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       # taz.de -- Debütroman von Saba Sams zu Mutterschaft: Eine Art Geschenk
       
       > Saba Sams begleitet in ihrem Debütroman „Wir sind das Leben“ zwei Frauen
       > auf dem Weg zur Geburt. Wie entsteht Familie ohne klassische romantische
       > Liebe?
       
   IMG Bild: Um große Gefühle, ja Liebe geht es in „Wir sind das Leben“ von Saba Sams
       
       Das Austarieren von Nähe war schon in Saba Sams' gefeiertem Debüt „Send
       Nudes“ ein großes Thema. Der mehrfach ausgezeichnete Erzählungsband machte
       die 1996 geborene Autorin zu einer der wichtigsten jüngeren Stimmen der
       britischen Gegenwartsliteratur. Nun liegt ihr erster Roman vor und der
       Frage nach den Möglichkeiten und Fallstricken zwischenmenschlicher Nähe
       spürt sie auch hier nach.
       
       „Wir sind das Leben“, erzählt von Jules, Nim und Leon, zwei Frauen und
       einem Mann, von ihren Verbindungen untereinander. Der Roman beginnt in der
       Erzählgegenwart, in der die Mittdreißigerin Jules mit einem Neugeborenen
       auf dem Arm voller Unruhe auf die Rückkehr der verschwundenen 18-jährigen
       Nim hofft, die das Kind kurz zuvor geboren hat. Der Großteil des Buches ist
       in Rückblenden erzählt, die jüngere und weiter zurückliegende Vergangenheit
       entfaltet sich in den Erinnerungen der Ich-Erzählerin Jules.
       
       Wir erfahren früh von ihrem starken [1][Wunsch, Mutter zu werden.] Sie
       heiratet mit Ende zwanzig Leon, beschrieben als ein charismatischer
       Taugenichts, der zu viele Drogen konsumiert und Besitzer des in Brighton
       bei Student*innen beliebten Nachtclubs „Gunk“ ist.
       
       Der runtergerockte Laden ist ein idealer Anbahnungspunkt für seine
       zahlreichen Affären. Die nimmt Jules lange hin, trennt sich schließlich von
       ihm, hält aber weiter den Club am Laufen. Ihr Kinderwunsch bleibt
       unerfüllt. Es ist ein von Routinen geprägter Alltag, in dem Jules sich
       eingerichtet hat.
       
       ## Intime Beziehung
       
       Hier nun betritt Nim die Bühne: „Wenn ich die Augen schließe, sehe ich noch
       immer Nim vor mir im Club, so wie sie an dem Abend war, an dem wir uns
       kennenlernten. Sie steht mit mir hinter der Bar, Glasflaschen aufgereiht
       hinter ihrem Kopf, das Haar samtig kurz rasiert, und ihr Mund ist groß und
       feucht und lacht und zieht alles Licht in dem schwülen,
       stroboskopdurchblitzten Raum an“, erinnert sich Jules. Wie schon in Sams'
       Erzählungen spielen auch im Roman sinnliche, körperliche Wahrnehmungen eine
       wichtige Rolle, sie sind Impulsgeber für unvermittelte Anziehung, lassen
       geschilderte Begegnungen dicht und intim wirken.
       
       Es ist die Beziehung zwischen den beiden Frauen, auf die Sams sich
       fokussiert, die sie in ihrer Wechselhaftigkeit, ihrer Ungreifbarkeit und
       Unbestimmtheit mit großem Feingefühl zeichnet. Diese jüngere Vergangenheit
       mit Nim gestaltet die Autorin in intensiven Szenen des Miteinanders, die
       den Lesenden auch durch die lebendigen Dialoge fast filmisch vor Augen
       stehen. Während die weiter zurückliegende Zeit mit Leon wie auch Episoden
       aus ihrer Kindheit von Jules größtenteils nur erzählt werden. So wird ihr
       „schon immer“ existierender Wunsch Mutter zu sein, nicht wirklich greifbar.
       
       Doch Sams' literarische Neuerkundung der [2][Vorstellungen von
       Mutterschaft] und Familie ist von schöner Originalität. Nim wird nach einem
       One-Night-Stand mit Leon schwanger. Sie will das Kind nicht – möchte, dass
       es bei Jules aufwächst. Sie versteht es als eine Art Geschenk. Diese
       Möglichkeit ist für Jules verheißungsvoll, macht das Verhältnis zwischen
       den Frauen aber noch spannungsreicher, ihre Rollen diffus.
       
       Wie angemessen oder übergriffig ist die Fürsorge, die Jules Nim
       entgegenbringt, die selbst keine liebevolle Mutter hatte, auf sich gestellt
       ist? Wie bedürftig ist Jules, die ihre Aufgabe darin sieht, sich um andere
       zu kümmern? Während der Schwangerschaft zieht Nim bei Jules ein, beide
       zeigt Sams in ihrer Verletzlichkeit, ihren Ängsten. Ihren Aushandlungen,
       wer sie füreinander sind – oder sein könnten, wenn das Baby zur Welt kommt.
       Doch eine Art Familie, auch wenn sie einander nicht in klassischer
       romantischer Liebe verbunden sind?
       
       Saba Sams hinterfragt, ohne eindeutige neue Antworten zu geben. Aber dass
       es um große Gefühle, ja um Liebe geht, daran lässt sie keinen Zweifel. Das
       erfüllt ihr Romandebüt mit großer Wärme und auch Hoffnung.
       
       22 Apr 2026
       
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   DIR Carola Ebeling
       
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