt: „Wir hatten bereits Fälle, in denen Personen, die sich nach
Absitzen ihrer Haftstrafe für [4][Drogenhandel] dafür entschieden, nun
schlauer vorzugehen. Sie produzierten Steroide und illegale Medikamente.
Das Strafmaß dafür ist nicht nur geringer. Sie merkten auch, dass die
Gewinnspanne sogar noch größer ist.“
Im jüngsten Fall bemerkte Szołtysik einen ganz neuen Dreh: „Die
Verdächtigen deklarierten die Präparate als für wissenschaftliche Zwecke
bestimmt.“ So hofften sie offenbar, Strafen zu umgehen. Das Netzwerk gab
sich als seriöse Firma aus, trat – offenbar zur Erhöhung des
Bekanntheitsgrades – sogar als Sponsor für Fußballklubs bis in die höchste
polnische Spielklasse auf, erzählt Szołtysik. Um welche Klubs es sich
handelt, gab sie aus ermittlungstechnischen Gründen nicht preis. Hinweise,
dass die Klubs von diesem Sponsor Produkte zur Leistungssteigerung
erhielten, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Dreist ist die Sache
dennoch.
Rohmaterialien und Zwischenprodukte stammen laut Szołtysik meist aus China
und Indien. Diese Quellen trocken zu legen, bleibt ein Problem. „Mit China
gibt es keine Kooperationen. Mit Indien haben wir einmal
zusammengearbeitet“, erzählt Szołtysik.
Die Kooperation mit Indien soll zumindest vertieft werden. Die
Weltdopingagentur Wada und die indische Bundespolizei CBI stellten im April
in Delhi einen Aktionsplan zur Unterbrechung der Vertriebswege von
illegalen Substanzen vor.
Bis zur Identifikation von Sportlerinnen und Sportlern als Konsumenten ist
es aber noch ein weiter Weg. Der bislang prominenteste Fall eines
überführten Athleten im Kontext der polnischen Ermittlungen ist ein
Kraftsportler. Ein ehemaliger Weltmeister im Bankdrücken wurde von der
Polada lebenslang gesperrt. Aber in jede einzelne Ermittlung seien Sportler
involviert, erklärt Polada-Ermittlerin Ostrowska.
22 Apr 2026
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## AUTOREN
DIR Tom Mustroph
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