# taz.de -- Niederlande: Verschärfung des Asylrechts vorerst gescheitert
> Der niederländische Senat hat eine lang geplante Asylrechts-Verschärfung
> abgelehnt. Zurücklehnen können sich Gegner der Verschärfung jedoch nicht.
IMG Bild: Will keine Verschärfung des Asylrechts im Sinne von Wilders, aber doch eine Verschärfung: Ministerpräsident Rob Jetten
Das niederländische „Asylnotmaßnahmengesetz“ ist vorläufig vom Tisch. Am
Dienstag lehnte der Senat in Den Haag mit 38 zu 37 Stimmen die geplante
Verschärfung der Asylpolitik ab. Diese sah vor, unbeschränkte
Aufenthaltsgenehmigungen abzuschaffen und vorübergehende von fünf auf drei
Jahre zu verkürzen. Auch strengere Regeln für Familiennachzug und
Asylverfahren waren geplant. Auf Initiative der rechtspopulistischen Partij
voor de Vrijheid (PVV), in der 2025 gefallenen Rechts-Regierung stärkste
Kraft, sollte zudem Illegalität strafbar werden.
Just an diesem Punkt scheiterte das seit zwei Jahren umstrittene Gesetz,
mit dem die PVV ihr Versprechen der „strengsten Asylpolitik jemals“
umsetzen wollte. Inzwischen regiert eine
Zentrum-rechts-Minderheitskoalition unter dem [1][liberalen Premier Rob
Jetten] (D66). Sie will an einem deutlich strengeren Asylkurs festhalten,
für den es in Politik und Gesellschaft breiten Konsens gibt. Zugleich sieht
sie vor, Hilfe an illegalisierte Personen nicht strafbar zu machen.
Weil die PVV im Senat gegen diese Klausel stimmte, zogen sowohl die
Christdemokrat*innen als auch die fundamental-calvinistische SGP ihre
Unterstützung zurück. Dass auch die D66-Abgeordneten gegen das Gesetz
stimmen würden, war zuvor bekannt.
Im Anschluss kochten die Gemüter hoch: Asylminister Bart van den Brink
(CDA) warf der PVV, die gegen ihr eigenes Gesetz stimmte, „politische
Sabotage“ vor. Fraktionsvorsitzende im Parlament nannten die Abstimmung
„tieftraurig“ oder „Blamage“. Die rechte Boulevardzeitung Telegraaf sprach
von einem „Asyl-Drama“.
## Chaotische Jahre in der niederländischen Politik
Die hitzigen Reaktionen zeugen von den chaotischen letzten drei Jahren der
niederländischen Politik und einer hypernervösen, oft rundheraus
hetzerischen Asyldebatte, die dabei im Zentrum stand. Dieser Zustand begann
nicht erst mit der PVV-geführten Rechtsregierung ab 2024. Bereits ein Jahr
zuvor ließ der damalige Premier und heutige Nato-Generalsekretär Mark Rutte
seine Mitte-rechts-Koalition für eine Verschärfung des Familiennachzugs
platzen.
Es folgte der Erdrutschsieg der PVV dank einer Anti-Zuwanderungs-Kampagne.
Hardlinerin Marjolein Faber als Asyl- und Migrationsministerin machte sich
daran, diese in die Tat umzusetzen, wurde aber verschiedentlich von
Gerichten zurückgepfiffen.
Das Schlagwort „Zugriff auf Migration“ war freilich über die PVV hinaus
politischer Konsens und überdauerte die knapp einjährige Phase der
Rechts-Regierung. Deren Ende wurde von PVV-Chef Wilders, der nicht im
Kabinett saß, übrigens ganz im Stil Ruttes herbeigeführt: indem er den
Koalitionspartnern plötzlich die Pistole auf die Brust setzte und eine
drastische Verschärfung forderte.
## Noch nicht das Ende des Gesetzesvorhabens
Insofern bedeutet die Abstimmung von Dienstag keineswegs das endgültige
Ende des Gesetzesvorhabens. [2][Die drei Parteien der Minderheitskoalition
wollen schnellstmöglich einen neuen Versuch in Richtung strengere
Asylpolitik starten.]
Teile des Gesetzes werden ohnehin durch den Europäischen Migrationspakt
gültig, der im Juni in Kraft tritt. Auch bei der Suche nach
Nicht-EU-Ländern, in die im Rahmen der Rückführungsverordnung abgelehnte
Asylbewerber*innen deportiert werden können, sind die Niederlande mit
Deutschland, Dänemark, Österreich und Griechenland tonangebend.
Im Inneren gehen derweil die seit Jahren anhaltenden lokalen Proteste gegen
die Unterbringung von Asylsuchenden weiter. Beteiligt sind neben besorgten
Anwohner*innen auch Aktivist*innen des rechtsextremen Defend
Netherlands-Netzwerks. [3][Am Dienstagabend beendete die Mobile Einheit der
Polizei in Loosdrecht bei Hilversum eine nicht angemeldete
Protest-Kundgebung gegen eine Asyl-Unterkunft.]
22 Apr 2026
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## AUTOREN
DIR Tobias Müller
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