# taz.de -- Handelskammer veröffentlicht Umfrage: Tricksen mit Hamburgs Olympiastimmung
> Die Handelskammer zieht eine Umfrage zur Olympiabewerbung aus dem Hut.
> Aber was sie als News verkauft, sind olle Kamellen.
IMG Bild: Klar positioniert, auch auf Kosten der Redlichkeit: die Hamburger Handelskammer
Hamburgs Olympiakampagne geht in die heiße Phase. Seit Mittwoch läuft die
Briefwahl für das Referendum über eine Bewerbung. Am Sonntag hatte
Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Die Begeisterung für die Bewerbung von
„KölnRheinRuhr“ scheint groß zu sein: Von Aachen bis Wuppertal votierten
nirgends weniger als 64 Prozent der Abstimmenden dafür. Nur, ausgerechnet,
die „Leading City“ [1][Köln ging abgeschlagen mit 57 Prozent ins Ziel].
Und Herten, das als Mountainbike-Standort vorgesehen war, hat sich sogar
ganz ins Aus geschossen: Dort stimmten zwar 74 Prozent zu, aber es nahmen
zu wenig überhaupt an der Abstimmung teil. Herten ist damit bei Olympia
sicher nicht dabei.
Dennoch, in NRW insgesamt haben 66 Prozent der Abstimmenden für die Spiele
votiert. Genauso viele wie vor Wochen [2][in München]. Damit liegt die
Messlatte für Hamburg hoch. Die Zustimmung der Bevölkerung ist nicht das
einzige Kriterium für eine Vergabe der deutschen Kandidatur, aber bei einer
Zustimmung von unter 60 Prozent gilt eine Bewerbung als aussichtslos.
Da traf es sich gut, dass die Hamburger Handelskammer just am
Abstimmungssonntag in NRW eine Umfrage aus dem Hut ziehen konnte, nach der
beinahe jene magischen 60 Prozent der Hamburger:innen die Durchführung
von Olympischen Spielen „eher befürworten“, genau 59,6 Prozent. Der Rest,
40,4 Prozent, war „eher dagegen“.
## Umfrage gezielt lanciert
Die Vertretung der Hamburger Unternehmen, die sich schon vorher
[3][deutlich für die Ausrichtung der Spiele positioniert] hatte, lancierte
ihre vom Prognos-Institut durchgeführte Umfrage gezielt nur an Medien, von
denen sie sich eine wohlwollende Berichterstattung versprach. Mit Erfolg:
Das Hamburger Abendblatt sah durch die „relativ aktuelle Umfrage“ die
Olympiastimmung in der Stadt „im Aufwind“. Auch der NDR berichtete über die
„neue“ Umfrage und einen daraus ablesbaren Stimmungsumschwung.
Nur war die Umfrage gar nicht neu. Die Handelskammer hatte sie zwar am 19.
April strategisch platziert. Aber der Befragungszeitraum war vom 20.
Februar bis zum 5. März gewesen. Und damit vor der anderen Umfrage, die bis
dahin in der Stadt kursierte.
Die hatte der [4][NDR beim Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap in
Auftrag gegeben], das 1.152 Wahlberechtigte befragte. Und von denen sahen
50 Prozent eine Hamburger Olympiabewerbung „eher schlecht“ und nur 41
Prozent „eher gut“. Die Befragung war vom 19. bis zum 23. März durchgeführt
worden, war also gut zwei Wochen neuer als die Handelskammer-Umfrage.
Das muss irgendwann auch jemandem beim Sender aufgefallen sein, der sich
[5][zu einer „Klarstellung“ genötigt] sah. Darin heißt es: „Ein aktueller
Stimmungsumschwung Pro Olympia lässt sich aus der Handelskammer-Umfrage
also nicht ableiten.“
Im Gegenteil – wenn man aus beiden Umfragen eine Tendenz ablesen will, dann
hätte sich die Stimmung eher gegen die Spiele gedreht. (An dieser Stelle
herzlichen Dank an die Handelskammer, dass sie der taz nicht dieselbe Falle
gestellt hat.)
Die Hamburger Linksfraktion, die sich gegen Olympia in Hamburg ausspricht,
hatte auch gleich einen Erklärungsansatz parat: Zwischen beiden Umfragen,
am 11. März und 17. März, hatte der Senat [6][erst sein Finanzkonzept] und
dann [7][das gesamte Olympiakonzept vorgelegt]. Auf die NDR-Umfrage hätten
die Bürger:innen demnach also informierter geantwortet als auf die der
Handelskammer.
## Stimmungsumschwung in ein paar Tagen?
Dem liegt vielleicht ein bisschen viel Vertrauen in die demokratische
Öffentlichkeit zugrunde. Ein diametraler Stimmungsumschwung in ein paar
Tagen, nur weil die Konzepte des Senats nicht überzeugend sind?
Wahrscheinlicher ist etwas anderes: Die starken Ausschläge in kurzer Zeit
deuten eher darauf hin, dass viele Hamburger:innen in der Olympiafrage
nicht sehr entschieden sind und ihre Antwort stark von der Tagesform
abhängt. Das könnte den Olympiafans Hoffnung machen, dass es sich lohnt, um
ihre Stimmen zu kämpfen.
Es könnte aber auch darauf hindeuten, dass die Hamburger:innen ganz
andere Sorgen haben und Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ihnen
herzlich egal sind. Dann würde es schwierig werden, das für ein
erfolgreiches Referendum notwendige Quorum von 20 Prozent Ja-Stimmen aller
Stimmberechtigten zu erreichen. Denn dafür müssten ja erst mal mindestens
40 Prozent teilnehmen. Hamburg könnte es ergehen wie Herten: keine Stimmen,
keine Ringe.
22 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] /Buergerentscheide-zu-Olympia/!6172332
DIR [2] /Bewerbung-fuer-Olympia/!6124690
DIR [3] /Hamburgs-Olympia-Ambitionen/!6151312
DIR [4] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/klarstellung-des-ndr-zu-olympia-umfragen-in-hamburg,olympia-622.html
DIR [5] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ndr-hamburgtrend-viele-sehen-olympia-bewerbung-kritisch,hamburgtrend-102.html
DIR [6] /Milliarden-fuer-die-Spiele/!6162007
DIR [7] /Hamburger-Olympiabewerbung/!6162660
## AUTOREN
DIR Jan Kahlcke
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