# taz.de -- Rechte Drohungen in Cottbus: Politik sichert Pfarrer Schutz zu
> Polizei, Staatsschutz, Gespräche mit der Politik: Nach mutmaßlich rechten
> Drohungen in Cottbus schaltet sich die Landesregierung ein.
IMG Bild: Auch in der Nazi-Hochburg ist es bunt: CSD in Cottbus
dpa | Einschüchterungsversuche und offene Drohungen aus der rechten Szene
alarmieren zunehmend die Politik in Brandenburg. In Cottbus ist ein
Studentenpfarrer Opfer geworden, der für die Initiative Sichere Orte
Südbrandenburg engagiert ist. Er bekommt nach einer Drohung vor seiner
Wohnungstür jetzt nicht nur aus der Kirche viel Unterstützung.
Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle traf sich mit
dem Pfarrer und mit Vertretern der Hochschule. „Ich sage allen, die mit
Worten, Stickern, Tattoos oder Tritten Angst verbreiten wollen: Das ist
unser Zuhause – und Hass findet hier keine Heimat“, sagte die
SPD-Politikerin.
Es gibt auch Berichte über rassistische Beleidigungen bei einer
Semesterparty für Studierende. Zudem wurden in der Vergangenheit auch
Jugendclubs und alternative Wohnprojekte vermehrt zur Zielscheibe
mutmaßlich rechter Angriffe.
## Innenminister tauscht sich mit Cottbuser OB aus
Auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sicherte der Stadt in
einem Gespräch mit Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) am Donnerstag
Rückendeckung und einen engen Austausch zu. Der Verfassungsschutz sei zur
Aufklärung und Beratung eingeschaltet, hieß es.
Wie die Stadt Cottbus mitteilte, gingen die Vorfälle offenkundig von
überwiegend rechtsextremen Jugendlichen aus, die in ihren Augen linke
Einrichtungen als Feindbilder definierten. „Dem gegenüber stehen unter
anderem eine starke Unterstützung der Betroffenen aus der Stadtgesellschaft
in Cottbus und eine örtliche Polizei, die in jedem Fall umgehend reagiert
und ermittelt.“ Auch Beratungsteams stehen Betroffenen vor Ort zur
Verfügung.
Brandenburgs Minister für gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke
(SPD), sagte, Staat und Gesellschaft seien gefordert, demokratisches
Engagement zu sichern. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg nahm die
Vorfälle, die sie anhand von Berichten Betroffener bekannt gemacht hatte,
zum Anlass, sich gegen befürchtete Kürzungen bei Demokratieprojekten zu
wenden. „Wer sich gegen rechte Gewalt stellt, braucht Worte der
Unterstützung, aber vor allem wirksames politisches und polizeiliches
Handeln“, hieß es.
Die Initiative zählte mehrere Vorfälle aus der vergangenen Woche auf, dazu
gehörten Hakenkreuze an der Fassade des Wohnprojektes „Zelle 79“ und der
Hitlergruß. Den Vorfall vor der Wohnung, in der der Studentenpfarrer in
Cottbus wohnt, schilderte die Initiative so: Zwei „Neonazis“ hätten die
Haustür aufgetreten, seien mehrere Stockwerke zur Wohnung vorgedrungen und
hatten vor der Wohnungstür randaliert. Aufkleber unter anderem mit der
Aufschrift „Piss Dich nach Berlin“ seien hinterlassen worden.
Nach der Veröffentlichung hätten sich andere Betroffene gemeldet, so die
Organisation. Demnach sei es bei der Semestereröffnungsparty der
Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU) in Cottbus, wo viele
internationale Studierende eingeschrieben sind, zu rassistischen
Beleidigungen gekommen. Die Polizei hat davon bislang keine Kenntnisse und
rief Betroffene auf, sich zu melden. Die Hochschule teilte mit, mögliche
rassistische Beleidigungen bei der Semesterparty seien bislang nicht
offiziell gemeldet worden.
Allerdings beklagte die BTU mit einem hohen Anteil internationaler
Studierender und Wissenschaftler schon vor Jahren Fälle von Rassismus und
Gewalt auch am Campus. 2024 nahm eine Monitoringstelle an der Hochschule
die Arbeit auf: Dort können Fälle rechter Einflussnahme und Diskriminierung
an der Hochschule online gemeldet werden. Zudem werden „Safer Spaces“
geschaffen – Gruppen, in denen sich Menschen mit
Diskriminierungserfahrungen austauschen können.
Auf der Homepage der Hochschul-Monitoringstelle schreiben Wissenschaftler,
Cottbus und die Region in Südbrandenburg seien durch rechte
„Dominanzbestrebungen“ herausgefordert. Es habe sich ein toxisches Milieu
etabliert aus militant-neonazistischen Hooligan- und Kampfsportgruppen und
Reichsbürgern bis hin zu neurechten Vereinen und der Partei AfD. Zudem sei
das Netzwerk wirtschaftlich verankert etwa in der Gastronomie, über
Sicherheitsfirmen und Musik- und Bekleidungslabels.
„Das ist traurige Realität“, sagte die Sprecherin der Initiative Sichere
Orte Südbrandenburg, Ricarda Budke zu rechten Vorfällen in Cottbus. Sie
rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Fachleute sprechen auch von einer
Normalisierung rechter Einschüchterungsversuche und Gewalt.
Der Schwerpunkt rechter Gewalttaten lag 2025 nach erfassten Zahlen der
Opferperspektive in Nordbrandenburg. Die meisten Fälle gab es im
vergangenen Jahr im Kreis Märkisch-Oderland mit 46. Dahinter folgen die
Stadt Cottbus mit 38 und der Kreis Oberhavel mit 23 Angriffen. Cottbus gilt
seit Langem als eine Hochburg der rechten Szene. 2025 etwa wurde ein
Angriff auf einen Studenten ghanaischer Herkunft bekannt.
24 Apr 2026
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