# taz.de -- Studie „Sozialstaatsradar“: Großer Wunsch nach starkem Sozialstaat
> Viele Menschen wünschen sich eine bessere Absicherung durch den Staat –
> bei Krankheit, Pflege und Rente. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu
> zahlen.
IMG Bild: Vorstellung des Sozialstaatsradars 2026 mit Anja Piel (Mitte) vom DGB
Nicht einen schwächeren, sondern einen stärkeren Sozialstaat wünschen sich
die Menschen in Deutschland. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu zahlen –
zumindest, wenn die Regelungen als gerecht empfunden werden. Zu diesem
Ergebnis kommt das am Mittwoch vorgestellte [1][„Sozialstaatsradar“ 2026].
Wie schon im vergangenen Jahr befragten der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB), die Arbeitnehmerkammer Bremen und die Arbeitskammer des Saarlandes
erneut 3.000 Teilnehmer:innen zu ihren Erwartungen an den Sozialstaat.
Konkret ging es dabei um Gesundheitssystem, Pflege und Rente.
Das Ergebnis fasste Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, so zusammen: „Die
Menschen wollen ein solidarisches System für alle.“ Weiterhin lehne ein
Großteil eine Privatisierung der Sicherungssysteme ab. Lieber solle der
Staat das regeln.
## Schwacher Sozialstaat nur für Millionäre
Bei der Pflege wollen 60 Prozent, dass private Zusatzzahlungen im
Pflegefall entweder gedeckelt oder ganz abgeschafft werden. Zusätzlich bis
zu 3.000 Euro zu bezahlen, wie es derzeit im Schnitt nötig ist, ist für
viele nicht machbar. „Einen schwachen Sozialstaat können sich nur
Millionäre leisten“, sagte Piel.
Bei der Rente sind etwa drei Viertel bereit, mehr ins System einzuzahlen.
Zumindest, wenn das aktuelle Niveau gehalten wird und die Rente ein
sicheres Leben im Alter ermöglicht. Statt Rentenkürzungen fanden die
Befragten im Schnitt, dass die Nettorente etwa 70 Prozent des letzten
Nettolohns entsprechen solle. Es gehe darum, den Lebensstandard zu sichern
– nicht nur Armut zu verhindern, sagte Piel.
Vor dem Hintergrund wäre Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit seiner
[2][„Basisrente“] durchgefallen, hätte er es als Schularbeit abgegeben, so
Piel über die jüngste Äußerung des Kanzlers. Zu Beginn der Woche hatte Merz
von der gesetzlichen Rente als minimale Armutsabsicherung gesprochen.
## Der Lohn, nicht das Alter entscheidet
Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen,
betonte: Es gebe bei der Rentendiskussion nicht um den oft
heraufbeschworenen Generationenkonflikt. Die Befragung ergab, dass ein
Drittel der unter 30-Jährigen bereit ist, sogar deutlich mehr in eine
gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Nicht das Geburtsjahr, sondern
das Einkommen bestimme darüber, ob jemand sich im Alter gut abgesichert
fühle, sagte Rosenthal.
Ein wenig anders sehen es die Arbeitnehmervertreter:innen beim
Gesundheitssystem – obwohl auch da viele der Versicherten bereit wären,
tiefer in die Tasche zu greifen. Das hält Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer
der Arbeitskammer des Saarlandes, aber für den falschen Weg, denn
eigentlich sei hier genug Geld vorhanden. Aber die Verteilung sei
ineffizient. Trotzdem hält er die Botschaft an die Politik für eindeutig:
Leistungskürzungen für niedrigere Beiträge wolle niemand.
## Alle sollen mitmachen
Ein weiterer Punkt sei wichtig: Damit der Sozialstaat funktioniere, müsse
er sich gerecht anfühlen, so Otto. Gerade bei der Kranken- und
Pflegeversicherung gebe es aber das Gefühl eines [3][Zweiklassensystems].
Das zeige sich etwa, wenn gesetzlich Versicherte viel länger auf einen
Termin beim Facharzt warten müssen. „Das ist dem Sozialstaat nicht
zuträglich“, so Otto. Die Befragung ergab, dass knapp 80 Prozent eine
einheitliche Bürgerversicherung befürworten, mit der die Unterscheidung
zwischen Privat- und gesetzlich Versicherten aufgehoben wäre.
Die aktuellen Debatten über Absicherungssysteme verunsichere viele, sagte
Otto. Dabei seien Menschen bereit, für gute Absicherung auch Kosten zu
tragen – es müsse nur für alle gelten: „Wer in den Sozialstaat investiert,
investiert in die Grundfesten der Demokratie.“
22 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.dgb.de/fileadmin/download_center/Studien/sozialstaatsradar_2026.pdf
DIR [2] /Allenfalls-noch-Basisabsicherung/!6172741
DIR [3] /Sparpaket-fuer-das-Gesundheitssystem/!6166613
## AUTOREN
DIR Clara Dünkler
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