# taz.de -- Sondervermögen für Infrastruktur: Kontrolle für Ausgaben soll kommen
> Wie investiert der Staat Milliardenkredite des Bundes? Die Regierung
> plant ein Kontrollinstrument, der Opposition reicht der Vorschlag aber
> nicht aus.
IMG Bild: Steht im Fokus der Diskussionen um das Sondervermögen: Finanzminister Klingbeil, mit Kanzler Merz bei einer Kabinettssitzung
Seit das Sondervermögen in der Welt ist, hagelt es Kritik, dass die 500
Milliarden Euro [1][nicht bestimmungsgemäß für Investitionen verwendet
würden.] Nun versucht die Regierung die Debatte zu beruhigen, indem sie ein
neues Prüfverfahren vorschlägt. Das halten Grüne und Linke jedoch für
unzureichend.
Im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität darf der
Staat innerhalb von 12 Jahren 500 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen,
um zum Beispiel die Bahn zu sanieren. Die Mittel sollen „zusätzlich“
fließen, wobei dieses Kriterium für alle Beträge gilt, die über einen
Anteil der Investitionen von 10 Prozent am Bundeshaushalt hinausgehen.
Viele Fachleute bezweifeln allerdings, dass die Bundesregierung die Regel
einhält. Eine Rolle wird die Debatte wieder spielen, wenn
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) in der kommenden Woche die
Eckpunkte für den Bundeshaushalt 2027 vorlegt.
Im Versuch, das Thema zu befrieden, hat Finanzstaatssekretär Dennis Rohde
(SPD) kürzlich das Konzept für ein neues „Monitoring des Sondervermögens“
an den Haushaltsausschuss des Bundestages geschickt. Das hatten sich die
Abgeordneten vom Finanzministerium gewünscht. Erstmals Anfang Juni soll
demnach ein jährlicher Bericht erscheinen – darin enthalten unter anderem
Zahlen zu den geplanten und tatsächlich erfolgten Investitionen, den
Wirkungen für die Verbesserung der Infrastruktur und weiteren ökonomischen
Effekten.
„Grundsätzliche Unklarheiten“ bemängelt dabei Sebastian Schäfer, der
haushaltspolitische Sprecher der Grünen. So vermisst er konkrete
„Messeinheiten“, um die Wirkung der Investitionen zu beziffern. Reicht es
etwa schon, Hunderte Kilometer Schienen neu zu verlegen, oder müssen die
Strecken auch eine bestimmte technische Ausstattung aufweisen?
Im Übrigen verlangt Schäfer, die „Mittel aus dem Sondervermögen nur für
zusätzliche Investitionen zu verwenden und eine klare Abgrenzbarkeit“ zu
den Ausgaben des normalen Haushalts „sicherzustellen“. Das fordert auch
Christian Görke, finanzpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Eine
isolierte Prüfung des Sondervermögens kann keine Aussagen über die
besonders umstrittene Zusätzlichkeit der Investitionen treffen.“ Das
vorgeschlagene Monitoring bezeichnet er als „aufgeblasenes
Management-Konzept“, bei dem „es sich eher um eine neue
Beschäftigungsmaßnahme zu handeln scheint“.
## Expertin schlägt Kontrollkonto vor
Währenddessen schlägt Ökonomin Geraldine Dany-Knedlik vom Deutsches
Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin vor, ein neues „Kontrollkonto“
einzurichten, um verfolgen zu können, ob die Milliarden Euro aus dem
Sondervermögen an die richtigen Stellen fließen. Unter anderem geht es ihr
um den Vergleich zwischen den geplanten und getätigten Ausgaben. „Wenn im
Haushaltsvollzug die Investitionsquote unter die vorgeschriebene Schwelle
sinkt, muss dieses Defizit in den Folgejahren zwingend ausgeglichen
werden“, sagt Dany-Kendlik.
„Wir plädieren ebenfalls für einen transparenten Kontrollmechanismus“
kommentiert Grünen-Politiker Schäfer. „Der sollte jährlich zeigen, ob die
geplanten Investitionen auch zu tatsächlichen zusätzlichen Ausgaben führen
und den Zielen des Sondervermögens gerecht werden.“
## Eckwerte nächste Woche
Finanzminister Klingbeil will die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 am
29. April präsentieren. Dabei wird es unter anderem darum gehen, wie die
bisher erhebliche Differenz zwischen zu niedrigen Einnahmen und höheren
Ausgaben zu schließen ist.
Wobei sich die finanzielle Lage gerade wieder verschlechtert, weil die
Regierungskoalition aus Union und SPD mehr Geld braucht, um die durch den
Nahostkrieg [2][gestiegenen Öl- und Benzinpreise abzufedern]. Vor diesem
Hintergrund warnt das gewerkschaftliche Institut für Makroökonomie [3][vor
einer Senkung der Einkommensteuer], über die die Regierung diskutiert. Eine
solche Steuersenkung erhöhe das Risiko, dass die Mittel aus dem
Sondervermögen für andere Zwecke als Investitionen genutzt würden.
23 Apr 2026
## LINKS
DIR [1] /Verwendung-des-Sondervermoegens/!6161403
DIR [2] /Oekonom-ueber-hohe-Energiepreise/!6168140
DIR [3] https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009379
## AUTOREN
DIR Hannes Koch
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